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Kirche in WDR 5 | 03.11.2015 | 06:55 Uhr

Glaube handgreiflich: Zupacken

Es war spät geworden gestern Abend. Und der Tag hatte es in sich. Am Ende waren die Freunde froh, dass der Meister für sie einen klaren Auftrag hatte: Fahrt schon mal ans andere Ufer voraus. Ich komme später nach. Auf dem Weg zum Hafen konnten sie noch hören, wie er die vielen Menschen nach Hause schickte. Es waren doch einige Tausend zusammengekommen.

Schnell war das kleine Boot für die nächtliche Überfahrt hergerichtet; jeder Handgriff saß, eine geübte Truppe eben, ein eingespieltes Team. Als sie schließlich ablegten, hatte die Dämmerung schon eingesetzt. Im letzten Tageslicht war zu erkennen, wie der Meister den Berg hochstieg.

Aber keiner fragte: Was hat er vor? Sie hatten sich schon an diese einsamen Auszeiten gewöhnt. Sollte mich nicht wundern, sagte Johannes, wenn er wieder die ganze Nacht alleine betet…

Inzwischen ist es Nacht geworden. Das Mondlicht und die Feuer am Ufer reichen für die Navigation. Und der Wind ist stark genug für eine mäßige Fahrt. Anfangs gab es noch aufgeregte Gespräche über das gestern Erlebte: Unglaublich; zwei Fische und fünf Brote und am Ende noch zwölf Körbe voll von dem, was übrig blieb, als alle satt geworden waren…

Schließlich aber hat doch bei den meisten die Müdigkeit gesiegt und es ist still geworden. Nur Jakobus, der am Ruder steht, hält die Augen offen und steuert sicher durch die wechselnden Fallwinde, die von den Bergen kommen.

Es ist schon nach Mitternacht, als er plötzlich aufschreit und in die Dunkelheit deutet: Da! Auf einen Schlag sind alle im Boot hellwach und springen auf. Ihr Blick, gezeichnet von Erschrecken und Angst, folgt dem ausgestreckten Arm des Steuermanns.

Ich glaub es nicht, flüstert Jakobus, wir sind mitten auf dem See, und da kommt uns einer auf dem Wasser entgegen. Mit einem Griff hat er das Segel gelöst und das Boot in den Wind gelegt. Und in die plötzliche Stille hinein hören sie den Meister sagen: Ihr braucht doch keine Angst zu haben; ich bin’s!

Wieder Stille. Das ausgebremste Boot schaukelt heftig und alle suchen Halt, am Mast, am Tauwerk und aneinander. Petrus hat sich als erster wieder gefasst: Herr, wenn du es bist, dann sag, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.

Die Antwort des Meisters ist kurz: Komm!

Und ohne zu zögern steigt Petrus über die Reling. Andreas, der neben ihm steht, will ihn zurückhalten. Aber Johannes fällt ihm in den Arm: Lass ihn! Und noch bevor die Freunde recht begreifen können, was geschieht, ist Petrus schon auf dem Weg über das Wasser, auf Jesus zu.

Dieser verrückte Draufgänger, denken die Freunde. Und Petrus denkt: Was mache ich hier eigentlich? Mitten in der Nacht? Mitten auf dem See? Die Angst steigt in ihm auf und er beginnt zu sinken.

Bevor er ganz untergeht, hören die Freunde ihn schreien: Herr, rette mich!

Was jetzt kommt, stelle ich mir gerne in Zeitlupe vor:

JESUS STRECKT SEINE HAND AUS. ER RETTET SEINEN FREUND VOR DEM UNTERGANG.

Er steigt mit ihm ins Boot. Und der Wind hat sich gelegt.

Dietmar Schmidt, ich bin Pastor in Bochum.

Was ich mir wünsche, am Morgen dieses Montags?

Etwas von dem Mut, den Petrus hatte, als er ausstieg.

Ob mir gelingt, den sicheren Boden zu verlassen, wenn es darauf ankommt, Neuland zu erkunden?

Etwas von der Erfahrung, die Petrus machen konnte, als er unterging.

Ob ich mich auch dann noch gehalten weiß, wenn mein Glaube schwach wird, wenn mir der Boden unter den Füssen weggeht und der Abgrund darunter mir Angst macht?

Diese Jesus-Geschichte lässt mich ahnen: Glaube ist hand-greiflich.

Gott sei Dank.

Copyright Vorschaubild: Petrus Gabriel Scena biblica CCBy 2.0 flickr

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