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Sonntagskirche | 10.05.2015 | 08:55 Uhr

Glaubensgeschichten aus New York City: Himmelfahrt

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!

Nackensteife ist neben Blasen an den Füßen die häufigste Begleiterscheinung eines New-York-Besuchs. Aus dieser Stadt erzähle ich Ihnen an diesen Mai-Sonntagen. Ich möchte Sie an Orte in dieser vermeintlich oberflächlichen Metropole führen, die zwischen Wallstreet, Broadway und Fifth Avenue vom Glauben und vom Leben erzählen - und davon, wie beides zusammengeht. Man muss nur wach sein.

Und gewissermaßen zwischen den Zeilen lesen können. Zwischen den Häuserzeilen, genauer gesagt, den Schluchten, über denen die gewaltigen Wolkenkratzer aufragen. Immer, immer geht der Blick nach oben, höher und höher die glänzenden Fassaden entlang. Daher die Nackensteife.

Mich erinnerte das bei meinem letzten Besuch in New York ausgerechnet an Christi Himmelfahrt. Am Donnerstag feiern wir ja dieses Fest. Die Bibel erzählt, wie eben auch die Jünger „unverwandt zum Himmel emporschauten, Jesus nach“ (Apg 1,10). Ganz gleich, wie konkret man sich diese Himmelfahrt vorstellen soll: der Blick hoch zum Himmel ist verbunden mit einer tiefen Sehnsucht - nach Aufgenommen-Sein, Heimat, Erfüllung.

Auch wenn die Bibel an keiner Stelle erzählt, dass Jesus von einem Berg aus in den Himmel gefahren ist - die Himmelfahrtskirche in Jerusalem steht auf einem der höchsten Punkte der Stadt, oben auf dem Ölberg. In New York City gibt es ebenfalls einen solchen „Top of the rock“ genannten Gipfel - aber gemeint ist die Aussichtsplattform auf dem obersten der 70 Stockwerke hohen Rockefeller Center.

Eröffnet wurde es 1939 – zehn Jahre nach dem „Black Thursday“, dem großen Börsencrash, der als Beginn der Weltwirtschaftskrise und der „großen Depression“ in den USA gilt. Heute ist das Gebäude mit 259 Metern Höhe zwar kaum halb so hoch wie der Hauptturm des neuen „One World Trade Centers“, aber die Aussicht von dort oben über Manhattan ist definitiv ein Höhepunkt. Richtung Süden geht der Blick aufs Finanzviertel, Richtung Norden schaut man auf das, was die Menschen wirklich am Leben hält: die grüne Lunge der größten Stadt der USA, den Central Park.

Und ich sage Ihnen: Es ist wirklich ein herrlicher Blick von dort oben, wie wir Menschen es ja überhaupt lieben, auf Aussichtstürme zu steigen oder vom Gipfel eines Berges in die Weite zu schauen. Und manchen überfällt sogar im Flugzeug auf über zehn Kilometern Höhe ein andächtiges Staunen über Gottes Schöpfung. Mich jedenfalls macht so ein Über-Blick demütig.

Überheblichkeit aber verbinden wir mit solchen Zeitgenossen, die nur diese eine Richtung kennen: nach oben. Koste es, was es wolle. Oben ist die Macht. Nicht umsonst haben das Geld - nicht nur in New York City - die berühmten „oberen Zehntausend“.

Selbst die Bibel verbindet mit „ganz oben“ Versuchung - sie kennt uns Menschen. Im Neuen Testament wird sogar Jesus „auf einem sehr hohen Berg“ verführt, „alle Reiche der Welt“ zu erhalten, wenn er sich niederwirft vor dem Teufel. Aber die Bibel verortet auch zentrale Gotteserfahrungen auf einem Berg - etwa die Übergabe der Zehn Gebote auf dem Sinai oder seine Kreuzigung auf dem Golgota-Felsen. Und - zumindest in der Tradition - eben auch die Himmelfahrt auf dem Ölberg von Jerusalem. Alles echte Höhepunkte.

Die Tendenz aber ist klar: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lk 14,11). Und zugleich ermutigt die Bibel: „Strebt nach dem, was oben ist“. Die Erde, die Menschen, die Schöpfung achten und lieben und dadurch (!) wachsen - auch dazu ermutigt ein Blick vom „Top of the rock“ in New York City. Und so kann die höchste Aussicht zu höchstem Ansehen führen: von mir auf den anderen, vom anderen auf mich. Ganz so wie der gute Blick dessen, den wir aus eben diesem Grund den „Allerhöchsten“ nennen.

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich wünsche Ihnen einen erhebenden Sonntag! Aus Münster verabschiedet sich Markus Nolte.?

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