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Kirche in WDR 4 | 01.07.2016 | 08:55 Uhr

Gott erklären?

„Ich weigere mich an einen Gott zu glauben, den man erklären kann!“ – ein Bischof aus Peru sagte das vor ein paar Wochen beim Pfarrfest von St. Aposteln in Köln. Er war bei uns Gastprediger und sprach über die Dreifaltigkeit. Und dann sagte er diesen zentralen Satz: „Ich weigere mich an einen Gott zu glauben, den man erklären kann!“

Ich muss zugeben, dass der Gedanke mich seitdem immer wieder beschäftigt hat. Meine erste Reaktion noch während der Messe war: Wer sich weigert, an einen Gott zu glauben, den man erklären kann, der will ihn auch gar nicht erklären können. Der will dumm und naiv bleiben. Der will Gott überhaupt nicht verstehen lernen. So einen naiven Kinderglauben werfen aufgeklärte Zeitgenossen ja gerne dem einen oder anderen Christenmenschen vor. Zugegeben, die Dreifaltigkeit, also dass Gott aus drei Personen besteht – nämlich Vater, Sohn und Heiliger Geist –, die doch keine drei Götter sind, sondern ein einziger; also so etwas in einfachen Worten zu erklären, bringt auch manchen Christen hin und wieder in Erklärungsnöte.

Nicht umsonst werfen manche Juden und Muslime uns Christen vor, der Vielgötterei anheimgefallen zu sein. Und noch so manch anderes Geheimnis verbirgt sich hinter der Vorstellung eines christlichen Gottes. Und: Gott erklären können, das bedeutet ja auch zu sagen: Ich habe genau verstanden, wer Gott ist. Das ist ja nicht unproblematisch – denn mir erscheint das zu einfach: Ein Gott, den man erklären kann, den kann man auch ganz praktisch in die Handtasche stecken und ihn dann herausholen, wenn man ihn gerade braucht. So einen Handtaschen-Gott tragen nicht wenige Gläubige mit sich herum. Wenn er mir guttut, wenn es gerade von Vorteil ist, ihn zu haben, dann hole ich ihn einfach aus der Handtasche heraus und erkläre mir und anderen so die Welt.

Aber was ist, wenn meine Erklärungen an ein Ende stoßen oder auf harte Realitäten knallen? Wenn ich merke: Gott passt in keine Handtasche!

Sein Geheimnis ist größer. Ja, sogar: es gibt auch dunkle Geheimnisse. Da ist die Frage nach dem Leid, das Menschen trifft, die überhaupt gar keine Schuld tragen. Oder so manches, was in meinem Leben anders gelaufen ist, als ich es mir vorgestellt habe und darin irgendwie gar keinen Sinn erkenne.

Je mehr ich über den Satz des Bischofs in St. Aposteln nachdenke, umso mehr habe ich Sympathie für ihn. Denn er bewahrt Respekt vor dem Geheimnis Gottes und verwahrt sich davor, ihn in die eigenen beschränkten Denkkategorien einzustecken.

Ich glaube, dass der Bischof mit seinem etwas markant formulierten Satz darauf hinaus wollte: Glaube ist Wagnis, weil ich mich auf Gott einlasse, obwohl ich nicht alles verstehe und erst recht nicht alles erklären kann. Aber – und das ist mein sehnlicher Wunsch – irgendwann erübrigen sich dann doch die häufig von uns gestellten Fragen, auf die wir bisher keine Antworten gefunden haben. Dann sind auch diese erklärt.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Jan-Hendrik Stens aus Köln.

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