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Kirche in WDR 5 | 04.08.2017 | 06:55 Uhr

Gott hat keine Augenzeugen

Guten Morgen!

Gott hat keine Augenzeugen. Wenn man ihn doch sehen könnte...

Von diesem Wunsch erzählt eine der dramatischsten Geschichten in der Bibel. Unter der Führung des Mose entkommt das Volk (Israel) aus Ägypten, wo sie als Sklaven vegetiert hatten. Der Weg in die Freiheit geht durch die Wüste zum Berg Sinai. Mose steigt hinauf, um dort die „Zehn Gebote“ von Gott abzuholen. Das dauert und dauert. Im Volk grummelt es. Was ist das eigentlich für ein Gott, der uns hierher in die Wüste gelockt hat? Wie gut wäre etwas Sichtbares, etwas fesselnd Faszinierendes – dem würde man gern folgen. Da schmelzen sie ihren Schmuck ein und gießen daraus die goldene Statue eines Stiers. Ganz verzückt tanzen sie dann um ihren strahlenden Gott. „Das ist unser Gott, der uns befreit hat“, jubeln sie und feiern zu seinen Füßen ein wüstes Gelage.

Genüsslich wird hier davon erzählt, wie sich ein ganzes Volk verblöden lässt von dem Wunsch einen sichtbaren und greifbaren Gott zu haben.

Dies ist eine sehr frühe und unglaublich witzige und kluge Kritik an Religion mitten in der Bibel. Über zwei Jahrtausende später wird der berühmte Religionskritiker Ludwig Feuerbach behaupten: Gott ist die Projektion der menschlichen Wünsche. Er meinte: Wonach der Mensch sich sehnt, das wirft er auf Gott wie der Beamer das Bild an die Wand wirft. Und dann nennt der Mensch das „Gott“, was eigentlich ja nur ein Bild ist von seinem eigenen Inneren. Ein Bild seiner eigenen Sehnsüchte und Wünsche. Genauso gießt das verunsicherte Volk (Israel) seine Sehnsüchte zu dem Bild eines goldenen Stiers und kniet vor ihm nieder. Dieser Stier verkörpert märchenhaften Reichtum und eine unbezwingbare Macho-Macht.

Der Gott der Bibel passt aber in kein Bild. Zu sehen gibt er die Tafeln mit seinen Geboten, allein sie.

Das Volk aber, das um seinen goldenen Stier tanzt, hat endlich seinen sichtbaren Gott und sein religiöses Mega-Event. Doch Moses Rückkehr ernüchtert die religiös Berauschten jäh. Außer sich vor Zorn lässt er den Stier im Feuer zerschmelzen. Dann zermahlt er den traurigen formlosen Goldklumpen zu Pulver, streut das Pulver ins Wasser und gibt es den Leuten zu trinken. Sie müssen ihren Götzen regelrecht fressen und verdauen und dann ausscheiden.

Das Volk damals bejubelte seinen Stier, tanzte um ihn, betete ihn an und opferte ihm.

Und heute? Wem opfere ich meine Kraft, meine Ideen, meine Zeit? Was ist mir Herzensanliegen und höchstes Ziel? Das ist die eigentliche Gottesfrage. Ist es das, was der Stier verspricht? Man sieht sein Abbild vor den Börsen stehen, man beobachtet den ekstatischen Tanz der Kurse. Man erinnert sich an den BVB-Attentäter Sergej W., der im Tanz um den Götzen Geld Bomben zündete und Opfer wollte. Man sieht oben in der Politik die schnaubenden Männer, die Zulauf bekommen. Man sieht unten armselige Männlein, die als Krieger für einen Macho-Gott töten und sterben wollen. Man sieht die Wiedergänger des Stiers und denkt verzweifelt an das Erste Gebot: Betet sie nicht an und dient ihnen nicht.

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