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Kirche in WDR 3 | 15.02.2018 | 07:50 Uhr

Gott und Volk

Guten Morgen! Ich hatte eine fromme Oma, und ich mochte sie gern. Aber außer der frommen Oma gab es für noch viele andere Berührungspunkte mit Glauben und Kirche. Als Kindergartenkind hat mich der festliche Heiligabendgottesdienst tief beeindruckt. Im Religionsunterricht habe ich gern die Geschichten von Abraham und von Joseph und seinen Brüdern gehört. Erstaunt hat mich der Pfarrer im Konfirmandenunterricht, der so anschaulich die biblischen Psalmen erklären konnte und so viel wusste. Dabei waren wir zu Hause gar nicht besonders kirchlich. Eine Nachkriegs-Kirchenbiografie in Westdeutschland wie viele tausend andere. „Volkskirche“ ist da wohl das richtige Wort.

Beim Propheten Jeremia in der Bibel lese ich: „Gehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.“ (Jeremia 7,23) Viele Landsleute des Propheten Jeremia folgten, so würde man heute wohl sagen, einem nationalistischen Mainstream. Gott ist unser Gott, und wir, ausschließlich wir, sind sein Volk. Das sollen alle wissen, die anders sind als wir. Die sollen draußen bleiben aus der Welt, in der Gott auf unserer Seite steht.

Dem stellt sich Jeremia entgegen und sagt: Nein! Gott ist niemandes Besitz. Er ist nicht einfach „euer“ Gott. Er ist Gott auch ohne euch. „Gehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.“ Das Gottesvolk wohnt nicht in einem bestimmten Land, sondern ist in der ganzen Welt zerstreut. Es spricht auch nicht nur eine Sprache sondern viele. Gott wohnt auch nicht an einem einzigen Ort sondern fährt, wie es in den Psalmen heißt, auf Wolkenwagen. Die Glieder des Gottesvolkes können sesshaft sein wie Petrus in Jerusalem und sie können unterwegs sein wie Paulus, auf Reisen, oder auf der Flucht vor Gefahr oder - wie viele Menschen damals wie heute - auf der Suche nach einem besseren Leben.

Es werden immer mehr, die von außen in unser Land und auf diese Weise in Kontakt mit uns kommen. Sie kommen wegen einer Ausbildung oder zum Studieren. Oder wegen der Liebe oder in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie sind geflohen oder wurden vertrieben. Sie kommen hierher und begegnen den christlichen Kirchen bei verschiedensten Gelegenheiten. Wem begegnen sie eigentlich, wenn sie mir begegnen?

Das Wort „Volkskirche“ kann eine neue Bedeutung bekommen. Wenn ich jetzt gern ein Glied des Volkes Gottes sein möchte, seine Stimme hören und ihr folgen möchte, was kann das bedeuten?

Vielleicht ist es einfacher als ich denke. Dann bleibt Gott einfach Gott, der frei ist und niemandem gehört, aber da ist; und die Menschen dürfen Menschen sein mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten, Geschöpfe und Geschwister. Und mittendrin darf ich mit allen, die dazu berufen sind, gemeinsam Kirche sein. Nicht mehr und nicht weniger, einfach einer von ihnen mit meinem Alltag und meinem Sonntag, mit meinen Aufgaben und meinen Gaben, einer, der heute Morgen einen neuen Tag beginnt, gemeinsam mit Ihnen, wie alle anderen auch.

(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR und WDR 5: )

Das meint Ihr Dieter Beese aus Bielefeld.

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