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Kirche in WDR 5 | 26.02.2014 | 06:55 Uhr

Gottesbegegnung

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!

Kennen Sie das auch? Da hört man einen Satz in einer Rede, in einem Vortrag oder in einer Predigt. Dieser Satz bringt es auf den Punkt.

Und dieser Satz bleibt hängen. Er kommt immer wieder vor das eigene geistige Auge. Und es kommt mir vor, als würde ich den Satz immer wieder neu hören.

Einen solchen Satz habe ich einmal gehört von Heiner Koch, der jetzt Bischof in Dresden ist. Als er noch Weihbischof hier in Köln war, begann er eine Predigt mit dem Satz:

„Man kann es drehen und wenden wie man will: die entscheidende Frage ist die Frage nach Gott!“

Ein starker Satz. Die Frage nach Gott, also das Suchen nach Gott als das Entscheidende. Finden Sie nicht? Die Frage nach Gott? Die Suche nach Gott?

Wie das geht?

Nun, da gibt es kein Patentrezept. Ich schaue da gerne auf Gestalten aus der Bibel.

Eine meiner Lieblingsfiguren ist der Propheten Elija, der im 9. Jahrhundert vor Christus gelebt hat.

Ein von Gott berufener Mann, der mit dem Charisma der Nähe zu Gott beschenkt ist. Aber dieser Prophet mit Vollmacht kannte auch Momente der Verzweiflung und der Gottesferne. Die Frage nach Gott war die entscheidende Frage auch für ihn.

Am Tiefpunkt seines Lebens will Elija seinem Gott neu begegnen und wandert deshalb zum Gottesberg.

Und Gott zeigt sich, wie die Bibel berichtet:

Sprecher:

„Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben.

Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises, Säuseln.“

Der Religionsphilosoph Martin Buber nennt das sanfte, leise Säuseln eine „Stimme verschwebenden Schweigens.“

Für Elija wird Gott erst in dem paradoxen, zerbrechlichen und kaum wahrnehmbaren sprechenden Schweigen offenbar.

Nicht im Sturm, nicht im Feuer, nicht im Beben.

Die Stimme des Schweigens weist hin auf eine neue Gotteserfahrung,

die über die traditionellen Anschauungen hinausgeht.

Hier wird das Unanschauliche, Ungreifbare, Unsichtbare, Unhörbare der Begegnung mit Gott auf den Punkt gebracht.

Auch wenn wir glauben, dass wir Gott in dieser Welt begegnen können, geht Gott nicht in dieser Welt auf. Der evangelische Theologe Karl Barth bringt es auf den Punkt: Gott ist der „ganz Andere“.

Wenn Gott der ganz Andere ist, dann heißt dies aber nicht, dass Gott nicht erfahren werden kann in dieser Welt.

Gott der ganz Andere macht uns vielmehr deutlich, dass wir ihn nicht dingfest machen können. Wir sind auf dem Holzweg, wenn wir meinen, wir könnten festlegen, wie und worin Gott zu erfahren ist. Wir sind auf dem Holzweg, wenn wir zu wissen meinen, wie Gott sich uns Menschen zeigt.

So viele Menschen es gibt, so viele Wege zu Gott gibt es. Und: selbst ein Mensch wie Elija, dem Gott unbegreiflich nah gekommen ist, macht sich neu auf die Suche nach diesem Gott. Ein Gott, der bis dahin besonders in den Naturgewalten festgemacht wurde: in Himmelsfeuern, in bebenden Bergen und tosenden Stürmen. Aber Gott war im stillen Säuseln. Eine religionsgeschichtlich neue Sicht der Offenbarung.

Und Elija war offen für diese neue Gotteserfahrung. Sonst hätte er wohl nie und nimmer die „Stimme des verschwebenden Schweigens“ hören und verstehen können.

Die „Stimme des Schweigens“ kann daran erinnern,

achtsamer zu werden für die stillen und leisen Töne des Lebens.

Gott kann auch zwischen den Zeilen wahrgenommen werden, im Kleinen und Feinen. Das meint der deutsche Mystiker Meister Eckhart, wenn er sagt:

“Nichts im Universum gleicht Gott so sehr wie das Schweigen.“

In diesem Sinne wünschte ich Ihnen stille Momente, auch in den kommenden tollen Tagen.

Ihr Peter Krawczack aus Düsseldorf

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