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Kirche in WDR 5 | 19.07.2018 | 06:55 Uhr

Gottesdienst

Guten Morgen!

An der Kirche hängt ein Schaukasten. Auf einem Plakat steht: Gottesdienst mit Band. Das klingt interessant. Ich bin noch neu hier und gehe hin. Im Kirchenraum fallen mir als erstes die vielen festlich gekleideten Menschen auf. Eine Taufgesellschaft. Sie sitzt geschlossen vorne rechts. Auch vorne links hat sich eine größere Gruppe zusammengefunden. Dort unterhalten sich alle rege, begrüßen sich herzlich, auch die Bandmitglieder sind mittendrin. Es wirkt so, als würden die sich alle kennen. Die so genannte Kerngemeinde, vermute ich. Diejenigen, die fast jeden Sonntag da sind und sich in den Gruppen und Kreisen engagieren.

Es geht los. Der Kirchenmusiker beginnt mit einem Stück auf dem Klavier. Die Liturgie ist klassisch. Gebete und natürlich das Herzstück des evangelischen Gottesdienstes, die Predigt. Bei der Taufe dürfen alle Kinder nach vorne zum blumengeschmückten Taufbecken kommen und zugucken. Die Geschwisterkinder des Täuflings dürfen sogar kurz ein klein wenig mit den Händen im Taufwasser planschen. Als Erinnerung an ihre eigene Taufe, sagt der Pfarrer.

Die Band begleitet alle Lieder des Gottesdienstes. Auch eine Sängerin haben sie dabei. Wir singen bekannte und weniger bekannte Lieder, fröhliche und eher nachdenkliche. Die Musik zum Ausgang übernimmt wieder der Kirchenmusiker. Er spielt „The Logical Song“ von Supertramp auf dem Klavier.

Nach dem Gottesdienst gibt es ein Picknick auf der Wiese hinter der Kirche. Anwesend ist die Gruppe, die in der Kirche vorne links gesessen hatte. Die Kerngemeinde.

Die Taufgesellschaft ist gegangen. Das war zu erwarten. Sie feiern die Taufe in der eigenen Runde, im Restaurant oder Zuhause. Das ist verständlich. Doch wenn die Taufe bedeutet, dass ein Kind in die Gemeinde aufgenommen wird, warum ist dann ausgerechnet die Tauffamilie nicht beim Gemeindepicknick dabei?

andererseits, wer ist Gemeinde? Sind es diejenigen, die nach dem Gottesdienst zum Essen bleiben? Sind es die mehreren Tausend, die offiziell Mitglieder der Kirchengemeinde sind, die aber nur selten in den Gottesdienst gehen? Gemeinde bedeutet Gemeinschaft mit Christus, Gemeinschaft der Heiligen, Gemeinschaft der Getauften. Und die kann sich auch im Picknick ausdrücken, klar. Aber Geselligkeit und Gemeinschaft sind doch nicht das Gleiche. (1) Die Reformation definierte die Kirche als „Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden“. (2) Eine Predigt habe ich eben im Gottesdienst gehört und das Sakrament der Taufe haben wir auch gefeiert. Also - hier war schon mal Gemeinde. Und sonst? Wie äußert sich Gemeinde im Alltag? Inzwischen sind mir einige Textzeilen des Liedes von Supertramp wieder eingefallen. Das Lied, das der Kirchenmusiker am Ende des Gottesdienstes gespielt hat. Übersetzt lauten sie so:

„Es gibt Momente wenn die ganze Welt schläft,

da gehen die Fragen zu tief

für so einen einfachen Menschen.“

Tiefe Fragen, keine einfachen Antworten. Danke, dass Sie sich am frühen Morgen darauf einlassen. In welcher Gemeinschaft fühlen Sie sich aufgehoben?

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen, Ihre Mareike Heidenreich aus Münster.

(1) V. EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft: Engagement und Indifferenz. Kirchenmitgliedschaft als soziale Praxis, März 2014, Kapitel 10 „Dimensionen des Lebensstils“, insb. 10.2, S. 77-79.

Demnach pflegen 68 % der evangelischen Frauen und 57 % der evangelischen Männer einen geselligen Lebensstil, im Bereich der Kirche aber auch außerhalb. Zum Vergleich mit kirchlichem Engagement wurden auch Fragen nach Besuchen von Verwandten und Freunden sowie nach dem Engagement in Vereinen o.ä. gestellt. Die Analyse der Daten zeigt, dass Menschen, die außerhalb der Kirche einen geselligen Stil pflegen, diesen auch an ihren Aktivitäten in der Kirche schätzen. Andererseits geben 32 % der Frauen und 43 % der Männer unter den Kirchenmitgliedern an, weniger Interesse an Geselligkeit zu haben. „Auch die Gruppe der »sehr« oder »ziemlich« Kirchenverbundenen besteht zu etwa einem Drittel aus Menschen mit geringem Interesse an Geselligkeit.“ (S. 79) „Zwischen dem Interesse an Geselligkeit und dem Austausch über religiöse Themen besteht kein statistischer Zusammenhang. Auch der Gottesdienstbesuch alleine oder mit anderen korreliert nicht mit der Ausprägung der Geselligkeit.“ (S. 78)

Die Verfasser der Studie sehen hier eine Herausforderung für das Gemeindeleben, wie es sich vielerorts darstellt. Es seien „…faktisch viele Elemente im Leben von Ortsgemeinden in ganz bestimmte Erscheinungsformen von »Geselligkeit« im oben definierten engeren Sinne gefasst. Darin setzen sich dann die stilistischen Vorlieben derer durch, die die Mehrheit der Aktiven vor Ort bilden. Das aber wirkt abstoßend auf solche Menschen, denen ein geselliger Stil der Freizeitgestaltung fremd ist, selbst wenn sie als Kirchenverbundene sehr wohl einen Sinn für eine Gemeinschaft haben, die auch für sie Kirche ausmacht. Ein kirchliches Selbstverständnis, das kirchliche Geselligkeit und »Gemeinschaft« im theologischen Sinn miteinander verkoppelt zur eigentlichen angemessenen Form von Kirche, wird demnach von den Daten nicht gestützt. Diese zeigen vielmehr: Es wirkt dann faktisch eine Beschränkung auf gesellige Lebensstile.“ (S. 79)

(2) Philipp Melanchthon, Augsburger Bekenntnis, Art. 7.

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