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Kirche in WDR 2 | 05.04.2014 | 05:55 Uhr

Große Worte fasten

Machen Sie doch heute mal eine Liebeserklärung. Und zwar eine, bei der das Wort Liebe gar nicht vorkommt. Ich liebe dich – das ist ja schnell gesagt. Manchmal so dahingesagt. Kann sich abnutzen. Liegt wie ein Stück totes Holz im Raum. Erwärmt nicht immer das Herz. Heute also einfach Mal: Eine Liebeserklärung ohne das große Wort Liebe. Das zwingt dazu, es genau zu beschreiben. Wie beschreibe ich meinem Liebsten oder meiner Liebsten denn jetzt, dass ich ihn oder sie liebe? Ganz schön schwierig. Beschreibe ich, was ich an ihr mag? Die schönen Augen, den Gang, ihr glucksendes Lachen? Oder sage ich, wie ich mich fühle, wenn ich bei ihm bin? Frei. Geborgen. Aufgeregt. Voller Leidenschaft. Herausgefordert, über mich hinaus zu wachsen?

Ein bloßes „Ich liebe dich“ höre ich erst dann nicht als Floskel, wenn ich damit genau diese ganz konkreten Erfahrungen mit dem geliebten Menschen verbinden kann.

Es gibt derzeit eine Aktion, die nennt sich „Sieben Wochen ohne große Worte“. Das ist eine Fastenaktion der Evangelischen Kirche. Fasten sollen dabei vor allem die Pfarrerinnen und Pfarrer – und zwar große religiöse Worte wie Erbarmen. Gericht. Erlösung. Verheißung. Gott. Jesus sind auch darunter.

Schluss mit Sätzen von den Kanzeln wie: „In Jesus Christus hat sich Gott mit seiner Liebe, Barmherzigkeit und Gnade den Menschen zugewandt und geoffenbart.“ Diese „Worte“ sind zu Worthülsen erstarrt. Wie zur Salzsäule. Ich höre den Satz – aber meinen Körper durchströmt keine Wärme, meine Seele wird nicht satt. Die erstarrten Wörter wie totes Holz zum Leben erwecken. Das ist der Sinn der Aktion. Und dann klingt der trockene Satz von Gott, der sich in Jesus offenbart, vielleicht so: Ein stadtbekannter Mann, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, hatte eine kranke Tochter. „Meine Tochter war schon wie tot“, erzählt er. „Sie atmete nur noch schwach. Da kam ein Heiler in die Stadt, den habe ich ins Haus geholt. `Keine Angst, glaube nur`, hat er zu mir gesagt. Er hat sofort verstanden, dass wir unsere Tochter erdrückt haben, ihr die Luft zum Atmen genommen haben. Und da hat er sie abgeschirmt von uns und gesagt: Steh auf! Lebe! Geh deinen eigenen Weg als Frau! Und da war sie wieder voller Kraft und Leben.“ Soweit das Erlebnis. Und das große Wort dazu ist Jesus. Denn er ist es, der die Zwölfjährige geheilt hat. Mit Gott ist es wie… mit dem Himmelreich ist es wie… mit der Liebe ist es wie… Ohne die kleinen konkreten und fassbaren Momente mitten im Leben bleiben die großen Worte Hüllen. Große Worte fasten – ja! Um sie nicht einfach wie ein totes Stück Holz zu benutzen. Und ihnen wieder Leben einzuhauchen. Sie wieder mit allen unseren Sinnen zu verbinden. „Als du mich einfach in den Arm genommen hast, obwohl ich so eklig zu dir war. Da habe ich mich wohl gefühlt. Du hattest gemerkt. Mir geht’s nicht gut.“ So klingt dann Liebe. - „Als ich total gescheitert bin, alles verloren hatte, da habt ihr mich wieder aufgenommen. Habt mir geholfen neu anzufangen, wieder Fuß zu fassen.“ So klingt Gott. Machen Sie doch heute eine Liebeserklärung – einem Menschen oder einem der größten Wörter, das Ihnen am Herzen liegt. Beschreiben Sie genau, was es für Sie bedeutet, ohne es selbst zu benutzen. Und freuen Sie sich darauf – da kommt was ins Fließen in dem oft starren Alltagstrott!

http://www.ohne-grosse-worte.de/

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