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Kirche in WDR 2 | 20.01.2014 | 05:55 Uhr

Grund zur Dankbarkeit

Es ist selten, dass ich spätabends noch Zug fahre. Aber als ich diesmal in unserem kleinen Bahnhof ausstieg, ging es schon auf Mitternacht zu. Erwartungsgemäß war das Bahnhofsgebäude dunkel, verlassen und abgeschlossen. Kein Mensch war zu sehen, als ich mich auf den Weg zu meinem Auto machte.

Aber dann sah ich, dass mir ein paar Typen entgegenkamen. Vier oder fünf. Typen, denen man nie gern begegnet. Schon gar nicht allein und im Dunkeln.

Ich wollte eigentlich an ihnen vorbeigehen, ohne sie zu beachten. Als wäre gar nichts Besonderes los. Aber so einfach wollten sie es mir nicht machen. Denn als ich direkt neben ihnen war, stellte mir einer ein Bein, so dass ich fast hingefallen wäre. Kaum dass ich mein Gleichgewicht wiedergefunden hatte, drehte ich mich um und motzte: „He, was soll das denn?“

Das war natürlich genau die falsche Reaktion, denn darauf hatten sie nur gewartet. In Nullkommanichts standen sie direkt vor mir. Und der, der mir das Bein gestellt hatte, kam mir gefährlich nahe, als er mich fragte: „Was ist? Wolltest du dich mit mir anlegen?“ „Nein …“ versuchte ich zu beschwichtigen, weil ich natürlich merkte, in was für eine bedrohliche Situation ich geraten war. „Ist auch besser für dich!“ fiel er mir ins Wort. „Denn sonst - ich schwör, ich mach dich fertig!“ Dann ließ er noch ein paar Unfreundlichkeiten folgen, während seine Kumpels mich unsanft hin- und herschubsten, bis ich schließlich gegen die Wand des Bahnhofsgebäudes prallte.

Das schien ihnen zum Glück zu reichen, denn nun wandten sie sich zum Gehen, schlugen sich auf die Schultern und waren offenbar bester Laune. Ich dagegen lehnte an der Hauswand und fühlte, wie sich der Schmerz in meinem Rücken ausbreitete. Zum Glück konnte ich mich dennoch so weit beherrschen, dass ich ihnen nicht noch irgendwas hinterherrief. Obwohl mir danach durchaus zumute war. Stattdessen richtete ich mich mühsam auf und ging langsam zum Parkplatz.

Erst als ich in meinem Auto saß, wurde mir klar, was mir da eben alles erspart geblieben war. Obwohl ich mich ganz schön elend fühlte, war ich doch ziemlich gut aus der Geschichte herausgekommen. Und was alles hätte passieren können, wenn ich meinem Ärger am Ende lautstark Luft gemacht hätte, das wollte ich mir lieber gar nicht so genau ausmalen. Mit Sicherheit wäre mir das richtig schlecht bekommen.

Während ich nun den Wagen startete und losfuhr, wich der Ärger langsam der Erleichterung. Mein Rücken tat zwar immer noch weh. Aber ich konnte wenigstens noch selber Auto fahren und musste mich nicht ins Krankenhaus bringen lassen. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich bloß Glück gehabt hatte. Sondern ich fühlte mich richtiggehend bewahrt. Bewahrt in einer schwierigen und gefährlichen Situation. Bewahrt vor einer großen Dummheit, die ich leicht hätte begehen können.

Denn ich glaube, das macht Bewahrung aus: Nicht, dass Gott alle schwierigen oder gefährlichen Situationen verhindert. Sondern dass er uns in diesen Situationen hilft, das Richtige zu tun und das Falsche zu lassen. Dass er uns auch hilft, das zu ertragen, was nicht zu ändern ist. So dass wir aus so einer Situation wieder herauskommen. Vielleicht nicht ohne Blessuren und nicht ohne Schmerzen. Aber doch so, dass das Leben weitergehen kann.

Das ist ja nicht selbstverständlich. Das passiert auch nicht immer. Aber wenn wir so eine Bewahrung erleben, dann ist das echt ein Grund zur Dankbarkeit.

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