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Kirche in WDR 2 | 11.10.2016 | 05:55 Uhr

Gute Früchte oder faule Eier

Endlich! Nach langem Suchen fand eine Bekannte von mir einen neuen Arbeitsplatz: ein junges Unternehmen mit jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, global agierend. Für sie erschien das Unternehmen wie sechs Richtige im Lotto. Sie war überglücklich. Die Bezahlung entsprach zwar nicht dem, was sie erwartet hatte, aber bei guten Abschlüssen könne sie über Prämien dazu verdienen. Sie erzählte begeistert von den internationalen Kolleginnen und Kollegen, von dem peppigen Design der Büros, dass es keine Stechuhr gäbe, dafür aber Sport- und Meditationsräume zum Regenerieren. Die Chefs seien total locker drauf und legten viel Wert auf Bewegung und gesunde Ernährung. In den Kantinen lägen kostenlos Obst, Bioprodukte und Müsliriegel aus.

Ich gebe zu: ich war skeptisch. Es gibt Fachkräftemangel. In der Wirtschaft ist das ein relativ neues Problem. Unternehmen müssen ihr Personal an sich binden. Ich vermutete: Wer so fortschrittlich auftritt, macht das nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern will die Kolleginnen und Kollegen gesund und fit halten, damit sie umso besser für das Unternehmen arbeiten.

Nach einigen Wochen erzählte meine Bekannte ein wenig irritiert, dass kaum ein Kollege so viele Abschlüsse schaffe, um überhaupt eine Prämie kassieren zu können. Es gäbe aber nicht nur das Belobigungssystem, sondern auch ein System der Bestrafung, wenn Kollegen die wöchentlich gesetzten Ziele nicht erreichten. In einem Fall wären alle an einem Freitagnachmittag zusammen gerufen worden. Die Betroffene hätte eine Plastiktüte über die Schultern ziehen müssen, damit die Kleidung sauber bleibt. Und dann sollte sie angereichte Eier auf ihrem Kopf zerschlagen. Dabei konnte sie nicht ahnen, welches Ei gekocht, und welches roh oder sogar faul war. Alle hätten viel Spaß gehabt. Nur eine nicht so.

Natürlich ist keiner der jungen Mitarbeitenden aus den unterschiedlichsten Ländern in einer Gewerkschaft. Alle sind froh, überhaupt einen Arbeitsplatz in Deutschland zu haben. Wenn man dann noch Spaß bei der Arbeit hat – was soll´s? Global agierende Unternehmen spielen bekanntlich mit den nationalen Arbeitnehmer- und Steuerrechten. Die Menschenwürde scheint dabei öfter auf der Strecke zu bleiben. Der Partygag, Eier auf dem Kopf zu zerschlagen, hat nichts mit Menschenwürde zu tun. Es fördert auch nicht gerade den gebotenen Respekt vor Lebensmitteln.

Wir reden in den letzten Jahren oft über die Unterschiede der Religionen. Es gibt aber in fast allen Religionen und Kulturen ein und denselben ethischen Grundsatz: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Die sogenannte „goldene Regel“. Bei Jesus kommt dieser Satz in seinem Grundsatzprogramm der Bergpredigt vor. Er sei die Zusammenfassung dessen, was alle Gesetze und Propheten aussagen wollten.

Mag sein, das ist nicht immer „in“. Mag sein, es ist leichter, dem „Mainstream“ zu folgen. Das „wirkliche Leben“ aber, so Jesus, orientiere sich nicht am „Mainstream“, sondern z.B. daran, dass man andere so behandelt, wie man selbst behandelt werden will. Eine solche Orientierung trage langfristig Früchte.

Das gilt auch für global aufgestellte Unternehmen. Wer in der Wirtschaft dauerhaft gut und erfolgreich sein will, braucht ethische Grundsätze, Leitlinien. Zum Beispiel diese „goldene Regel“. Sie passt in globalisierte Zeiten, weil sie bereits allen Religionen und Kulturen innewohnt. Wenn man sie beherzigt, gibt’s keine „faulen Eier“ mehr, sondern „gute Früchte“.

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