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Kirche in WDR 2 | 18.02.2017 | 05:55 Uhr

Gute-Worte-Regen

Das Zitat: „Das Evangelium, Gottes Wort und Gnade, ist ein fahrender Platzregen, der nicht wiederkommt, wo er einmal gewesen ist, sondern die Sonne und Hitze lecken ihn auf. Kauft und sammelt ein. Ihr Deutschen dürft nicht denken, dass ihr es ewig haben werdet.“ Aus: „An die Burgermeyster und Radherrn allerley stedte ynn Deutschen landen.“ (1524), in: WA 15,32 1-13.

Da sitzt er vor den gelbgrünen Butzenscheiben. 1524. Und lauscht nach draußen.

Die Regentropfen schieben sich am Glas entlang nach unten. Die Pfütze vor dem Haus wächst. Februarwetter in Wittenberg. „Ach, wenn‘s doch endlich Frühling wär‘!“ Sagen die Leute. Martin Luther greift nach dem Humpen Bier auf seinem Schreibtisch. Er sitzt vor den gelbgrünen Butzenscheiben mit Blick auf die Straße nach Eisleben. Die ist mal wieder unpassierbar. Das Nass fließt in die Ställe. Der Regen regt ihn an.

Der Reformator hat das Gefühl: Ich muss mal wieder was schreiben, an die Oberen. Und so steht es auch oben auf dem Blatt: „An die Burgermeyster und Radherrn allerley stedte ynn Deutschen landen.“ Und dann schreibt er – über den Regen.

Was kann er da schreiben. Sich über das Wetter beschweren. Zu nass. Zu kalt. Zu lang. Dr. Martin könnte den Bürgermeistern eine Bachregulierung vorschlagen oder ein Auffangbecken für trockene Zeiten. Denn so viel weiß er und hat es selber schon oft genug erfahren: Da mag man noch so sehr über den Regen stöhnen, man braucht das Wasser, zum Überleben. Die Kühe auch. Alle. Und darüber hinaus: Regen kommt nicht immer auf Bestellung. Luther hat noch die Zeit im Kopf, in der (im Mansfeldschen) die Äcker verdorrten. Also gilt es wohl, die Zeit, die Planung gut zu nutzen. 500 Jahre später wird es auch in Nordrhein-Westfalen Sommer geben, da sinkt der Pegelstand in den Talsperren: Autowaschen unerlaubt! Und an anderen Orten der Welt knien Menschen händeringend auf dem Boden oder tanzen, dass sich nur ja ein Wölkchen am Horizont zeigen möge.

Regen und Sonne – sie sind ungleich verteilt und nicht herstellbar. Da kommt in Königswinter ordentlich was runter und in Bonn City bleibt es staubtrocken. Nun ist es nicht Luthers Art, sich in die Ordnung eines Wasserverbandes einzumischen. Doch die Unberechenbarkeit, die Unplanbarkeit der Nässe inspiriert ihn zu einem ganz anderen Gedanken. Der erscheint ihm mindestens ebenso so wichtig wie die Wasserversorgung. Es geht ihm nämlich an diesem Regentag vor allem anderen um die Kostbarkeit guter Gottesworte. Die, so sein tiefer Glaube, hat man ja auch nicht jeden Tag und überall. Die kommen ja auch wie eine Wolke. Manchmal sind sie überraschend da, sie bleiben ein bisschen, und schwupp sind sie schon wieder weitergewandert. Jetzt hat er es. Er schreibt an die Ratsherrn: „Das Evangelium, Gottes Wort und Gnade, ist ein fahrender Platzregen, der nicht wiederkommt, wo er einmal gewesen ist, sondern die Sonne und Hitze lecken ihn auf. Kauft und sammelt ein. Ihr Deutschen dürft nicht denken, dass ihr es ewig haben werdet.“ Leute, Verantwortliche, nutzt die Zeit, in der es vom Himmel schöne Sätze regnet. Das alles kann morgen vorbei sein. Wie wahr: Der Glaubensregen ist weitergezogen, von Wittenberg nach Südkorea und anderswohin. In viele Herzen. Erfrischend und belebend.

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