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Kirche in WDR 4 | 13.10.2015 | 08:55 Uhr

"Hängen im Schacht"

Guten Morgen!

„Hängen im Schacht.“ Diese Redensart begegnete mir kürzlich beim Besuch des Bergbaumuseums in Bochum. (1) Sie kommt tatsächlich aus der Bergmannssprache.

Ein Förderkorb ist der "Fahrstuhl" zum Hochziehen und Herablassen der Bergleute. Manchmal blieb der Förderkorb im Schacht stecken. Technischer Defekt. Für die eingeschlossenen Bergleute ging dann nichts mehr. Kein Schichtantreten, kein Feierabend, kein Befreien aus eigener Kraft. Sie waren zum Ausharren verdonnert. Zum "Hängen im Schacht". Schon der alte Hiob in der Bibel kannte diese Erfahrung:

Sprecher: „Man bricht einen Schacht fern von da, wo man wohnt;

vergessen, ohne Halt für den Fuß, hängen und schweben sie, fern von den Menschen.“ (Hiob 28,4)

Autorin: Ohne Halt schweben, der Fuß hängt in der Luft. Das Bild kommt mir bekannt vor.

Etwas oder jemand bleibt stecken, kommt nicht mehr weiter. Es gibt kein Vor und kein Zurück. Beim Bergbau, aber auch im übertragenen Sinn.

Wenn Gespräche erstarren, eine Diskussion zu nichts mehr führt. Wenn in einer Beziehung oder Freundschaft nichts vorangeht. Wenn ein Punkt erreicht ist, an dem totaler Stillstand herrscht. Sozusagen Schicht im Schacht. In der Wirtschaft nennt man das Stagnation. Die Entwicklung kommt zum Erliegen. Vielleicht wie im biblischen Gleichnis vom Gelähmten.

Sprecher: Da brachten Leute einen Gelähmten zu Jesus. Er wurde von vier Männern getragen. Aber wegen der Volksmenge konnten sie nicht bis zu ihm vordringen. Deshalb öffneten sie das Dach genau über der Stelle, wo Jesus war. Sie machten ein Loch hinein und ließen den Gelähmten auf seiner Matte herunter. Jesus sah, wie groß ihr Glaube war, und sagte zu dem Gelähmten: »Mein Kind, deine Schuld ist dir vergeben. …Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause.« Und er stand auf, nahm rasch seine Matte und ging weg.

(Basisbibel, Markus 2,1-5; 11.12)

Autorin: Da müssen sie das Dach aufheben, damit die Matte hindurchpasst. An Seilen wird der Gelähmte herabgelassen. Hängt sozusagen im Schacht, weil sonst der Weg für ihn versperrt ist. Erst Jesu Worte wecken in ihm wieder alle Sinne. „Mein Kind, deine Schuld ist dir vergeben.“ Er, der nie geglaubt hat, jemals wieder sich bewegen zu können, bekommt auf einmal solche Zuwendung.

Einer, der immer nur am Rand steht, wird plötzlich freigesprochen von allem, was ihn bisher in seinem Leben gebeugt und gelähmt hat. Es ist wie ein Nachhausekommen aus einem Leben in Fremdheit. Von ganz unten nach oben.

Die Geschichte des Gelähmten erinnert mich an das Grubenunglück in Chile vor ein paar Jahren. 33 Bergleute verschüttet. Hängen in 700 Metern Tiefe fest. (1) Kein Weg nach oben.

Von einem Bergmann wird berichtet, dass er täglich fünf bis zehn Kilometer in den Schächten gelaufen ist. Er trainierte für den New York Marathon.

Er ließ sich nicht hängen und hoffte auf Rettung. Jeden Tag, jede Stunde.

Er glaubte dort ganz unten an ein Leben ganz oben.

Während er und die anderen unten im Schacht hofften, bangten oben viele mit.

Zeichen sandten sie nach unten: Briefe, Bilder, Bibeln. Sie hielten die Verschütteten am Leben. Auch wenn ich diese Erfahrung niemals jemandem wünsche – vielleicht hat sie am Ende das Leben sogar bereichert. Hat die Menschen wieder näher zu sich selbst und zueinander gebracht. Hat sie spüren lassen wie kostbar und wertvoll ein Leben in Freiheit ist.

Ich wünsche Ihnen die Erfahrung, dass aus Erstarrung Weite und Freiheit werden kann. Ihre Pfarrerin Christiane Neufang aus Köln.

(1)Quelle: Regine, Mundmische.de, Spass an Umgangssprache und Sprichwörtern

(2)https://de.wikipedia.org/wiki/Grubenungl%C3%BCck_von_San_Jos%C3%A9

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