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Kirche in WDR 3 | 30.09.2014 | 07:50 Uhr

Handschrift Gottes

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer, zehn leere Bücher, Seite um Seite, einfache weiße Blätter. All diese leeren Seiten sollten vollgeschrieben werden. An verschiedenen Orten der Erde. Zu unterschiedlichsten Anlässen. Über viele Jahre. So haben Menschen unterschiedlicher Sprache und Herkunft diese Bücher gefüllt: Seite um Seite, Zug um Zug, mit ihren Gedanken, mit ihren Sätzen. Menschen in New York haben mit dem Schreiben wenige Tage vor Ausbruch des Irakkrieges 2003 begonnen. Sieben Jahre später - gegen Ende des Projektes - waren es Menschen in Nicaragua, die die Seiten füllten.

„Books writing“ - „Bücher schreiben“ hat die Theologin und Künstlerin Benita Joswig ihr Kunstprojekt genannt. Ein kleiner Teil davon wurde 2012 unter dem Titel „Worte wachsen leise“ veröffentlicht. (1) Noch im selben Jahr starb Benita Joswig im Alter von nur 47 Jahren. In ihrem Vorwort zur Veröffentlichung schreibt sie:

Sprecherin: „Für uns Herausgeberinnen ist Gottes Handschrift in diesen Texten gut lesbar. Unverfälscht zeigt Gott darin das Unrecht, benennt die Gewaltstrukturen neu, sieht das Kind, das inmitten einer Straßenkreuzung die Autofahrenden anbettelt. (…) Gott macht sich Notizen, schreibt auf, hält fest und findet in denjenigen Stimme, die sich für die Rechte der Menschen einsetzen...“

Autor: Was für ein schöner Gedanke! All das, was die Menschen in diesen zehn Büchern niedergeschrieben haben, wovon sie erzählt haben und worüber sie nachgedacht haben, geht nicht mehr verloren. Es geht auch bei Gott nicht verloren. Gott sieht es. Gott hält es fest. Gott bewahrt es. Ja, er selbst hat mitgeschrieben. Seine Gedanken sind lesbar in den Zeilen der Buchautoren aus aller Welt, meint Benita Joswig.

In einem Psalm finde ich einen ähnlichen Gedanken. Da betet jemand zu Gott:

Sprecherin: „Alle (meine) Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.“ (Psalm 139,16)

Autor: Mein Lebensbuch bei Gott: Nichts geht verloren. Zugegeben es hat bei mir etwas gebraucht, bis ich diesen Gedanken als etwas Gutes sehen konnte, dass Gott nichts aus meinem Leben übersehen und vergessen wird. Als Kind war mir das geradezu ein schrecklicher Gedanke: Da ist jemand, dem kannst du nichts vormachen, der weiß alles und sieht alles.

Heute verstehe ich das anders. Heute empfinde ich das als etwas sehr Tröstliches, dass da jemand ist, bei dem mein Leben in guten Händen ist: so wie es ist und wie nur Gott es kennt. Da ist jemand, dem ist es nicht egal, wie es mir geht. Selbst wo andere Menschen sich abwenden, weil es ihnen gleichgültig ist, was sie sehen oder weil sie es nicht mehr ertragen können, sieht Gott hin. Und nichts von dem, was Menschen erleben, ist gleichgültig. Nichts geht als unbedeutend verloren. Jedes Leben zählt. Jeder Tag eines Lebens zählt.

Aber weil das so ist, soll nicht alles bleiben wie es ist. Weil Gott das bettelnde Kind sieht, die vom Krieg traumatisierte Seele, den Menschen, der in seiner Einsamkeit verloren geht, darum soll es nicht bleiben wie es ist. Benita Joswig hat gesagt:

Sprecherin: „Gott findet in denjenigen Menschen Stimme, die sich für die Rechte der Menschen einsetzen….“. (2)

Ein Satz über den man lange nachdenken kann. Ihr Landessuperintendent Dietmar Arends aus Detmold.

1 Buch-Titel: Worte wachsen leise - Eine handschriftliche Vernetzung.

Autor/Herausgeber: Bärbel Fünfsinn und Benita Joswig /Hrsg).

Verlag/Ort/Jahr: Erev-Rav, Uelzen, 2012

Seite: 8 (5 ½ Zeilen) [2] ebd. (1 Zeile)

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