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Sonntagskirche | 08.06.2014 | 08:55 Uhr

Heiliger Geist - Pfingsten

„Du bist wohl von allen guten Geistern verlassen!“ Das ist ein Standardsatz bei uns zuhause. Wenn dieser Satz fällt, weiß jeder: Alarmstufe rot. Der andere ist echt sauer.

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, und herzlich willkommen zur „Sonntagskirche in WDR4“.

Heute ist Pfingsten, das Fest des heiligen Geistes. Über den Heiligen Geist oder den guten Geist mache ich mir -ehrlich gesagt- im Alltag relativ wenig Gedanken. Das liegt vielleicht auch daran, dass Geister so schwer zu packen sind. Man sieht sie nicht, man kann sie nicht anfassen. Gibt es sie überhaupt oder sind sie eine Erfindung, nichts als Einbildung?

Für die Menschen im Mittelalter, war das ziemlich egal. Sie waren von der Existenz des Geistes fest überzeugt, weil sie seine Wirkungen deutlich wahrnahmen. Vielleicht sind wir da heute zu wenig aufmerksam. Oder wir schreiben die gleichen Wirkungen anderen Ursachen zu.

Den vielleicht schönsten und tiefsinnigsten Text über den Heiligen Geist hat ein Engländer im 13. Jahrhundert geschrieben. Stephen Langton. Er war Kardinal und Erzbischof von Canterbury. Ein bemerkenswerter Mann, denn obwohl er selbst großen politischen und kirchlichen Einfluss besaß, kam er den damaligen Obrigkeiten mit ihrem Machtstreben gehörig in die Quere. Er hat ein Pfingstlied geschrieben, den Hymnus „Veni, Sancte Spiritus“ .

Langton gibt dem Heiligen Geist darin ganz neue Namen. Er nennt ihn „Vater der Armen, Geber aller Gaben, Licht der Herzen“. Das sind für mich Spuren, mit denen ich etwas anfangen kann. Der Heilige Geist wie ein Vater für alle Armen, einer der sich um die Zukurzgekommenen kümmert, der die nicht vergisst, die drohen durch unser Sozialraster zu fallen. Er gibt alles, was zum Leben nötig ist und darüber hinaus. Der Heilige Geist ist kein geiziger Pfennigfuchser, er gibt Materielles aber auch alle anderen Gaben, die Menschen reich machen: Rücksicht, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Menschlichkeit. In der vierten Strophe des Hymnus heißt es: „In der Mühe bist du Ruhe, in der Hitze Kühle, im Weinen Trost“. Da steht nicht: Der Heilige Geist ist die Ruhe nach Feierabend oder am Wochenende. Der gute Geist Gottes schenkt Ruhe mitten in der Arbeit. Wir würden heute sagen: mitten im Business, mitten im Stress. Er bewahrt uns nicht vor der Arbeit, sondern mitten in ihr. Wer es schafft, mitten in der Hektik und der Geschäftigkeit des Alltags, so etwas wie die innere Ruhe, das innere Gleichgewicht zu bewahren, der erfährt, wie der Heilige Geist wirkt. „In der Hitze bist du Kühle.“ Hitzige Diskussionen, und heiße Leidenschaft sind meist nur von kurzer Dauer. Der Heilige Geist ist einer, der für die richtige Betriebstemperatur zuständig ist, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Der Heilige Geist sorgt wie ein Überhitzungsschutz dafür, dass die Sicherung nicht durchbrennt und zugleich auch dafür, dass keine Gefühlseiszeit ausbricht und dass das Klima menschlich bleibt. Dann erfahren wir den Heiligen Geist als Trost, wenn uns das Weinen und das Leid anderer nicht kalt lassen.

Übrigens: Der Autor des Hymnus, Stephen Langton, hat in England maßgeblich an der Formulierung der Magna Charta libertatum mitgewirkt. Damit hat er den König gegen sich aufgebracht und auch dem Machtgebahren des damaligen Papstes stand er skeptisch gegenüber. Sein kritischer Geist und sein Mut haben ihn sein Amt gekostet und die Verbannung eingebracht. Er starb 1228 im Exil. Vielleicht hat auch er sich manchmal „von allen guten Geistern verlassen“ gefühlt, doch sein Gedanke von Freiheit hat sich letztlich politisch durchgesetzt.

Mein Name ist Stephanie Lichters und ich wünsche Ihnen aus Krefeld einen geisterfüllten Pfingstsonntag, an dem sie Ruhe in der Arbeit und Kühlung in der Hitze und Trost finden, wo sie ihn brauchen.

Gotteslob, Nr. 343

Copyright Vorschaubild: google web

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