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Kirche in WDR 5 | 09.12.2017 | 06:55 Uhr

Heiliger Ort, gesegnete Menschen

„Nicht anfassen! Sie sind hier in einem Haus Gottes! Gleich nebenan auf dem Markt können Sie die Datteln und Granatäpfel begrapschen, aber ich bin ein Stein im Haus Gottes, ich bin was Besonderes!

Das sieht man nicht sofort, aber wenn Sie sich mal kurz hier vor mich hinsetzen, dann erzähle ich Ihnen warum.

Ich war nicht nicht immer ein Stein im Haus Gottes.

Sehr lange, Jahrhunderte lang lag ich in der Wüste bei Lus.

Unzählbare Sonnenaufgänge und –untergänge waren das Einzige, was geschah.

Bis dann, eines Tages die Sonne unterging und ich von weitem einen Mann sah.

Je näher er kam, desto mehr konnte ich es sehen.

Je näher er kam, desto mulmiger wurde mir.

Der schafft es nicht mehr weit, dachte ich.

Er schaffte es genau bis zu mir.

Ließ sich sacken, lehnte sich an mich. Sein Kopf und Oberkörper schmiegten sich an meine starke glatte Seite.

Ich spürte alles. Seine Wärme, aber auch seinen völlig verkrampften Körper.

Ich hörte alles, seine gebrochene Stimme, mit der er klagte: `Ich habe alle betrogen. Meinen Bruder, meinen Vater. Ich habe den Segen nicht verdient. Ich habe alles verloren.`

Ich hörte alles, auch sein gebrochenes Herz. Immer langsamer schlug es.

`Bitte, Gott`, dachte ich. `Lass ihn ein wenig schlafen, aber bitte nicht für immer.`

Da spürte ich seine Hand, ganz oben an meiner Spitze, da wo für mich der Himmel beginnt.

Sanft fuhr seine Hand hinab bis auf den Boden, da wo Erde, Sand und Staub sind.

Und sie fuhr wieder hoch und nieder, langsamer, schneller, sein Körper entspannte sich.

Und dann öffnete er seine Hand zu einer Schale, so als würde er darin Staub sammeln, ganz feinen, wertvollen Staub, aus Diamanten vielleicht. Und ich spürte wie sein Herz hüpfte, als sich seine Hand noch weiter öffnete und es war, als würde der wunderbare Staub in alle Himmelsrichtungen verwehen.

Da ging die Sonne schon auf und er erhob sich kraftvoll wie sie und ich dachte:

`Du bist ein völlig neuer Mensch geworden!`

Und er sah mich an und sagte: `Ha Makom, Beth El, heilig ist dieser Ort und ich wusste es nicht!`

Und er nahm alle seine Kraft zusammen, hob mich hoch und setzte mich nur ein kleines Stück daneben wieder ab. Nahm eine kleine Flasche aus seinem Mantel und goss kostbarstes Öl über mich! Einen Stein in der Wüste! Wie Gold floss es über meine harte Oberfläche und ich fühlte mich nicht mehr wie Stein, ich fühlte mich goldig, gesalbt und gesegnet.

Und er sagte: `Ich salbe dich, weil hier die Pforte des Himmels ist. Hier hat Gott mir gezeigt, dass ich trotz meines Betrugs gesegnet bin und ein Segen sein soll. Und das sollst du allen erzählen: Mir, wenn ich wiederkomme und auch allen anderen, die hier vorbeikommen.`

Und so erzähle ich Ihnen, wie es damals mit Jakob und mir anfing. (1. Mose 28,10-21) Und dass ich deshalb etwas Besonderes bin, ein gesalbter Stein im Haus Gottes! Nicht zum anfassen! Aber um es jedem und jeder von Ihnen zu sagen: Sie sind auch etwas ganz Besonderes. Auch wenn Sie dem Tod näher sind als dem Leben. Wenn Ihr Leben wie eine einzige Wüste von nicht enden wollenden Tagen ist: Sie sind gesegnet und Sie sollen ein Segen sein.

Und nun gehen Sie gern weiter, auf den Markt, in den Alltag. Als ein ganz neuer Mensch.“

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Katrin Berger, Pfarrerin in Hamm.

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