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katholisch

Hörmal | 04.10.2015 | 07:45 Uhr

Heimat

Vor fast 30 Jahren bin ich ins Kloster eingetreten. Und das hatte auch mit der Frage zu tun, wo meine Heimat ist. Ich hatte zuvor ein Jahr in Rom studiert und dann noch ein halbes Jahr in Freiburg. Vor allem in Italien war mir sehr bewusst geworden, was es heißt, in der Fremde zu sein. Das lag vor allem an der Sprache. So schön Italienisch auch ist – es ist eben nicht meine Muttersprache. Und gerade das, was mich wirklich tief bewegt, das drücke ich am klarsten auf Deutsch aus. Wobei: besser noch auf Ruhrpott-Deutsch. Denn es geht ja auch um unterschiedliche Mentalitäten. Als Kind des Ruhrgebietes trag ich die Seele eher auf der Zunge. Ein direktes Wort – was gar nicht so hart gemeint ist, wie es sich anhört – wird woanders nicht immer gleich gut verstanden oder aufgenommen.

Ich bin dann damals in meiner Heimatstadt Duisburg ins Kloster eingetreten, in die Abtei Hamborn, ein Kloster, wo man sich an einen bestimmten Ort bindet, lebenslang. Nicht dass ich jetzt da hinter Klostermauern schmachte. Das ist vielmehr so wie bei einer antiken Skulptur. Die hat ein Standbein und ein Spielbein. Das Standbein gibt der ganzen Skulptur Halt und Standfestigkeit. Das Spielbein kann sich dann frei bewegen. So lebe ich heute in Duisburg und arbeite in Köln und mache Urlaub auch wieder in Rom, Freiburg und anderswo. Aber es ist gut zu wissen, wo ich hingehöre.

Nach fast dreißig Jahren im Kloster hat sich allerdings der Heimatbegriff für mich auch etwas verändert. Ich merke, ich mache das nicht mehr so sehr an Äußerlichkeiten fest – wie z.B. an der Sprache. Mehr und mehr merke ich: Egal wo ich nun aber bin und lebe, arbeite und Urlaub mache, ich muss letztlich eine innere Heimat haben. Anders formuliert: Es geht darum, mir selber Heimat zu werden oder zu sein, eben immer mehr bei mir anzukommen.

Das ist wie eine Entdeckungsreise ins eigene Ich – und die ist gar nicht so einfach und dauert vielleicht sogar ein Leben lang: Wie ist das mit dem Bild, das ich von mir selber habe und wie ist das mit dem Bild das andere von mir haben? Da gibt es Ansprüche, die ich an mich habe und Ansprüche die andere an mich haben. Das kann einen auch zerreißen, wenn man nicht irgendwann beides zusammen bringt, um so Heimat und Halt in sich zu finden.

Der heilige Augustinus, auf den sich meine Klostergemeinschaft beruft, der kannte bereits dieses Problem der inneren Heimatlosigkeit. Augustinus verstand sich als ein lebenslang Suchender auf dem Weg ins eigene Ich. Gleich zu Beginn seines wohl berühmtesten Buches, seiner „Bekenntnisse“ schreibt er einen Satz, der wie eine Überschrift für diese Suchbewegung steht. Er sagt: „Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in Dir, mein Gott!“ Anders ausgedrückt: Für Augustinus führt die Reise ins eigene Ich, zur eigentlichen Heimat, zu Gott – und der ist immer schon anwesend in jedem Menschen.

Copyright Vorschaubild: Kreuzschnabel Commons License artlibre CCBY-SA 3.0 wikimedia

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