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Kirche in WDR 2 | 19.09.2015 | 05:55 Uhr

Helfen, wo es Not tut

Autorin: Immer öfter sind die Tore geschlossen. Immer öfter heißt es in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Dortmund „Aufnahmestopp“. Und dann? Unter den neuankommenden Flüchtlingen sind viele Kinder und Jugendliche. Sie kommen ohne Eltern oder Verwandte nach Deutschland. In der Hoffnung hier Sicherheit und eine neue Lebensperspektive zu finden. Kann man sie vor den Toren stehen lassen?

Für diese minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlinge sucht die Diakonie Dortmund Menschen, die ehrenamtlich eine Vormundschaft übernehmen. Karina Müller ist so eine Ehrenamtliche.

O-Ton: Ich habe seit ganz langer Zeit diese Betroffenheit, wenn ich im Fernsehen wieder sehe was passiert ist, wenn ein Flüchtlingsheim angezündet wurde und ich mochte mit dieser Betroffenheit da nicht mehr stehen. Ich mochte etwas tun und habe einen Rahmen gesucht, in dem ich mich engagieren kann.

Autorin: Deshalb hat sie sich bei der Diakonie Dortmund gemeldet und zusammen mit ihrer Partnerin die Vormundschaft für einen 16-jährigen Jungen aus Tadschikistan übernommen.

O-Ton: Tadschikistan ist nicht das typische Flüchtlingsland, das heißt, wir werden kein Asyl für ihn bekommen. Wir haben jetzt einen Antrag auf Duldung gestellt. Er ist in einer Situation, in der die Familie bedroht wird und wo sein Leben so ernsthaft in Gefahr war, dass den Eltern klar war, sie müssen ihn außer Landes schaffen.

Autorin: Es sind so viele Gründe, warum die Menschen fliehen: Krieg, Menschenrechtsverletzungen, politische Unterdrückung, Missbrauch von Kindern als Soldaten, große Armut und Not. Dabei ist Flucht immer mit schmerzhaften Trennungen verbunden.

O-Ton: Die verlassen ihr Land! Ich glaube, wir vergessen das zu schnell, die verlassen auch ein Land, in dem sie zu Hause sind, die verlassen ihr komplettes Umfeld, die gehen das Risiko ein, unterwegs zu sterben, ihre Familie nie wieder zu sehen, ihre Freunde nie wieder zu sehen.

Autorin: Obwohl fast genauso viele Frauen wie Männer aus ihrer Heimat fliehen, kommen nur wenige weibliche Flüchtlinge auch bei uns an. Vor allem Mädchen verschwinden auf der Flucht, berichtet Karina Müller aus dem Kontakt mit anderen Vormündern.

O-Ton: Die gehen unterwegs verloren. Die landen europaweit in irgendwelchen Bordellen. Das finde ich total furchtbar, was mit den Mädchen dapassiert und würde mir mehr Flüchtlingsarbeit mit Mädchen wünschen.

Autorin: Die, die es zu uns schaffen, kommen in ein fremdes Land mit einer anderen Sprache und einer anderen Kultur. Die meisten der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge leben dann in Jugendhilfeeinrichtungen. Sie brauchen einen Menschen, dem sie vertrauen können, der ihnen im Alltag hilft:

O-Ton: Es gibt Pflicht und Kür. Also Pflicht ist, ich schreibe einen Bericht fürs Gericht, wie sein Zustand ist, ich nehme an den Jugendhilfeplangesprächen teil und schaue, dass Entscheidungen getroffen werden, die wirklich zu seinem Besten sind… und es gibt eben die Kür, wenn die Chemie stimmt und die ist wirklich bei uns total klasse, dann gehen wir zusammen ins Kino, dann gehen wir ne Pizza essen, dann lernen wir deutsch zusammen und lauter solche Sachen.

Autorin: In der Bibel heißt es: „Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat. Zur Ehre Gottes.“ Für mich ist so eine Vormundschaft für minderjährige Flüchtlinge gelebte Nächstenliebe. Da sein, wo man gebraucht wird. Helfen, wo es Not tut. Unaufgeregt, verlässlich und zutiefst menschlich.

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