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Kirche in WDR 5 | 03.06.2016 | 06:55 Uhr

„Herz“

Guten Morgen!

Vor einigen Wochen habe ich mich breitschlagen lassen und ich war auf dem Trödelmarkt. Normalerweise ist das überhaupt nichts für mich. Zu viele kitschige Gegenstände, die andere doch nur loswerden wollen. Und wie ich mich kenne, steht einer dieser Gegenstände dann nachher bei mir im Regal. Aber gut, ich habe mich darauf eingelassen.

Als wir durch die Reihen gehen, stehen wir plötzlich vor dem Verkaufstisch einer Frau im mittleren Alter. Sie grüßt uns freundlich und zeigt uns unaufgefordert verschiedene Gegenstände. Mein Blick aber fällt auf eine Figur, die halb hinter einer Lampe versteckt ist. Eine Jesusfigur, pastellfarben, mit weißem Gewand und rotbraunem Umhang. Die eine Hand hat er zum Segnen ausgestreckt und mit der anderen zeigt er auf sein blutrot-gefärbtes Herz. Die Dame hat meinen Blick scheinbar richtig gedeutet und kramt die Figur hervor. „Ganz schön kitschig, oder?“

Und dann erzählt sie, wie die Figur bei ihren Eltern im Wohnzimmer stand. Als Kind habe sie immer gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer Schwester ein Abendgebet vor dieser Figur sprechen müssen. Als die Mutter nach dem Tod des Vaters nicht mehr alleine wohnen konnte, habe sie die Mutter zwei Jahre lang gepflegt. Das Wohnzimmer wurde kurzerhand zum Krankenzimmer umfunktioniert. Aber die Figur musste im Regal stehen bleiben; darauf bestand die Mutter. Nach ihrem Tod: Hausräumung und der Versuch, nun auf dem Trödel einiges loszuwerden. Die Jesusfigur will bislang keiner haben.

Auch ich muss die Verkäuferin enttäuschen; auch in meine Wohnung passt die Figur nicht wirklich.

Wobei: Solche Herz-Jesu-Figuren mögen auf den ersten Blick vielleicht veraltet und kitschig wirken. Die Botschaft, die dahinter steckt, finde ich gar nicht kitschig, oder altbacken. Denn was kann es schöneres geben, als ein Herz für andere zu haben oder sogar sein Herz zu verschenken? Kein anderes menschliches Organ wird so oft besungen oder in Baumstämme oder Parkbänke eingeritzt. Auch wenn es nur ein Symbol dafür ist: Das Herz ist der Motor, der uns am Leben hält. Grund genug, auf die Gesundheit dieses lebenswichtigen Organs zu achten und es zu schützen.

Bei der Herz-Jesu-Figur auf dem Trödelmarkt dagegen liegt das Herz offen. Es deutet darauf hin, wie sehr sich Jesus verletzlich und verwundbar gemacht hat, wie mitfühlend, weil ihm die Menschen am Herzen liegen.

Und wenn ich an die Verkäuferin auf dem Trödelmarkt denke, hat auch sie genau das gezeigt, als sie ihre kranke Mutter gepflegt hat. Vieles musste sie in dieser Zeit sicher zurückstellen, vielleicht auch manche Verwundung ertragen. Und vielleicht hat sie gar nicht gemerkt, wie sehr sie damit dem nahe kommt, von dem auch die Jesusfigur erzählt: Herz zeigen. Kitschig – finde ich das jedenfalls nicht.

Übrigens: Vor 160 Jahren hat der damalige Papst Pius XI. ein eigenes kirchliches Herz-Jesu-Fest eingeführt. Und das steht heute im Kalender; am dritten Freitag nach Pfingsten. Für mich jedenfalls ein Grund, heute nochmal genau hinzuschauen, wo ich Herz zeige.

Einen guten Tag wünscht Ihnen – von Herzen – Kaplan Andreas Möhlig aus Würselen.

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