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Das Geistliche Wort | 05.05.2016 | 08:35 Uhr

Himmelfahrt ist Vatertag

Autor: Guten Morgen, heute ist ein Feiertag. Was feiern Sie heute? Christi Himmelfahrt oder Vatertag? Oder beides? An Himmelfahrt geht es um Jesus Christus. 40 Tage nach Ostern feiert die Christenheit, dass Jesus „in den Himmel aufgefahren“ ist. Er kehrt heim zu Gott, zum Vater. Wörtlich heißt es in der Bibel: „Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken“ (Apg 1,9). Das ist heute noch ein gutes Bild. Es zeigt: Menschen, die an Jesus glauben, brauchen ihn nicht festhalten. Sie sind frei, das Leben selbst zu gestalten. Ihr Glaube kann erwachsen werden. Dabei wissen sie, der Himmel, die Wirklichkeit Gottes, ist mehr als das, was wir sehen und das Leben ist mehr als wir selber machen können. Aber Menschen können sich – wie Jesus – auf Gott, den Vater aller Dinge verlassen.

Die Wurzeln des Vatertages liegen in den USA. Die Amerikanerin Sonora Louisa Dodd rief diesen Tag zu Ehren ihres Vaters ins Leben. Er war ein Bürgerkriegsveteran und kümmerte sich nach dem Tod seiner Frau ganz allein um seine sechs Kinder. Seine Tochter wollte sich bei ihm bedanken und organisierte mit Hilfe der örtlichen Pfarrer im Jahre 1910 eine Bewegung zur Ehrung von Vätern. Das war der Ursprung des Vatertags. Allerdings nicht in Verbindung mit Christi Himmelfahrt, sondern am 3. Sonntag im Juni. Dass der Vatertag auf Christi Himmelfahrt fällt, ist eine deutsche Besonderheit. Heute scheint dieser Tag gleichberechtigt neben dem christlichen Fest zu stehen. Das Argument: Wenn es einen Muttertag gibt, brauchen Männer auch einen Vatertag.

Musik 1: Titel: Männer; Interpret/Texter/Kompononist: Herbert Grönemeyer; CD: 4630 Bochum, Track 2, LC 00542, Label: Emi

Autor: Vatertag: Ich hab’ nicht nur schön Bilder vor Augen. Da ziehen bisweilen Männerhorden mit Bollerwagen und Bierfässchen durch die Landschaft. Vatertag als Herrenpartie. Manchmal peinlich, manchmal ausgelassen fröhlich. Himmelfahrt und Vatertag: das scheint sich auf den ersten Blick zu reiben.

Auf den zweiten Blick hat beides miteinander zu tun. Jesus kehrt heim zum Vater. Darum geht doch es in der Himmelfahrt. Jesus hat seinen eigenen Vatertag. Seine Beziehung zu Gott ist so innig, dass er sich immer auf ihn verlassen kann. Jesus nennt Gott „Abba“, ein besonders vertrauensvolles, fast zärtliches Wort für „Vater“. Beim Glauben geht es nämlich nicht um irgendeine Theorie, sondern um Vertrauen. Macht die Verbindung von Himmelfahrt und Vatertag dann vielleicht doch Sinn?

Jürgen Rams von der Männerarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland sieht jedenfalls Möglichkeiten in der Verbindung von Himmelfahrt und Vatertag.

O-Ton Rams: Ich denke, man sollte sie eher nutzen als Chance und darauf aufmerksam machen, dass Väter eine wichtige Bedeutung haben in dieser Gesellschaft natürlich auch für ihre Kinder.

Autor: Sein Kollege Dietmar Fleischer betont das neue Rollenbild der Väter heute. Die traditionelle Arbeitsteilung, nach der die Mutter für Haushalt und Kindererziehung zuständig ist, der Vater für das Familieneinkommen, hat sich für viele schon lange überholt. Allerdings: Alte Muster halten sich hartnäckig, insbesondere, wenn es um die Karriereplanung geht.

O-Ton Fleischer: Also Väter haben heute das Problem des Spagat zwischen Familie und Beruf, der da ist, den sie irgendwie miteinander händeln müssen. Sie haben eindeutig ein großes Interesse daran, ihre Kinder zu begleiten. Väter sagen: die Zeit nehme ich mir.

Autor: Auf den Wunsch der Väter, mehr für ihre Kinder da zu sein, reagieren viele Kindergärten. Michaela Moser von der Kita Rosengarten in Wassenberg sagt:

O-Ton Moser: Wir laden zum Vater-Kind-Tag regelmäßig die Väter in unsere Einrichtung ein. An diesem Tag verbringen Väter und Kinder gemeinsame Zeit bei uns, weil es doch oft für die Väter schwierig ist. Vereinzelte sind auch in der Bring- und Abholphase da, das ist aber eher selten. Deshalb haben wir uns überlegt, einen besonderen Tag für Kinder und Väter in unserer Einrichtung anzubieten... An diesen Tagen finden dann gemeinsame Aktionen statt, damit die Kinder intensiv mit ihren Vätern den Kindergarten erleben können, zeigen können, wo sie ihren Alltag verbringen, die Väter Einblick bekommen, was die Kinder jeden Tag machen, aber auch etwas Besonderes erleben können.

Autor: Die Bildungsforschung weiß, dass es Kindern gut tut, wenn Vater und Mutter sich gemeinsam um ihre Erziehung kümmern. Sie bringen sich nämlich unterschiedlich ein. Gesellschaftlich gelten Männer, die sich um ihre Kinder kümmern, immer noch als Ausnahme. Übrigens auch in der Bildungsarbeit der Kindergärten und Grundschulen. Auch hier sind überwiegend Frauen Ansprechpartner der Kinder. Dabei ist offensichtlich: Männer spielen anders mit Kindern als Frauen.

O-Ton Moser 2: Es sind nicht unbedingt andere Sachen, aber sie machen es anders als die Mütter. Also wenn wir beispielsweise mit Holz arbeiten, sind die Väter schon anders im Einsatz beim Sägen und Hämmern und Gestalten mit den Kindern, z.B. ein Fußballtor, das bleibt, auch beim anschließenden Fußballspiel sind die Väter mit mehr Freude und Begeisterung dabei als die Mütter. Man merkt den Unterschied im Spielverhalten der Väter.

Autor: Väter sind unterschiedlich. Sie sind immer wieder neu auf der Suche nach der für sie richtigen Rolle. Das war schon in der Bibel so. Hier finden sich Väter, die ihre Kinder darin unterstützen, die Welt mit all ihren Rätseln zu verstehen, indem sie erzählen, was ihnen selbst wichtig geworden ist (Ex 13,14). Väter, die für ihre Kinder kämpfen, wie der Hauptmann von Kapernaum mit seinem totkranken Kind (Joh 4,43ff). Manchmal ist die Beziehung zu den Kindern allerdings auch ein Ringkampf, wie bei Jakob, der seinen eigenen Weg finden will (Gen 32,23ff). Und manchmal scheitern sie. Dann bleibt die Frage, wie Versöhnung möglich wird.

Musik 2: Titel: Father and Son; Interpret/Komponist: Cat Stevens; CD C.S.: The very best of Cat Stevens, Track 2, LC 01846 (instrumental), Label Universal

Autor: Die schönste Vatergeschichte der Bibel ist aber die Geschichte von der Liebe des Vaters, die meist als Gleichnis vom verlorenen Sohn bezeichnet wird (Lk 15,11ff). Aber verloren ist hier niemand – wegen der Liebe des Vaters. Was war passiert? Ein Sohn zieht aus, um sein Glück zu machen. Wer das Leben lernen will, muss sich von den Eltern entfernen, das schützende Nest verlassen. Aber der Sohn gerät unter die Räder. Verliert sein Geld, hat keine Arbeit. Ist es Schuld? Unachtsamkeit? Schlechte Gesellschaft? So etwas passiert. Keiner ist davor sicher, in Abgründe zu geraten. Was können wir dann tun? Wir können uns erinnern! Der schönste Satz der Geschichte lautet: „Ich will mich aufmachen und zum Vater gehen“. Und tatsächlich. Der Vater ist da, als er gebraucht wird. Der Sohn kehrt heim. Er muss nicht zu Kreuze kriechen. Stattdessen feiern sie zusammen ein Fest. Der Vater traut seinem Sohn zu, eigene Erfahrungen zu sammeln. Freiheit ist immer risikoreich. Aber ohne Freiheit wird niemand erwachsen.

Musik 2: Titel: Father and Son; Interpret/Komponist: Cat Stevens; CD C.S.: The very best of Cat Stevens, Track 2, LC 01846 (instrumental), Label Universal

Autor: Kinder brauchen Väter. Sie wollen vom Vater bemerkt und anerkannt werden. Sie brauchen Väter, die Zeit für sie haben. Das erwarten Kinder von ihnen. Mehr nicht. Väter müssen nicht alles richtig machen. Das kann niemand. Und was ist schon richtig oder falsch? Jeden Tag neu werden Freiräume und Grenzen ausgelotet. Da wird von den Vätern Verlässlichkeit erwartet – und Liebe.

Kinder wiederum wollen nicht Abbild ihrer Eltern sein. Sie wollen selbst ausprobieren, was im Leben trägt. Wollen die Zukunft meistern und die Gegenwart verstehen. Das schaffen sie am Besten, wenn ihr Vertrauen in die Eltern stark und belastbar ist. Dafür werden früh die Weichen gestellt. Das unspektakuläre gemeinsame Spiel ist oft Gelegenheit, miteinander zu lernen und sich im Leben zu orientieren. Und das Vertrauen ins Dasein zu stärken.

Musik 3: Titel: H.H.: Auslese, Interpret: Hans-Jürgen Hufeisen; Komponist: Kanon von Johann Pachelbel;, Track 5, LC 08503, Label Boulevard

darüber:

O-Ton Kind 1: Ich mag am meisten mit Papa im Eiscafe sein, auf dem Spielplatz da gibt’s solche Seile, da kann ich mich rumschlingeln, sogar einen Salto in der Luft machen .. Mama schreckt sich immer aber Papa erlaubt’s mir.

O-Ton Kind 2: Ich mag mit Papa gerne Fußballspielen im SC Myhl-Verein... Sonst haben wir immer verloren, da haben wir gewonnen.

O-Ton Kind 4: Ich gehe gerne mit meiner Familie ins Schwimmbad... Tauchen und Schwimmen.

O-Ton Kind 7: Ich spiel immer mit meinem Vater Mau-Mau und ... ich gewinne immer ... und ... manchmal gewinnt er.

Autor: Es könnte sein, dass Christi Himmelfahrt und Vatertag mehr miteinander zu tun haben, als es ursprünglich schien. Zumindest wenn es um die innige Beziehung von Vätern zu ihren Kindern geht. Auch im Glauben geht es darum. Um die Beziehung zu Gott. Jesus hat seinen Jüngern gezeigt, wie stark diese Verbindung ist. Tragfähig und belastbar. Eine Basis, die jeder Christ immer wieder neu ausprobieren kann. Sie ist die Voraussetzung für eine erwachsene christliche Freiheit.

Dafür hat Gott selbst den Boden bereitet. In der hebräischen Bibel begegnet uns Gott ja mit einem eigentümlichen Namen. Er heißt „Ich-bin-für-dich-da“. Ein schöner Name! Eine gute Beschreibung für Väter. Zu diesem „Ich-bin-für-dich-da-Gott“ kehrt Jesus am Himmelfahrtstag heim. Das ist sein Vatertag!

Ich möchte heute beides feiern, Himmelfahrt und Vatertag. Ich möchte mir meine eigene Vaterrolle vor Augen führen und mich erinnern: Ich kann Gott vertrauen, denn sein Name ist „Ich-bin-für-dich-da“. Und: Ich will ein Vater sein, zu dem sich Kinder aufmachen können in der Gewissheit: Ich werde mit offenen Armen empfangen. Immer!

Einen schönen Himmelfahrts- und Vatertag wünscht Ihnen Oberkirchenrat Klaus Eberl von der Evangelischen Kirche im Rheinland.

4. Musik: Titel: 7 Years; Interpret/Texter: Lukas Graham; CD: L.G. Blue Album, Track 1, LC 00392; Label: Warner Bros. Records

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