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Kirche in WDR 4 | 14.10.2014 | 08:55 Uhr

Hoffen, hoffen, hoffen

Auf dem Tor zur Hölle steht:

„Laßt, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren.

In dunkler Farbe sah ich diese Zeilen

Als einer Pforte Inschrift.“ (1)

So erzählt es Dante in seiner Göttlichen Komödie. Das mittelalterliche Werk ist im ersten Teil eine furiose Höllenfahrt. Dante nennt die Pforte zum Inferno den „Eingang zum verlor’nen Volke“.

Diese Zeilen in dunkler Farbe sind die Gravur in vielem. Zwischen den Wörtern „Arbeit macht frei“ über dem Tor von Auschwitz ist sie eingeschrieben. Oder in dem Wort „abgelehnt“, mit dem der Stempel aufs Papier knallt. Oder zwischen all den medizinischen Fachwörtern einer furchtbaren Diagnose. Kein Höllenbrand und Schwefeldunst, ganz unspektakulär, manchmal nur ein Bett, in dem Höllenqualen gelitten werden, dennoch Eingang zum verlor’nen Volke.

Christlicher Glaube setzt ein klares Nein gegen die Inschrift der Höllenpforte „Lasst alle Hoffnung fahren!“. Paulus widerspricht: „Wir wissen, dass große Not die Kraft zum Widerstand stärkt. Die Widerstandskraft stärkt die Erfahrung, dass wir standhalten können; die Erfahrung standzuhalten stärkt die Hoffnung. Die Hoffnung führt nicht ins Leere.“ (Römer 5,4-5, Bibel in gerechter Sprache)

Es gibt so viel Grund zur Hoffnungslosigkeit, ja. Aber da, wo man jede Hoffnung fahren lässt, wird die Welt wirklich zur Hölle. Es gibt eine Schwarzseherei, die jede Zuversicht lächerlich macht. Und die sich beinahe genüsslich darin ergeht auszumalen, dass alles immer schlimmer wird und Mühe sich am Ende doch nie lohnt. Man kann die Leiden der Zeit in allen Facetten beschreiben und die Zahlen des drohenden Untergangs zelebrieren. Man kann die Geschichte der Misserfolge jeder guten Sache erzählen. Man kann die eigene Zukunftslosigkeit so finster beschreiben, dass die Zukunft vor einem wegläuft.

Also hoffen! Aber wie geht das? Wie geht das, wenn es kein Schönreden sein soll? Wie geht das, wenn es kein billiger blinder Optimismus sein soll? Wie soll man vorher wissen, ob es was bringt? Daniel Berrigan, ein Jesuit und unbeirrbarer Friedensaktivist, hat es unnachahmlich so ausgedrückt: „Meine Hoffnung steckt in meinen Beinen und in meinem Hintern.“

Er meint, wenn man beide hochkriegt - Beine und Hintern - und sich ans Werk macht, dann kriegt auch die Hoffnung Auftrieb. Mitten im Tun wächst die Überzeugung: Es hat Sinn, was ich hier mache. Ja, es ist geradezu ein Muss. Und: Es wird zum Guten führen. Hoffnung ist kein Vorschuss, den man in der Tasche hat, bevor man etwas tut. Sie ist eher eine Risikoanlage.

Und wenn es nicht gut ausgeht? War dann die Hoffnung umsonst?

Es gibt das Scheitern der besten Sache; es gibt den unaufhaltsamen Fortgang der Krankheit aller Hoffnung zum Trotz. Dennoch:

Sollte einer vom verlorenen Volk in Syrien aufhören zu hoffen, irgendwann in Frieden zu leben?

Sollte der unheilbar Kranke aufhören zu hoffen, Linderung und Heilung zu finden?

War die Hoffnung dann dummes Zeug, wenn er seinen Lebtag keinen Frieden sieht, am Ende doch stirbt?

Manche meinen, sein Scheitern strafe den Hoffenden Lügen. Das ist falsch. Ich glaube, dass keine Hoffnung umsonst ist. Ich habe schwerkranke Menschen kennen gelernt, die hofften bis zum Schluss. Sie machten sich nichts vor. Sie hofften. Das sind zweierlei Dinge. Sie hofften, bis sie starben. Im Verlauf der Krankheit änderte sich ihre Hoffnung. Anfangs hofften sie auf Heilung, später auf eine Begegnung, einen Besuch, einen schönen Tag, zum Schluss auf ein seliges Ende. Aber die Hoffnung, die gaben sie nicht auf. Inmitten der Arbeit, inmitten des Entschlusses, inmitten der Krankheit und des Leidens macht die Hoffnung uns größer als unsere Angst. Hoffnung hilft, die Dinge nicht nur zu ertragen, sondern zu tragen, auch die eigentlich unerträglichen.

Wie das gehen kann? Dafür beten und arbeiten. Ihre Pfarrerin Silke Niemeyer.

(1)Dante Alighieri: Die göttliche Komödie, Die Hölle, 3. Gesang, http://www.zeno.org/Literatur/M/Dante+Alighieri/Epos/Die+Göttliche+Komödie/Die+Hölle/Dritter+Gesang.

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