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Das Geistliche Wort | 12.10.2014 | 08:40 Uhr

„Hoffentlich geht das gut aus!“ -

Mitten in den Sorgen der Spur des Vertrauens folgen.

Guten Morgen!

Ich bin ein bekennender Bayern-Fan! Nein, nicht wegen des Fußballs, sondern weil ich die bayrischen Berge liebe. Seit vielen Jahren zieht es mich im Urlaub zum Bergwandern ins Allgäu.

Dabei ist mir im letzten Jahr etwas passiert, das mich bis heute nicht loslässt: Ich bin auf einen Berg gestiegen, der mir durch die Feier einer Bergmesse bekannt war. Von diesem Berggipfel kann man weiterwandern auf den nächstliegenden Gipfel. Allerdings: am Übergang warnt ein Schild mit den Worten: Nur für Geübte!

Bisher war das ein Punkt, an dem ich umgekehrt und auf gleichem Weg zurückgekehrt bin. So großes Vertrauen habe ich nicht in meine Bergwanderfähigkeiten, dass ich einen Weg gehen würde „Nur für Geübte“! Da hab ich zu viel Angst.

Aber ermutigt von einigen Wanderern, die mir von genau diesem Weg für Geübte entgegenkamen, hab ich`s mich dann doch getraut: Ich bin ihn gegangen, den Weg für Geübte: Schmale Grade, die nach links und rechts tief abfielen; steile Anstiege, teilweise mit Drahtseilsicherung; Wege durch loses Gestein und Geröll.

Zwischendurch habe ich nicht nur einmal gedacht: Hoffentlich geht das gut! Was hast du dir da vorgenommen? Das schaffst du doch gar nicht! – Und zweimal wollte ich wirklich umkehren, weil ich`s mir schlicht und einfach nicht mehr zugetraut habe; weil ich tatsächlich richtig Angst hatte.

Aber dann kam der Gipfel in Sicht, wenn auch noch weit entfernt. – Und oben auf dem Gipfel, da sah ich eine ganze Reihe Menschen stehen. Die hatten den Gipfel erreicht, warum also nicht auch ich? – so dachte ich mir. Mit neuem Mut und neuem Vertrauen ging ich also weiter.

Schließlich: Mein Mut wurde belohnt: Die Sicht vom Gipfel, den ich tatsächlich erreicht habe, war traumhaft: Der Blick auf das Zugspitzmassiv und bis zum Schloss Neuschwanstein. Alles war gut gegangen!

Musik I

„Hoffentlich geht das gut!“ – Mir klingt dieser Satz von der Bergwanderung für Geübte immer noch nach. Denn das ist ein Satz, den ich schon oft gehört habe von besorgten Müttern, Vätern, Großeltern oder Freunden. Da will ein junger Mensch für ein Jahr ins Ausland, da gibt ein Familienvater seinen sicheren Job auf und sucht nach einer erfüllenderen Aufgabe, da verändert jemand sein ganzes Leben, weil er sich Hals über Kopf verliebt hat, da steigt ein älterer Mensch zum ersten Mal in seinem Leben in ein Flugzeug, weil er unbedingt einmal im Leben in Amerika gewesen sein möchte. „Hoffentlich geht das gut!“

Hinter diesem Satz verbirgt sich die Sorge – manchmal begründet manchmal nicht und manchmal ist es sogar Angst. Sorge und Angst gehören aber zum menschlichen Leben immer auch dazu. Selbst die Menschen, die einem vielleicht besonders mutig erscheinen – Extremsportler, Soldaten, Polizisten –, sie berichten von Situationen, wo sie wirklich Angst hatten, wo es um Leben und Tod ging, um Scheitern und Rückschläge, wo es auf einmal „ganz eng“ wurde.

Das deutsche Wort „Angst“ lässt sich genau herleiten vom lateinischen Wort „angustia“. Und „angustia“ bedeutet so viel wie: Enge, Beengung, Engpass.

Angst wächst da, wo es eng wird, wo die Weite und der Ausweg fehlen, wo Begrenzungen spürbar werden. Angst breitet sich schließlich da aus, wo Vertrauen fehlt, Vertrauen in sich selber oder das Vertrauen anderer in mich.

Wenn es um Angst geht aus Mangel an Vertrauen, dann denke Ich immer an die Stelle im Matthäusevangelium, die sich kurz nach der wunderbaren Brotvermehrung abspielt: Jesus zieht sich zum Gebet auf einen Berg zurück, die Jünger rudern bei Gegenwind und Dunkelheit über den See Genezareth. Mitten in der Nacht kommt Jesus über den See auf sie zu. Die Jünger schreien vor Angst, denn sie glauben ein Gespenst zu sehen. Jesus gibt sich ihnen zwar zu erkennen, aber ihnen fehlt in dieser Situation jegliches Vertrauen in ihn. Nur Petrus traut sich. Sein Vertrauen geht sogar soweit, dass er aus dem Boot heraus über das Wasser auf Jesus zuzugehen versucht. Aber sein Mut, sein Vertrauen halten nicht sehr lange: er beginnt unterzugehen. Sein Vertrauen auf Jesus und auf sich selbst reicht nicht; letztlich geht er unter, weil er Angst hat!

Musik II

Die Angst unterzugehen kannte nicht nur Petrus. „Herr, ich habe Angst!“ hat der amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King einmal gesagt – wohl in einer ähnlichen Situation wie die Jünger auf dem See:

Sprecher:

„Ich war am Ende meiner Kraft. Ich saß am Küchentisch und grübelte darüber nach, wie ich von der Bildfläche verschwinden könnte, ohne als Feigling zu erscheinen. In diesem Zustand äußerster Erschöpfung und völliger Mutlosigkeit legte ich Gott meine Not hin. Den Kopf in den Händen betete ich laut. Die Worte dieser mitternächtlichen Stunde sind mir noch in lebendiger Erinnerung: Herr, ich glaube, dass ich für eine gerechte Sache kämpfe. Aber ich habe Angst. Ich kann nicht mehr weiter. Ich habe einen Punkt erreicht, wo ich es allein nicht mehr schaffe.“

„Herr, ich habe Angst!“ – Ich halte diesen Satz Martin Luther King´s für ziemlich mutig. Denn wer gibt schon gern zu, dass er oder sie Angst hat. Es gibt so viele Ängste, die – wenn sie ständig unterdrückt werden und unausgesprochen bleiben – letztlich krank machen.

Da ist die Angst, sich zu blamieren, vor anderen schwach zu erscheinen oder die Angst, Fehler zu machen, das Leben nicht mehr zu schaffen; da ist die Angst, seinen Arbeitsplatz oder gar einen lieben Menschen zu verlieren und damit auch die Angst vor eigener Krankheit und Tod.

Vielfache Ängste und Sorgen bedrängen im Alltag. Und gerade da ist es eine Hilfe, an die Kraft Gottes zu glauben. Mit scheint es sogar so, dass der Glaube in solchen Situationen die einzig wirksame Kraft gegen die Angst überhaupt ist.

So erfährt es auch Martin Luther King, der in dieser nächtlichen Stunde der Angst an seinem Küchentisch sitzend sagen kann:

Sprecher:

„In diesem Augenblick (der Angst) erlebte ich die Gegenwart Gottes wie nie zuvor. Mir war, als hörte ich eine Stimme, die mir Mut zusprach: ´Steh auf für Gerechtigkeit! Steh auf für die Wahrheit! Und Gott wird immer auf deiner Seite stehen.` Fast augenblicklich waren meine Ängste dahin. Meine Unsicherheit verschwand! Ich war bereit, allem ins Auge zu sehen.“

Musik III

So ein Mann wie Martin Luther King macht mir Mut. Trotz seiner Angst, vielleicht sogar mit seiner Angst hat er Großes getan. Er ist aufgestanden für Gerechtigkeit und Wahrheit und wusste Gott an seiner Seite. Ich bewundere Menschen mit so einem starken Glauben, die sich nicht von der Angst lähmen lassen, die aber auch davon ausgehen, dass Gott in ihr Leben eingreift, es lenken und verändern kann.

Glauben dieser Art ist nicht produzierbar, ich kann ihn auch nirgendwo kaufen; ja nicht einmal ein fester Willensentschluss reicht dazu aus, alle Ängste zu vertreiben und gleichzeitig zu glauben und zu vertrauen. Glauben bedeutet: sich der göttlichen Kraft zu überlassen; Glauben bedeutet: Vertrauen zu können, dass Gott es ist, der mich trägt – auch in den dunklen Zeiten, auch in der Angst, auch auf Lebenswegen, die gefährlich und mir fremd sind.

Auf meinem Lebensweg als Priester begleitet mich übrigens ein Wort aus dem Buch der Sprichwörter im Alten Testament. Ich habe es mir ausgesucht zu meiner Priesterweihe vor über 20 Jahren quasi als Motto oder Ermutigung oder Ideal über meinen Dienst:

„Mit ganzem Herzen vertrau auf den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit; such ihn zu erkennen auf all deinen Wegen, dann ebnet er selbst deine Pfade!“ (Spr 3,5f)

Dieses Wort taucht tatsächlich immer wieder auf in meinem Leben und in meinem Dienst; es ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Und es erinnert mich daran, dass ich nicht allein gehe und auch nicht alles allein schaffen muss. Meine Erfahrung ist: Wenn ich glaube, ich krieg das alles schon selber hin, dann geht es irgendwann schief. Aber wenn mir das Heft des Handelns aus der Hand genommen ist und wenn ich mich wirklich ganz auf diesen Gott verlassen muss, dann führt Er mich auf den richtigen Weg. Wenn ich heute zurückschaue, dann ist es wie eine Spur des Vertrauens, die mitten durch mein Leben geht, die ich aber wie ein Spurensucher immer neu entdecken und neu gehen musste und muss.

All das fügt sich für mich zusammen in diesem großartigen Bild aus dem Evangelium von dem Petrus, der mutig aus dem Boot steigt, ängstlich zu versinken droht und dem Jesus die Hand entgegenstreckt und ihn ergreift. Das ist für mich das sprechende und ermutigende Bild eines Gottes bei den Menschen, der wirklich Lebenshilfe ist. Ich glaube daran, dass dieser Jesus auch mir mitten in den Wellen meines Lebens die Hand entgegenstreckt, mich ergreift und herauszieht!

Musik IV

Zu glauben und zu vertrauen, das heißt für mich nicht, an etwas zu glauben, sondern jemandem zu glauben, einer Person, diesem menschgewordenen Gott Jesus Christus, der mir ein Du ist, einer, der es gut mit mir meint.

Viele Menschen haben sich im Lauf der Geschichte im Glauben und Vertrauen, von diesem Gott ergreifen lassen. Sie haben sich führen lassen und konnten Angst und Sorge überwinden. Diese Menschen machen mir Mut!

Edith Stein zum Beispiel, die in den Gaskammern von Auschwitz ermordet wurde. Sie hat dieses Vertrauen in folgendem Gebet formuliert:

„Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen leg ich meinen Tag in Deine Hand. Sei mein Heute, sein mein gläubig Morgen, sei mein Gestern, das ich überwand. Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen, bin aus deinem Mosaik ein Stein. Wirst mich an die rechte Stelle legen, Deinen Händen bette ich mich ein!“

In diesem Vertrauen grüßt sie aus Hövelhof Pfarrer Bernd Haase und wünscht Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche!

* Zitiert am 01.10.2014, 11.15 Uhr unter http://www.heiligenzitate.com/E-I/EdithStein

Copyright Vorschaubild: CCO Public Domain Pixabay

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