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Das Geistliche Wort | 12.08.2018 | 08:35 Uhr

Hygge-Hype

Heute morgen machen Sie es sich bitte schön gemütlich, denn in der kommenden Viertelstunde möchte ich mit Ihnen über Gemütlichkeit nachdenken, bzw. über das Wörtchen „Hygge“. Denn so nennt man Gemütlichkeit hier bei uns in Dänemark. Aber vermutlich wissen Sie das schon, denn in Deutschland ist ja ein richtiger Hype um die Hygge ausgebrochen.

Musik 1: „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“

„Was halten Sie davon, dass in Deutschland der Hygge-Hype los ist?“ Diese Frage stellte mir eine Journalistin vor einiger Zeit, denn ich lebe und arbeite in Kopenhagen. Zuerst konnte ich gar nicht glauben, dass das dänische Wort „Hygge“ in Deutschland in aller Munde ist. Doch dann merkte ich es bei einem Deutschland-Urlaub selber. Da war die Buchhandlung, in der ein ganzes Regal nur mit Büchern zum Thema „Hygge“ bestückt war. Da war der Kiosk, der eine neue Zeitschrift verkaufte. Der Titel der Zeitschrift: „Hygge – Einfach glücklich sein“. „Was ist denn in Deutschland los?“ habe ich mich da natürlich gefragt. Nach Lektüre der Zeitschrift würde ich sagen: In Deutschland ist eine große Sehnsucht los. Eine große Sehnsucht nach einem stressfreieren Leben. Eine große Sehnsucht nach Entschleunigung und nach einem besseren Miteinander. All das und noch viel mehr verbindet man in Deutschland mit dem Stichwort „Hygge“, diesem besonderen dänischen Lebensgefühl, das mit dem deutschen Wort „Gemütlichkeit“ nur ansatzweise beschrieben ist.

Musik 2: „Midsommersangen“

Hygge – Das Besondere bei dieser dänischen Form der Gemütlichkeit ist das Gemeinschaftliche. Sich „hyggen“ – Das macht man in der Regel zusammen mit anderen Menschen. Ein gemütliches Essen mit Freunden. Ein entspannter Spieleabend in der Familie. Das ist Hygge pur!

„Na ja“, dachte ich nach der Lektüre der Hygge-Zeitschrift, „es wäre ja schön, wenn es den Deutschen gelänge, ein wenig mehr skandinavisches Lebensgefühl in ihren Alltag zu holen. Es gibt sicherlich schlechtere Lebensentwürfe, die man kopieren kann. Jedoch muss ich gestehen, dass mich die Lektüre dieser Zeitschrift auch etwas aggressiv gemacht hat. All diese herrlichen Sommerbilder aus Dänemark und aus Schweden! All diese superglücklichen Menschen, die den ganzen Tag völlig entspannt miteinander Kaffee trinken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen! Das sind doch Klischees, die da verkauft werden! Natürlich, Dänemark ist schon schön und es gibt meiner Meinung nach Einiges, was die Deutschen von den Skandinaviern lernen könnten, aber das Himmelreich ist auch hier noch nicht völlig umgesetzt worden und auch mit der „Hygge“ ist es nicht ganz so einfach, wie es einem die Zeitschriften und Ratgeber mitunter weismachen wollen.

Musik 3: „Vianne sets up shop“

Die dänische Hygge hat ihre ungemütlichen Schattenseiten. Mir wurde das bewusst, als mir Freunde von ihren negativen Hygge-Erfahrungen berichteten. Sowohl Dänen als auch Deutsche erzählten davon, dass Hygge auch etwas Ausschließendes haben kann. Nämlich dann, wenn Hygge bedeutet, dass man es sich am Liebsten nur noch mit seinen engsten Freunden und Verwandten gemütlich macht und kein Platz mehr da ist für andere Leute und neue Bekanntschaften. Ist Hygge heutzutage vielleicht deshalb so populär, weil wir in unübersichtlichen und vermeintlich gefährlichen Zeiten leben? Will man in solchen Zeiten vielleicht noch mehr als sonst seine Ruhe haben und es sich nett machen mit den Leuten die man eh schon gut kennt?

Ziehen wir deshalb die Tür zu anderen Menschen und zur „Ach-so-bösen Welt“ noch ein wenig fester zu als früher? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen bin ich irgendwann bei der Bibel gelandet.

Sprecherin:

»Ein Mann veranstaltete ein großes Festessen und lud viele Gäste ein.

Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener los und ließ den Gästen sagen: ›Kommt, jetzt ist alles bereit!‹ Aber einer nach dem anderen entschuldigte sich.

Der erste sagte zu ihm: ›Ich habe einen Acker gekauft. Und jetzt muss ich unbedingt gehen und ihn begutachten. Bitte, entschuldige mich!‹

Ein anderer sagte: ›Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin gerade unterwegs, um sie genauer zu prüfen. Bitte, entschuldige mich!‹

Und wieder ein anderer sagte: ›Ich habe gerade erst geheiratet und kann deshalb nicht kommen. Der Diener kam zurück und berichtete alles seinem Herrn.

Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Diener:

›Lauf schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt. Bring die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Gelähmten hierher.‹ Bald darauf meldete der Diener:

›Herr, dein Befehl ist ausgeführt – aber es ist immer noch Platz.‹ Und der Herr sagte zu ihm: ›Geh hinaus aus der Stadt auf die Landstraßen und an die Zäune.

Dränge die Leute dort herzukommen, damit mein Haus voll wird!‹

Denn das sage ich euch: Keiner der Gäste, die zuerst eingeladen waren,

wird an meinem Festmahl teilnehmen!«

Musik 4: Passage of time

Die Geschichte vom großen Festmahl aus dem Lukasevangelium hätte eine sehr gemütliche Angelegenheit werden können: Ein gut vorbereitetes Abendessen, zu dem lange im Voraus eingeladen wurde. Diese Geschichte passt zu Dänemark, wo Verabredungen auch immer sehr langfristig geplant werden. Diese Geschichte passt zu Jesus, für den die Tischgemeinschaft mit anderen Menschen ein Markenzeichen war. Wobei „Tischgemeinschaft“ zu theologisch nüchtern klingt. Seine Abendessen mit den Jüngern und mit den Zöllern, Sündern und Huren darf man sich schon ziemlich gemütlich-hyggelig vorstellen. Zwar nicht mit Kaffee und Kuchen, dafür aber mit Wein und anderen leckeren Dingen. Es waren diese Abendessen, die Jesus bei seinen Gegnern den Ruf einhandelten, ein „Fresser und Weinsäufer“ zu sein. So wird es in der Bibel unwidersprochen zitiert. Das spricht dafür, dass Jesus nicht nur ein Wandermissionar war, der in vielerlei Hinsicht ein entbehrungsreiches Leben geführt hat. Er war auch jemand, der das Leben genießen konnte: Ein gutes Essen mit anderen. Reden über Gott und die Welt. Und vielleicht hat Jesus diese Gelegenheiten ja auch deshalb manchmal ausgekostet, weil er wusste, dass das Leben auch ganz andere Seiten hat. Mit Blick auf uns Menschen heute und mit Blick auf die Hygge ist das die eine Lektion, die man aus dieser alten Geschichte mitnehmen kann: Der christliche Glaube predigt nicht nur Entbehrung und vertröstet nicht aufs Jenseits. Jesus lädt dazu ein, das Leben zu genießen, am besten in der Gemeinschaft mit anderen.

Musik 5: Minor Swing

Jesus erzählt die Geschichte vom großen Abendmahl, damit wir die hyggeligen Gelegenheiten unseres Lebens nicht verpassen. Anders als die drei Leute in der Geschichte, die die Einladung des Gastgebers ausschlagen. Drei Menschen von damals, in denen wir Menschen von heute uns vermutlich gut wiederfinden können. In den beiden pflichtbewussten Leuten, die sich lieber um ihren Besitz und um ihre Arbeit kümmern als dass sie auf ein fröhliches Fest gehen. Und in dem dritten Mann, der die ganz private Freude mit seiner Frau der gemeinsamen Freude mit anderen Menschen vorzieht. Mit Blick auf diese drei sagt der Gastgeber am Ende der Geschichte: „Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.“

Das ist keine unheimliche Drohung. Das ist eine lapidare Feststellung von Jesus:

Man kann diese Gelegenheiten im Leben verpassen. Und man kann sie nicht mehr zurückholen. Keine Gemeinschaft, kein Hygge. Jesus sagt das mit einem bedauernden Unterton, weil er es sehr schade fände, wenn wir diese Gelegenheiten versäumen würden.

Musik 6: Party Preparations

Die Momente, in denen wir mit anderen Menschen zusammen sind und das Leben genießen, geben uns jetzt schon einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes. Da wird Gott selber mit uns am Tisch feiern und sich mit uns „hyggen“. Wie soll man im ewigen Leben daran Gefallen finden, wenn man nicht schon in diesem Leben auf den Geschmack kommt? Auf den Geschmack nach einer Gemeinschaft, in der man mit anderen Freude teilt. Auf den Geschmack nach einer Gemeinschaft, zu der noch ganz andere gehören, als die, die wir eh schon immer kennen?

„Hygge“ im Sinne Gottes ist keine geschlossene Gesellschaft. Im Gegenteil.

Für Gott ist es nur dann im wahrsten Sinne des Wortes gemütlich, seinem Gemüt entsprechend, wenn auch die Menschen an diesem Miteinander Anteil haben können, die sonst auf der Schattenseite des Lebens stehen. In der Geschichte aus dem Lukasevangelium sind es die Armen, die Behinderten, die Obdachlosen. Heute denke ich bei diesen Worten auch noch an die Flüchtlinge. Ist unsere Gemeinschaft in Europa wirklich offen für Geflüchtete? Hygge im geistlichen Sinne ist es nur dann, wenn auch sie mit am Tisch sitzen können. Unseren Ländern und uns selber wünsche mehr von dieser einladenden Offenheit. Und ich wünsche uns die bereichernden Erfahrungen, die man macht, wenn man seine Türen auch anderen Menschen öffnet: Neue Gedanken und neue Sichtweisen. Größere Tische und größere Herzen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen hyggeligen Sonntag!

Ihr Peter Krogull von der Sankt Petri Kirche in Kopenhagen.

Musik 7: Caravan

Musikinformationen:

Musik 1:

- Titel des Musikstücks: “Probier‘s mal mit Gemütlichkeit”

- Interpret: Edgar Ott

- Komponist: Terry Gilkyson

- Texter: Heinrich Riethmüller

- Verlag: Walt Disney

- Labelcode (LC-Nr.):

- Label: Walt Disney Records

- ASIN: B01M27HP7D

Musik 2:

- Titel des Musikstücks: Midsommersangen

- Interpret: Shu-bi-dua

- Komponist: Shu-bi-dua

- Texter: Holger Drachmann

- Verlag: Shu-bi-dua

- Labelcode (LC-Nr.): 6455-2

- Label: CMC Records

- EAN:

- Bestell-Nr.: B001FUCSNG

Musik 3:

- Titel des Musikstücks: Vianne sets up shop

- Interpret: Rachel Portman

- Komponist: Rachel Portman

- Texter: -

- Verlag: Sony Classical

- Labelcode (LC-Nr.): SK 89472

- Label: Sony Music

- EAN:

- Bestell-Nr.: 0894722000

Musik 4:

- Titel des Musikstücks: Passage of time

- Interpret: Rachel Portman

- Komponist: Rachel Portman

- Texter: -

- Verlag: Sony Classical

- Labelcode (LC-Nr.): SK 89472

- Label: Sony Music

- EAN:

- Bestell-Nr.: 0894722000

Musik 5:

- Titel des Musikstücks: Minor swing

- Interpret: Rachel Portman

- Komponist: Django Reinhardt / Stéphane Grapelli

- Texter: -

- Verlag: Sony Classical

- Labelcode (LC-Nr.): SK 89472

- Label: Sony Music

- EAN:

- Bestell-Nr.: 0894722000

Musik 6:

- Titel des Musikstücks: Party preparations

- Interpret: Rachel Portman

- Komponist: Rachel Portman

- Texter: -

- Verlag: Sony Classical

- Labelcode (LC-Nr.): SK 89472

- Label: Sony Music

- EAN:

- Bestell-Nr.: 0894722000

Musik 7:

- Titel des Musikstücks: Vianne sets up shop

- Interpret: Rachel Portman

- Komponist: Rachel Portman

- Texter: -

- Verlag: Sony Classical

- Labelcode (LC-Nr.): SK 89472

- Label: Sony Music

- EAN:

- Bestell-Nr.: 0894722000

Musik 3:

- Titel des Musikstücks: Caravan

- Interpret: Rachel Portman

- Komponist: Duke Ellington / Juan Tizol

- Texter: -

- Verlag: Sony Classical

- Labelcode (LC-Nr.): SK 89472

- Label: Sony Music

- EAN:

- Bestell-Nr.: 0894722000

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