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Sonntagskirche | 26.08.2018 | 08:55 Uhr

„Ich bete für Dich“

Die Rheinländer sind ja auf eine spezielle Art katholisch. Die Kölner sowieso. Und daher haben die sich – wen wundert’s- ihre eigenen Sakramente zusammengedichtet. Dazu gehört neben dem Blasiussegen, dem Aschekreuze auch: die Tante im Kloster.

Ohne dass es mir als Kölsches Sakrament bewusst war hatte auch ich eine, eine Tante im Kloster. Von Tante Giswalda und unseren Sonntags-Ausflügen zum Kloster in Remagen habe ich schon mal erzählt.

Aber was hat Tante Giswalda für mich zum Sakrament gemacht? Also zu einem besonderen Himmelszeichen, wie man das Theologenwort übersetzen könnte.

Richtig gemerkt habe ich diese Bedeutung erst später und ich möchte Ihnen erzählen wie das war. Wie gesagt: als Kind liebte ich die Besuche mit meinen Eltern im Kloster.

Irgendwann wurden die Besuche seltener. Ich zog zum Studium zuerst nach Paderborn, dann nach Aachen. In dieser Zeit schrieben meine Großtante und ich uns Briefe. Ich spürte, dass ich Tante Giswalda meine Sorgen anvertrauen konnte, aber auch dass sie sich freute, etwas von meinem Leben „da draußen“ mitzubekommen. Aus jedem Urlaub schrieb ich ihr eine Postkarte. Ich weiß noch wie spannend sie es fand, als ich von meinem ersten Besuch im Petersdom in Rom schrieb. Ihre Briefe endeten immer mit einem Versprechen. Sie schrieb: Ich bete für Dich. Diese Worte haben mir so viel bedeutet. Es ist kein einfaches „mach’s gut“, „bis bald“. „Ich bete für Dich“, das war ein Versprechen, dass mir oft so viel Trost gab. Da ist jemand, der ein gutes Wort für Dich einlegt, der Gott sagt: He, dieser Mensch da, der bedeutet mir viel, pass gut auf den auf. Genau das bedeutete mir dieses Rheinische Sakrament.

Meine Großtante war 86 Jahre alt, als sie im Kloster in Remagen starb.

Tage später kam plötzlich eine Frage mit voller Wucht in mein Bewusstsein: Wer betet denn jetzt für mich? Ist da jemand? Ist da jemand, der ein Gebet für mich spricht? Jemand, der ein gutes Wort für mich einlegt?

Jahre später habe ich im Limburger Dom etwas gesehen, dass ich toll fand. Dort ist ein Buch ausgelegt und man kann dort anonym sein Anliegen hineinschreiben, und später werden die Bitten der Besucher dann von Ordensschwestern mit in ihr Gebet aufgenommen. Wenn man dort sein Anliegen hineinschreibt, dann weiß man: Da ist jemand. Jemand, der für mich betet.

Ich finde diesen Gedanken stark – bis heute. Dieses „ich bete für Dich“. Das sind vier starke Worte. Die sage ich mittlerweile auch zu Leuten, die mir nahe stehen.

Gerade wenn jemand eine schwere Situation durchleben muss und man nicht wirklich tatkräftig helfen kann. Klar: In solchen Situationen sagen Freunde einander „ich denke an Dich“, oder „ich bin in Gedanken bei Dir“.

Aber dank Tante Giswalda weiß ich: wir Christen haben da noch etwas in petto. Manchmal trauen wir uns nicht unseren Glauben offen auszusprechen, haben vielleicht Sorge, wie der andere reagiert. Aber meine Erfahrungen sind da sehr positiv. „Ich bete für Dich“, das bedeutet: Du bist mir wichtig, ich nehme Dich in mein Gebet mit auf. Der andere spürt „Ja, da ist jemand“ und auch wenn er oder sie selber nicht an Gott glaubt, zu wissen da ist jemand, dem ich so wichtig bin, das berührt. Das kann im richtigen Moment ein Himmelszeichen sein – auch ohne Tante im Kloster.

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