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Kirche in WDR 3 | 12.01.2016 | 07:50 Uhr

Ich bin zurück!

Guten Morgen!

„Ich bin zurück!“ – Das ist der Ausruf einer Frau, der ich zufällig bei einer Tagung begegne. Sie trägt das selbstbewusst vor, mit dem Willen, sich vor niemandem rechtfertigen zu wollen. Nein, sie wolle gar nicht erklären, wo sie war in den vergangenen Jahren. Sie habe ein aufregendes und anstrengendes Leben geführt. „Jetzt bin zurück in der Kirche“, so sagt sie, „ich will mich einbringen in die Gemeinde“.

Mich macht diese Frau neugierig. „Ich habe eine Kirchenpause hinter mir, 14 Jahre war ich weg – jetzt bin ich wieder da.“

Nach schleichender Entfremdung hatte sie vor langer Zeit entschieden, der Kirche den Rücken zu kehren. Der Abstand war zu groß geworden, sie konnte einfach nicht mehr erkennen, wozu die Kirche gut war. Ihre Bilanz damals war negativ. Beruf und Karriere forderten ihre ganze Energie. Und es waren keine Kinder da – manchmal sind es ja die Kinder, die Eltern veranlassen, erneut den Weg in die Kirche zu suchen.

Was sie denn damals bewegt habe, frage ich sie, den Schritt heraus aus der Kirche zu tun. Nur einen kurzen Augenblick denkt sie nach. Mit Vehemenz sprudelt es dann aus ihr hervor: „Ach wissen Sie, es hat mich abgestoßen, eine Kirche zu erleben, die mir die Kompetenz absprechen will, für mein eigenes Leben. Du sollst dieses tun, du sollst jenes lassen… . Auf so etwas reagiere ich bis heute sehr allergisch! Ja, in diesen 14 Jahren war ich glücklich – ohne die Kirche und ohne Gott.“

Eine klare Ansage! Und ich denke bei mir: Vielleicht geht es ja vielen so, wie dieser Frau. Viele haben sich zurückgezogen aus einer Kirche, die vorschreiben will, wie man zu leben hat. Ja, ich kenne viele Menschen, die erleben auch heute die Kirche als moralische Zuchtanstalt, verstaubt, aus der Zeit gefallen, ja lebensfeindlich oder einfach als langweilig.

Ich habe das nie so erlebt. Klar, ich habe auch oft gehadert mit meiner Kirche; auch ich fand mich immer mal wieder in Distanz zu ihr. Es gab Zeiten des Zweifelns, ob das Ganze seine Richtigkeit hat, ob das wahr ist, was die Kirche da verkündet. Davor bin ich wohl auch in Zukunft nicht gefeit. Dass ich der Kirche den Rücken kehre, soweit ist es bei mir allerdings nie gekommen. Positiv kann ich eher sagen, dass mir die Kirche wirklich etwas bedeutet und dass mein Glaube mich trägt.

„Ich bin wieder da“, erklärt die Rückkehrerin. Und sie sagt sogar: „Das ist ein echtes Glück.“ Noch erstaunter bin ich zu hören: Sie habe eine andere Kirche wiedergefunden, als die, die sie verlassen habe.

Die Kirche sei heute vielfältiger, ja geradezu bunt, sie biete viele Möglichkeiten sich einzubringen; sie persönlich habe jetzt eine Gemeinde gefunden, die ihr erlaube, die Ärmel aufzukrempeln, Verantwortung zu übernehmen – ohne sich zu verbiegen und ihre Überzeugungen zu verraten. Gerade sei sie vorneweg dabei, wenn die Gemeinde Flüchtlinge einlade und ein Sprachcafe organisiere. Sie werde gebraucht. „Ja, ich habe eine neue Heimat gefunden oder eine alte wiederentdeckt“, lacht sie. Auch in den Gottesdiensten. „Der Glaube an Gott ist Nahrung für mich. Die Gemeinde ist meine Tankstelle.“

Als manchmal kirchenmüder Christ bin ich beglückt und denke: Die Kirche braucht eine Willkommenskultur für Rückkehrer. Wenn meine Kirche die Erfahrung dieser Frau wirklich ernst nimmt, dann wird sie sich weiter wandeln müssen!

Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff

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