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Kirche in WDR 2 | 06.05.2015 | 05:55 Uhr

„Ich geh ins Kloster“

Ein Freund von mir geht ins Kloster. Er ist noch keine dreißig, hat gerade seine Doktorarbeit fertig und ist ausgebildeter Pastoralreferent. Er könnte jederzeit in einer Kirchengemeinde anfangen, wenn er will. Er könnte auch an der Uni unterrichten oder Lehrer werden. Ihm stehen alle Wege offen.

Aber er entscheidet sich anders.

Als er es mir erzählt, fällt mir erst mal nix Besseres ein als: „Ich dachte, du wünschst dir eine Beziehung!“ Dann frage ich, ob er denn wirklich sein ganzes Leben auf Sex verzichten möchte. Und was denn sei, wenn er sich verliebt.

Er muss erstmal lachen. „In einer Beziehung bin ich dann ja – nur etwas anders als du.“ Und er meint: „Im Kloster lebe ich ja auch nicht allein. Das ist wie eine sehr gute WG!“

Aber das stellt mich noch nicht zufrieden. Und ich bohre weiter: „Aber was ist mit einer Partnerschaft? Mit dem Menschen, der dein Leben begleitet, mit dem du Hand in Hand durch die Stadt gehst?“

Auf den muss er dann eben verzichten, meint mein Freund.

Okay. Das nehme ich dann mal so hin. Wobei: Ich gebe zu, ich kann mir das wirklich überhaupt nicht für mein Leben vorstellen. Mir ist total wichtig, abends mit meinem Mann über meinen Tag zu reden. Ich brauche ihn als Gegenüber: Er nimmt mich in den Arm, wenn ich nicht mehr kann. Diese Beziehung aufgeben: Das käme für mich nicht infrage.

Mein Freund sieht das anders. Er kann sich ein Leben ohne Partnerschaft vorstellen. Er kann sich vorstellen, in einer Gruppe von Leuten zu leben, die das alle so machen. Sie machen jeden Tag ihren Job und abends gehen sie eben nicht zu ihrer Familie, sondern zu ihren Mitbrüdern. Sie beten zusammen, sie richten ihr Leben auf Gott aus. Sie leben eine andere Form von Beziehung.

„Und wenn du dich verliebst?“, frage ich nochmal.

Da fragt er zurück: „Was ist denn, wenn du dich verliebst? Du hast dich auch nur für einen Weg entschieden. Da kannst du auch nicht so einfach raus!“

Da muss ich grinsen. Stimmt eigentlich. Auch wenn ich mich in jemand anderen verlieben würde, müsste ich meinen eingeschlagenen Weg verlassen – oder zumindest überdenken.

„Und warum ausgerechnet dieses Kloster?“, will ich noch wissen.

Da hat er gestrahlt: übers ganze Gesicht. Er habe sich einfach in das Kloster verliebt, meinte er. Und zwar in dem Moment, als er das erste Mal davor stand. Außer ihm standen da noch einige andere Leute. Die sahen aus, als ob sie Hunger hätten. Und in der Küche stand der Abt, in einem ollen Poloshirt und Adiletten. Der hat für die Leute draußen Brote geschmiert.

Copyright Vorschaubild: Padres Luis Guilherme Fernandes Pereira CCBY-SA 2.0 flickr

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