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Kirche in WDR 5 | 20.06.2017 | 06:55 Uhr

Ich habe ein Wunder gesehen

Schönen guten Morgen.

Ich habe ein Wunder gesehen. Das ist schon über zwanzig Jahre her, da war ich Kandidat in Jürgen von der Lippe´s Sendung „Geld oder Liebe“ und führte man damaliges Hobby vor, die Zauberei. Daraufhin kriegte ich ein Angebot, eine kleine Tour durch Kinderkrankenhäuser zu machen. Und bei einer dieser Shows passiert es: Alle Kinder und Jugendlichen kamen in der Turnhalle zusammen. Ich führte durch mein Programm, bei dem die Kinder mitmachen, pusten, lachen und laut zählen durften.

Nach der Show kam ein Arzt auf mich zu und sagte, er müsse mir erzählen, was er beobachtet hatte. „In der ersten Reihe saß ein Junge, ich weiß nicht, ob er Ihnen aufgefallen ist, der ist hier seit Wochen stationär, weil er mit keinem Menschen spricht.“ Er ist verstummt. Diese Störung kannte ich, sie nennt sich Mutismus. Obwohl neurologisch alles intakt ist, hören die Betroffenen aus innerer Not auf zu kommunizieren, entweder komplett oder selektiv. Der Arzt sagte: „Ich habe den Jungen beobachtet, er hat in Ihrer Show seine Störung vergessen. Er hat einfach so mit allen anderen gelacht, Quatsch gemacht und wieder erzählt.“

In diesem Moment war ich kurz sprachlos. Dann wurde mir klar, nicht ich hatte den Jungen geheilt, sondern die Gruppe. Ich habe vielleicht ein Umfeld geschaffen, aber das Miteinander war das eigentlich Wirksame. Die Ansteckungskraft von positiven Gefühlen, von Kunst, von Verzauberung, von Staunen und Lachen. Wo zwei oder drei versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen, heißt es in der Bibel. Und da passiert immer mehr als im Eins-zu-eins-Kontakt.

Wir können uns in Krankheiten hineinsteigern und wieder heraus. Die Wissenschaft hat die Magie aus der Medizin vertrieben, aber nicht aus uns Menschen. Ich habe das auch am eigenen Leib erlebt. Wenn ich als Kind hingefallen war, tröstete mich meine Mutter. Sie pustete und sprach die magischen Worte: „Schau mal, Eckart, das Aua fliegt durchs Fenster.“ Und ich habe es fliegen sehen, sogar durch geschlossene Fenster. Mein ganzes Medizinstudium habe ich drauf gewartet, dass mir ein gelehrter Professor mal erklärt, warum „Aua“ fliegen können, denn ich wusste seit meinem vierten Lebensjahr, dass es geht.

Diese Phänomene werden aber in der langen und teuren Ausbildung mit keiner einzigen Silbe erwähnt. Und je länger ich darüber nachdenke, desto beschränkter finde ich das. Ich bin heilfroh über alles, was es heute an Wissen und Möglichkeiten gibt, von der Schmerztablette bis zur Palliativmedizin. Aber manchmal braucht es nur jemanden, der dich in den Arm nimmt und pustet. Und selbst wenn ich als erwachsener Mensch irgendwann so aufgeklärt, so abgeklärt, so zynisch geworden bin, dass ich an die Flugfähigkeit von Schmerz nicht mehr glauben kann oder mag, es wäre dem Kind gegenüber immer noch eine unterlassene Hilfeleistung, aus Klugscheißerei auf das Pusten zu verzichten. Wissen ohne Zuwendung bleibt kalt und Zuwendung ohne Wissen bleibt unter unseren Möglichkeiten. Wir können mehr Magie und mehr Wissenschaft wagen. Das muss kein Widerspruch sein.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen Eckart von Hirschhausen aus Köln.

Literatur: Dr. med. Eckart von Hirschhausen: Wunder wirken Wunder: Wie Medizin und Magie uns heilen, Hamburg: Rowohlt, 2016.

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