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Kirche in WDR 2 | 13.03.2015 | 05:55 Uhr

Ich kann das nicht

Das war ein Erdbeben in der deutschen Showbranche, als Andreas Kümmert letzte Woche sagte: „Ich bin ein kleiner Sänger. Ich geb meine Wahl ab." Der Sieger des Vorentscheids für den Eurovision Songcontest in Wien hat das live auf der Bühne gesagt, vor laufender Kamera. Nicht nur das Gesicht von Moderatorin Barbara Schöneberger entglitt in diesem Moment. Das hatte es noch nie gegeben bei diesem Spektakel. Da gewinnt einer das Ticket für die weltgrößte Musikshow und sagt: ich kann das nicht. Ich will das nicht.

Häme hat es seitdem gehagelt – unter dem Motto: „Warum tritt so eine labile Person überhaupt an?“ Aber auf Anerkennung: Vielleicht war das der authentischste Moment beim ESC seit Jahren. Denn da hat jemand gezeigt, dass er er selbst bleiben möchte – dass er Grenzen hat. Und das in einem scheinbar grenzenlosen Geschäft, das vom „höher, weiter, schneller“ lebt. Dieser Schritt brauchte Mut.

Wie viele Leute haben nicht diesen Mut. Wie viele übernehmen Aufgaben, denen sie nicht gewachsen sind. Wie viele gehen daran kaputt, weil sie wissen: diesem Anspruch: meines Arbeitgebers, meines Uni-Professors, meiner Familie oder meiner Eltern: dem kann ich nicht gerecht werden. Aber das kann ich denen doch nicht sagen…Ich denke: Das kann man doch. Natürlich ist das schwer. Aber es entlastet, dieses: „Ich bin nur ein Mensch. Ich habe Schwächen. Ich kann das nicht“.

Heute vor genau zwei Jahren wurde ein neuer Papst gewählt – Franziskus – und vielleicht werden Sie denken: „Was: erst zwei Jahre ist der Papst“? Er hat sich ziemlich schnell beliebt gemacht in seiner Aufgabe und ist mir jedenfalls irgendwie so vertraut, dass mir die 2 Jahre reichlich kurz vorkommen. Dass Franziskus Papst wurde, kam – Sie wissen es – nur dadurch zustande, dass sein Vorgänger, Papst Benedikt gesagt hat: „Ich bin nur ein Mensch. Ich bin schwach. Ich kann das nicht mehr“. Das war ein großer Schritt für ihn, ein mutiger. Aber: Was für eine Entlastung für den damals schon über 80-Jährigen.

Damit Sie mich richtig verstehen: Ich will keinen animieren, immer gleich die Brocken hin zu schmeissen. Das bringt keinem etwas. Aber bei allem Durchhalte- und Aufopferungswillen ist es wichtig, um seine Grenzen zu wissen, um seine eigene Begrenztheit. Sonst wird das krank.

Ich wünsch Ihnen, dass Sie im richtigen Moment wissen, wann es Zeit ist zu sagen: „Das hier kann ich nicht.“ Davon wird keine Welt zusammen brechen. Es ist nicht einfach – das sage ich nicht – aber es wird Sie befreien!

Copyright Vorschaubild: Animagus wikimedia

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