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Kirche in WDR 4 | 09.08.2014 | 08:55 Uhr

Ich packe meinen Koffer

Mein Koffer liegt auf dem Bett und ich überlege: Was muss unbedingt noch mit in den Urlaub? Was kann zu Hause bleiben? Was brauche ich gar nicht? Und: Womit will ich mich im Urlaub erst gar nicht beschäftigen? Mit meinem Terminkalender zum Beispiel. Den will ich auch lieber hier lassen. Schließlich will ich entspannen und mich nicht aufregen.

Die Erwartungen an die Urlaubszeit sind oft ähnlich hoch wie an Weihnachten: Ganz besonders toll muss der Urlaub werden, die schönste Zeit im Jahr soll er sein. Manchmal kann der Urlaub aber genau dadurch ganz schön stressig werden: Dann seufzen einige, sie bräuchten erst mal Urlaub vom Urlaub.

Die einen packen sich die Tage voll mit Feiern und Erlebnis-Touren. Bloß raus, bloß weg - und: leben – endlich wieder leben. Die anderen verstehen unter Urlaub eher das Gegenteil: Wirklich absolut nichts tun, vielleicht noch ein Buch lesen. Und zwischen den Nickerchen ein bisschen schlafen.

Aber das ist nicht so einfach! Denn wo ich auch immer bin: Ich nehme nicht nur meinen Koffer, sondern auch immer mich selbst mit.

Das ist nicht immer angenehm. Da steigt dann in den ruhigen Minuten manches hoch, das schon lange an die Oberfläche will: Träume, Sehnsüchte, ungelöste Fragen. Aber das will ich in meinem Urlaub auch zulassen. Denn im Alltag hat das oft kaum ausreichend Platz. Und es ist wichtig, dass ich das nicht dauernd übersehe.

So kann ich mich vorbereiten auf mein Leben NACH dem Urlaub - und das ist mindestens so wichtig und wertvoll wie die drei Wochen Mallorca selbst: [Auf dieses Leben nach dem Urlaub, mit den bekannten wie unbekannten Herausforderungen, will ich mich mit Hilfe der freien Zeit vorbereiten:]

Bewusst ausruhen, bewusst genießen, bewusst Entscheidungen überdenken und mich ggf. neu ausrichten.

Kürzlich habe ich entdeckt, dass ich davor keine Angst haben muss und dass Gott mir dabei helfen kann. Wie, das steht im 139. Psalm in der Bibel:

Sprecherin:

HERR, du erforschst mich und kennst mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

(Psalm 139,1-10)

Autor: Wenn Gott mich am besten kennt, weil er mich ja geschaffen hat und jeden Gedanken, jedes Wort und einfach alles von mir weiß – dann muss ich keine Angst mehr vor den Dingen haben, die mir vielleicht im Urlaub klarer werden. Ich muss nichts durch Aktivitäten oder Verschlafen verdrängen. Vielleicht zeigt mir Gott die Dinge, die ich lange nicht beachtet oder übersehen habe. Oder wo ich den Mut nicht hatte, sie anzugehen. Ich glaube, dass ich dadurch erst wirklich entspannen und den Urlaub genießen kann, wenn ich nicht vor etwas weglaufe, um das ich mich sowieso kümmern muss.

Eine Bibel hat auch im kleinsten Koffer Platz. Und ein Gespräch mit Gott beim Wandern oder Ausruhen muss ja nicht stundenlang dauern. Zeit hätte ich jedenfalls dafür, wenn ich das will. Wer weiß, welches Gepäck mir Gott dann noch abnimmt – oder mir tragen hilft.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und mir einen erfüllten und erholsamen Urlaub!

Ihr Pastor Sebastian Begaße aus Dortmund.

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