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Kirche in WDR 2 | 08.05.2015 | 05:55 Uhr

Ich war hungrig, obdachlos und krank

Heute vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Unendliches Leid ist von Deutschland ausgegangen. Und Leid kam auch über die Deutschen. Der Schriftsteller Heinrich Böll hatte als Soldat das Trauma des Krieges erlebt. Vor kurzem habe ich mich im Bergischen Land auf Spurensuche seiner Erfahrungen gemacht. Dort gibt es jetzt einen Wanderweg, der auf Schautafeln die Kriegserlebnisse Bölls nachvollziehbar macht.

12 Kilometer bin ich auf dem Böllweg bei Much bei Köln gewandert. Und ich traf auf Orte, an denen gute Menschen Heinrich Böll und seine Ehefrau am Ende des Zweiten Weltkrieges unterstützt haben. Sie haben ihr Überleben gesichert: Geschichten aus den letzten Kriegstagen, wie so viele sie erlebt haben damals. Geschichten von Leid, aber auch von Hilfe durch Menschen, die sich nicht um Vorschriften scherten, sondern um den konkreten Menschen.

In Marienfeld bei Much findet Annemarie Böll Unterschlupf, nachdem sie in Köln ausgebombt war, zuerst im dortigen Pfarrsaal, dann bei einer Bauernfamilie. Sie erwartet ein Kind. Ihr Mann Heinrich besucht sie mit gefälschten Urlaubspapieren der Wehrmacht. Ein Arzt aus Much ist so kühn und gut, Heinrich Böll reisunfähig zu schreiben, damit er länger bei seiner hochschwangeren Frau bleiben kann. Auf einer Fototafel am Wanderweg sieht man diesen mutigen Arzt. Das Krankenhaus, in dem der Sohn Christoph in Much das. Licht der Welt erblickte, steht noch und ist vom Wanderweg aus in der Ferne zu sehen. Leider stirbt das Kind mit drei Monaten an Brechdurchfall. Sein Grab berührt der Weg auf dem Friedhof in Marienfeld.

Der Wanderweg führt durch Berzbach. Der dortige Bauer Johann Peters war ein außergewöhnlicher Mensch. Heinrich Böll schreibt über ihn: "Der uns nicht nur täglich (!) um zwei wertlose Nazikriegsmark zwei Liter (!) Milch gegeben, sondern auch, beinamputiert aus dem Ersten Weltkrieg, katholisch, anarchistisch, zwei deutsche Deserteure an seinen Ofen beherbergte, ihnen manche Pfeife Tabak stiftete, die weitaus mehr wert war als zwei Nazikriegsmark".

Ein weiterer guter Mensch begegnet Heinrich Böll. Als er, wiederum mit gefälschten Papieren, seine Frau besuchen will, leiht ihm ein Polizist sein Fahrrad; ein wildfremder Mensch, mitten im Krieg, ohne jede Rückgabegarantie. Natürlich bringt Böll das Rad zurück.

1972 erhielt Heinrich Böll den Nobelpreis für Literatur. Aufgrund seiner Kriegserfahrungen engagiert er sich in der Friedensbewegung.

Er schreibt "Man will uns einreden, die Zeit der Humanität sei vorbei, die Zeit des Mitleidens sei vorbei. Harte Herzen brechen leichter als mitleidige Herzen, die eine große Kraft haben“.

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hoffe ich jeden Tag neu, dass Böll Recht behält. Dass nicht die Propheten der Inhumanität Oberhand behalten, sondern die Menschen mit mitleidigem Herzen. Die Kraft eines mitleidigen Herzens ist stärker als manches Leid. „Ich war hungrig, obdachlos und krank – und Ihr habt mir geholfen“ (nach Mt 25, 31-40)

Copyright Vorschaubild: Bundesarchiv_Bild_183-R70674,_Köln,_Hohenzollernbrücke,_Wiederaufbau wikimedia

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