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Kirche in WDR 2 | 07.04.2014 | 05:55 Uhr

Ich war’s nicht

Schon fast ein Reflex. „Ich war’s nicht.“ Meine Tochter, gerade drei, macht es. Steuerhinterzieher und andere Kriminelle machen es. Menschen, die merken, dass sie einen Fehler gemacht haben, aber ihren Posten nicht räumen wollen, machen es. Und wir ganz normalen Durchschnittsbürger haben diesen Reflex auch. „Ich war’s nicht.“ Dabei ist mir gar nicht immer klar, ob wir hoffen, dass man uns nicht erwischt, oder ob wir es dann schon fast selbst glauben. Meine Tochter jedenfalls testet einfach mal, ob sie damit durchkommt, selbst wenn ich gerade daneben stand, als sie ihren Teller vom Tisch gefegt hat. Sie ist noch nicht so gut darin, die Schuld bei anderen zu suchen. Sie leugnet einfach, dass sie selbst es gewesen ist. Aber sie grinst schon dabei oder schaut sehr schuldbewusst, weil sie weiß, dass ich weiß, dass sie es doch war. Erwachsene erfinden bessere Ausreden: Eigentlich sei jemand anderes schuld oder aber die Umstände hätten es nicht besser zugelassen. Hauptsache aber: „Ich war’s nicht.“

Erwarten wir eigentlich wirklich, dass uns das einer glaubt? Ich weiß nicht, wie es ihnen dabei geht, aber ich bin mit dem ein oder anderen „Ich war’s nicht“ schon ganz gut durchgekommen. Ich geh da jetzt nicht ins Detail, aber ich habe mir so einigen Ärger erspart. Glaube ich jedenfalls. Aber – wie sie jetzt gerade hören – hängen mir die Sachen ja immer noch nach. Manchmal wünsche ich mir, meine Fehler wären doch alle aufgedeckt. Oder zumindest bereinigt. Das eine oder andere müsste ich da sicher über mich ergehen lassen, aber dann wäre es halt auch gut. Aber irgendwie, also irgendwie gönne ich es den anderen auch nicht, meine Fehler und Schwächen zu entdecken.

Was Gott wohl so denkt, wenn er uns beim „Ich war’s nicht“ zuschaut – gesetzt den Fall er existiert und weiß so ziemlich über alles Bescheid. Er schaut uns dann so zu, wie wir alle damit beschäftigt sind, uns gegenseitig was vorzumachen und wundert sich vermutlich sehr.

Vor ihm wären wir doch wieder nur wie Kinder, die ihre ach so durchsichtigen Lügengeschichten erzählen. Vielleicht wünschen wir uns ja auch alle nur eine gütige Mutter oder einen netten Vater, der unser aller Lügenspiel durchschaut, uns in den Arm nimmt und sagt: „So. Das war zwar Mist, aber das kriegen wir schon hin. In Zukunft aber bitte nicht mehr.“ Vielleicht würden wir uns dann auch gegenseitig die Wahrheit erzählen. Sozusagen unter Schwestern und Brüdern.

Copyright Vorschaubild: Wolfgang Lonien CC-BY-SA 2.0 (flickr)

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