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Sonntagskirche | 11.06.2017 | 08:55 Uhr

Im Gespräch mit einem Lieblingsbuch

Guten Morgen!

Neulich: Ich kann nicht schlafen,

drehe mich,

hin und her und um mich selbst:

„Was. Mache. Ich. Bloß. Mit meiner Angst?‘‘

Ich befrage meine Freundinnen:

„Wirf sie in die Luft‘‘, sagt Rose Ausländer.

„Jage sie weg, die Angst, und die Angst vor den Ängsten‘‘,

rät mir Mascha Kaléko. Und ich?

Knipse erstmal das Licht an.

Nehme das alte Buch vom Nachtkästchen, die Bibel,

mein liebstes, auch eine Art Freundin.

Ich schlage es auf und es erzählt mir von dir. Jesus.

Von damals. Als der mit dem Aussatz zu dir kam.

Der, vor dem alle Angst hatten sich anzustecken bei ihm,

und der draußen bleiben musste,

außerhalb der Stadt.

Der. Stellt sich dir. In den Weg.

Kniet sich vor dir nieder und sagt:

„Jesus, wenn du willst,

dann kannst du mich heil machen.“

Seine Worte in deinen Ohren,

seine Knie vor deinen Füßen,

seine Frage und deine Antwort?

Ob du dich anstecken lässt?

Von der Angst der Menge, man könnte sich anstecken?

Oder lässt du dich anrühren?

Von seinem Vertrauen in dein Vertrauen?

Du. Kniest dich. Nieder. Zu ihm.

Eure Augen begegnen sich. Jetzt auf einer Höhe.

Und du siehst mehr.

Und du sagst: „Ja. Ich will.“

Und du streckst deine Hand aus.

Und du legst sie in seine,

nickst ihm zu, er zurück,

ziehst ihn hoch und er dich.

Bis ihr wieder aufrecht steht,

beieinander, Seite an Seite,

klopft ihr euch den Staub von den Sachen,

atmet ihr durch, die Luft ist rein, habt sie umarmt,

eure Angst, dann in die Luft geworfen und dann verjagt.

Oder hat sie sich still und leise verkrümelt?

Und ich? Knipse das Licht wieder aus.

Und freue mich auf eine gute Nacht.

Und auf Morgen? Jetzt auch wieder!

Zeit vergeht.

Meine Freundin meint beim Kaffee,

man müsse den Parolen etwas entgegensetzen.

Und dieser Angst.

„Musik. Und Tanz. Stell dir das mal vor!“

Und ich denke: Das stell ich mir jetzt mal vor.

Spielmannszüge und Spielfrauenzüge.

Gegendemos wie Dafürdemos.

Fürslebendemos. Fürdiemenschendemos.

Diemenschenineinanderverliebendemos.

Ja, miteinander tanzen und dabei singen,

das wär’s!

Später schlage ich wieder das alte Buch auf, die Bibel,

und was ich da lese,

klingt wie meine Freundin,

nur sind die Worte schon viele hundert Jahre alt:

„Singe, mach Musik, ruf Gott seinen Namen entgegen:“, heißt es da,

„Vater der Waisen

Helfer der Witwen

Hüter der Einsamen

Finder von Fluchtwegen

Eine Schar mit Gesang und Gitarren unterwegs (...)

wir singen die Monster weg...

wir singen die Ferne herbei,

die fremden Völker zu Freunden:

Wir singen Menschen vernünftig,

wir alle, fremde Bekannte,

kommen zur Ruh, summen Friede.

Murmeln Amen. So möge es sein.“ (1)

Einen friedlichen Sonntag ohne Angst und voller Tanz und Musik wünscht Ihnen Stephanie Brall von der Evangelischen Kirche.

( 1 ) nach einer Übersetzung von Huub Oosterhuis, „Psalm 68“, aus: Ders. Psalmen. Übersetzt von Annette Rothenberg-Joerges und Hans Kessler © Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br. 2016, S. 132, 134.

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