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Hörmal | 07.05.2017 | 07:45 Uhr

Im Herzen (auch) Protestant – Heiner Geißler

Autor: "Jeder intelligente Katholik ist im Innern auch immer ein Protestant“, sagt Heiner Geißler.

O-Ton Geißler: Weil er das eine von den Protestanten lernen kann, dass man auch widersprechen muss, dass man sich die Freiheit des Denkens zu bewahren hat.

Autor: 87 Jahre alt ist er inzwischen und kein bisschen leise, der Katholik Geißler, ehemaliger Generalsekretär der CDU, immer noch gefragter Redner und erfolgreicher Buchautor. Was müsste Luther heute sagen? ist der Titel seines aktuellen Buches.

O-Ton Geißler: Der Luther hat ja hier eine echte Befreiung gebracht, weil er ja auch die Priesterkirche abgeschafft hatte und gesagt hat: Mensch und Gott sind ganz nahe beieinander, und die Erlösung erfolgt eben durch die Gnade Gottes und durch sonst nichts, da braucht’s keine Vermittlung, und damit hat er auch recht.

Autor: Seine erste Berührung mit Martin Luther und dessen Kampf gegen den mittelalterlichen Ablasshandel hatte Heiner Geißler in seiner Kindheit durch die Großmutter. Regelmäßig gab sie ihm in den 30er Jahren in Oberndorf am Neckar einen Briefumschlag für den katholischen Stadtpfarrer mit. Neugierig öffnet der Junge eines Tages das Couvert.

O-Ton Geißler: Und da war da ein 20 Reichsmarkschein drin, und dann hab ich die Großmutter gefragt: Sag mal, gibst du dem Herrn Pfarrer Geld? Dann sagte sie: Das darf der Großvater nicht hören, aber ich bekomme dafür einen Ablass, meine Frage: was ist das, ein Ablass? dann sagte sie: ich muss dafür 500 Tage weniger im Fegefeuer sitzen.

Autor: Ein absurder Gedanke: Dass Gott die Menschen für ihre Sünden mit Feuerqualen straft und dass man durch Geldzahlungen das Strafmaß mindern kann. Diesen sogenannten Ablasshandel hatte Martin Luther bekämpft.

O-Ton Geißler: Die Menschen sind sehr oft in seelischen Nöten und halten sich für schlecht und verzweifeln an sich selber. Und jetzt kommt da einer und sagt: Da denkt ihr völlig falsch, ihr habt eine unantastbare Würde, und die kann euch niemand nehmen. Das ist Christentum.

Autor: Das ist die Botschaft von Jesus, die Martin Luther vor 500 Jahren für seine Zeit auf den Punkt gebracht hat. Sie ist heute noch genauso aktuell:

O-Ton Geißler: Die heutige Welt braucht ein Konzept des Friedens und der gegenseitigen Hilfe, der Solidarität. Das kann die Politik allein nicht schaffen, sondern dazu braucht sie die geistigen Mächte, und dazu gehören die Kirchen.

Autor: Wenn sie doch mit einer Stimme klar und unzweideutig sprechen und agieren würden, beklagt Heiner Geißler. Martin Luther würde heute, da ist sich der streitbare Politiker und Kirchenmann sicher, die Wiedervereinigung der Kirchen, die Einheit der Kirche fordern.

O-Ton Geißler: Dieser Jesus hat ja die gewaltigste Volksbewegung in Gang gesetzt, die es überhaupt je in der Geschichte gegeben hat. Zwei Milliarden Menschen auf dieser Erde hören auf seinen Namen. Und wenn die Kirchen diese Menschen tatsächlich vertreten würden, die größte politische Macht wäre das.

Autor: Evangelisch und katholisch vereint - mit dem Papst, dem aktuellen, Papst Franziskus, als Sprecher?

O-Ton Geißler: Ja, als Sprecher, so denken viele.

Autor: Auch in der evangelischen Kirche, wo der Papst der Armen ein hohes Ansehen genießt.

O-Ton Geißler: Aber dann weiß man ja nicht, wer nach dem kommt, und irgendwie muss man das schon ein bisschen institutionalisieren. Und er hat ja sicher keine Feinde in der evangelischen Kirche. Aber in der Kurie hat er echte Feinde. Aber er setzt sich ja durch, und da muss man ihm helfen.

Autor: Und Martin Luther wäre der erste, der ihm heute zu Seite stehen würde, dem Papst von Rom. Denkt und sagt Heiner Geißler.

Beitrag von Dietmar Silbersiepe, gesprochen von Titus Reinmuth

Heiner Geißler: Was müsste Luther heute sagen? - Ullstein Verlag, Berlin 2015, gebunden, 288 Seiten

http://www.heiner-geissler.de

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