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Hörmal | 10.05.2015 | 07:45 Uhr

Im Schweiße deines Angesichts

„Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot brechen.“ Sicher einer der populärsten Sätze aus dem Alten Testament. Harte Arbeit, die Strafe, so scheint es auf den ersten Blick, für den Ungehorsam im Garten Eden.

Zur Erinnerung: Adam und seine Frau Eva, so erzählt dieser Mythos, wurden von Gott erschaffen und in jenen Garten gesetzt, der ihnen eine Fülle des Lebens bot, Wasser, zahlreiche Früchte, ja sogar einen Baum des Lebens, von dem sie essen durften. Ihnen war nur die Aufgabe gestellt, diesen Garten zu pflegen, eine eher leichte Übung. Aber es gab ein Tabu: Vom Baum der Erkenntnis durften sie nicht essen, das war verboten. Die Frucht dieses Baumes vermittelte die Fähigkeit zu urteilen und zu entscheiden, die Grundlagen menschlicher Autonomie. Dass beide, Adam und Eva, nachdem sie von dieser Frucht gegessen hatten, den Garten verlassen mussten, das war nicht Strafe, sondern eine einfache Folge: Denn wer einmal an der Erkenntnis, an ihrer Weite und Unbegrenztheit geschmeckt hat, den treibt es weiter, der will die Fülle des Lebens selber definieren und gestalten.

Diese Erzählung vom Garten Eden, dem sogenannten Paradies, ist mit Weisheit geschrieben. Denn sie bewertet nun das Ergebnis dieser eigenständigen Suche nach Lebensfülle und das ist ernüchternd: Arbeit im Schweiße des Angesichts, ausgedörrte Ackerfurchen unter der sengenden Sonne. Warum ist das so? Warum dieses harte Leben mit dem Schweiß auf der Stirn? Die Antwort verweist nicht auf Gott, sondern auf den Menschen. Selber schuld, so lautet kurz gefasst die Logik dieser Erzählung. Hätten wir doch Grenzen akzeptiert, hätten wir doch weniger gestrebt nach Erkenntnis, nach Autonomie, danach wie Gott zu sein. Aus dieser Selbstkritik bildet sich erst der Mythos von einem Garten, einem begrenzten Raum, der einst eine geborgene Lebensfülle geboten hat.

Aber diese Erzählung will nicht im Selbstmitleid versacken, sondern sie will die Suche nach Korrekturen eröffnen, nach neuen Schritten zu einem gelingenden Leben. Es ist heute nicht mehr so oft der Schweiß, den uns die Arbeit ins Gesicht treibt. Es ist für viele Menschen wohl eher der Stress, der Übergriff der Arbeit auf das ganze Leben, die Zeitnot im Pendlerstau, die Mühe, Leben, Arbeit, Familie in die Balance zu bringen. Und plötzlich, mit fünfzig oder fünfundfünfzig Jahren steht immer häufiger die Bilanz da: Burnout.

Wenn die Arbeit uns zerreibt und uns den Sinn und die Weite des Lebens raubt, dann nimmt sie uns die eigentliche Fülle des Lebens, von der dieser Mythos im Garten Eden so nachdenklich zu erzählen wusste. Es gibt kein Zurück in diesen Garten, aber es gibt, um im Bild zu bleiben, die Möglichkeit, einige dieser Pflanzen ins eigene Leben zu setzen, sich selbst mehr Zeit zu gönnen und mit denen, die einen liebevoll begleiten, das Gespräch zu suchen, darüber, was sich ändern kann, damit das Leben mehr Ruhe findet, wieder Freude und Freunde entdecken lässt. Eine solche Suche nach neuen Wegen wäre ganz im Sinne dieses alten weisen Mythos von Eden.

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