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Kirche in WDR 5 | 04.05.2015 | 06:55 Uhr

Im Zuhörladen

Guten Morgen,

wie gut hören Sie? Die Frage steht auf einem Aufsteller mitten in der Fußgängerzone. Werbung für einen kostenlosen Hörtest. Ich bleibe stehen und überlege, ob ich nicht endlich mal einen Hörtest machen sollte. Im Schaufenster des Hörladens liegen ganz klitzekleine Apparate, deren Winzigkeit noch einmal dadurch unterstrichen wird, dass sie auf riesigen Baumstammscheiben ausgestellt werden. Ich mache dann doch keinen Hörtest – das kann warten. Für viele Menschen ist so ein Hörgerät allerdings ein Segen. Wie wichtig es ist, dass man die Welt um sich herum auch hören kann! Und dann kommt mir eine Idee in den Sinn: eine Geschäftsidee, an der ich vor einiger Zeit schon einmal herumgesponnen hatte.

Man müsste einen Laden aufmachen, nein, keinen Hörladen – sondern einen Zuhörladen. Ja, Sie haben richtig gehört. Einen Laden, in dem zugehört wird – sonst nichts. Menschen, die auf der Suche sind nach jemandem, der ihnen wirklich zuhört, gibt es haufenweise. Gute Zuhörer sind Mangelware. Und genau diese Marktlücke könnte mein Zuhörladen füllen. In meinem Geschäft gäbe es qualitativ gutes Zuhören im Angebot, und das in verschiedensten Ausführungen. Ich bräuchte natürlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit hervorragenden Qualifikationen, quasi mit einem Zuhördiplom. Angeboten würden ganz unterschiedliche Formen und Grade des Zuhörens, aus denen jeder auswählen könnte: Bloßes Zuhören, interessiertes Zuhören, aktives Zuhören, kritisches Zuhören, Zuhören ohne Intervention, Zuhören mit Intervention und so weiter und sofort. Lukrativ wäre dieses Geschäft bestimmt, denn: Gutes Zuhören lohnt sich.

Zwei Geschichten dazu: Die eine findet sich im Kinderbuchklassiker „Momo“ von Michael Ende. Die Titelfigur ist ein absoluter Zuhör-Junkee. Momos Art und Weise zuzuhören, bewirkt Wunder. Aus dummen Leuten purzeln plötzlich ganz gescheite Gedanken. Unentschiedene Menschen wissen ganz genau, was sie tun sollen. Schüchterne werden mutig und Unglückliche fröhlich. Und sogar jenen, die glauben ihr Leben verfehlt zu haben, wird plötzlich klar, wie einzigartig und wertvoll sie sind. Dies alles bewirkt Momos pures Zuhören.

Die zweite Geschichte handelt vom König Salomo. Dem jungen Herrscher erscheint Gott im Traum. Salomo darf eine Bitte, einen Wunsch äußern und der junge König Salomo, der Sohn Davids, wünscht sich weder Reichtum noch Macht, weder Glück noch Gesundheit, er antwortet vielmehr: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz“. So ausgestattet bricht für Salomo und sein Königreich eine Zeit des Friedens und des Wohlstands an.

Beide Figuren erleben als Zuhörende Wundersames. Und Sie? Finden Sie die Geschäftsidee mit dem Zuhörladen auch attraktiv? Hätten Sie Lust, einen Zuhörladen aufzumachen? Ich hätte nichts dagegen, wenn aus meiner Geschäftsidee eine ganze Kette würde. Mieten Sie also gern Ladenflächen an, eröffnen sie ihre eigene Zuhörfiliale und werden sie professionelle Zuhörer. Oder noch besser: bleiben Sie unabhängig von der ganzen Einrichtung und hören sie mal nur zu, hören sie einfach zu – das aber, was das Zeug hält und so gut Sie können. Auch Sie werden wundersame Dinge erleben.

Kommen Sie gut durch den Tag, Ihre Katharina Klöcker aus Münster.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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