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Kirche in WDR 4 | 11.11.2016 | 08:55 Uhr

In der Dunkelkammer

Guten Morgen!

Dunkelkammern. Was das ist, muss man heute erklären – denn Dunkelkammern kennt man kaum noch in den Zeiten der Digitalfotografie. In komplett finsteren Räumen – manchmal nur erhellt durch ein schwaches rotes Licht – wurden fruher Schwarzweiß-Bilder entwickelt – Fotoenthusiasten hatten sich eine Dunkelkammer zu Hause eingerichtet. Man hatte einen lichtempfindlichen Film und konnte diesen dann in einem solchen speziellen Raum offnen und durch verschiedene Bader (Entwicklerbad, Stoppbad, Fixierbad) aufs Papier bekommen. Profi-Fotografen arbeiten heute noch gerne auf diese Weise, weil sie so mehr Einfluss nehmen können auf das Ergebnis. Bei diesen Fotos dienen dunkle Kammern dazu, das, was noch unsichtbar ist, herauszubringen. Der klassische Film mit 36 Aufnahmen ist lichtdicht verkapselt – wurde man ihn einfach so öffnen, sahe man nichts! Ware der Film immer nur dem Licht ausgesetzt, gabe es paradoxerweise nie ein Foto, sondern nur schwarze Fläche. Erst die Entwicklung in der Dunkelheit ermoglicht das bleibende Bild.

Dunkelheit kann und soll der Entwicklung dienen. Das ist nicht nur in der Fotografie so, sondern im ganzen Leben. Ich formuliere es einmal biblisch: „Ihr sollt hinein entwickelt werden in das Bild Christi“, hat der Apostel Paulus sinngemäß in einem Brief an eine christliche Gemeinde in Korinth geschrieben (2. Korinther 3,18). Das geschieht auf vielen Wegen – unter anderem in der Dunkelheit. Wenn ein Mensch geboren wird, prägt Gott ihm das Bild ins Herz, das er von ihm hat. Das ist da. Aber es ist noch nicht voll entwickelt. Dann kommt das Leben und mit ihm Versagen, Schuld – die eigene und die, die andere ihm zufügen. Der Mensch verletzt und wird verletzt. Er lernt Lebenssätze, die nicht gut tun. Er geht seinen Weg, und wird dabei vielleicht härter und bitterer, weil er meint: Nur so kann ich überleben und funktionieren. Es kann passieren, dass das Bild, das Gott von einem Menschen hatte, in der Dunkelkammer des Lebens unentwickelt bleibt. Es kann passieren, dass mich die Dunkelkammer in meinem Opfersein bestärkt und mich bitter macht. Es kann aber auch genau das Gegenteil passieren. Not lehrt beten – so sagen manche. Untersuchungen zu Biografien im 1. Weltkrieg haben gezeigt, dass in der Dunkelheit der Schützengräben die eine Hälfte der Soldaten nach Gott rief – die andere wurde noch verbitterter und dunkler. Bei den einen keimte noch ein Funke Hoffnung auf. Eine Hoffnung, die ich brauche, um trotz dunkler Zeiten weiterzugehen.

Glaube und Taufe – das sind meiner Überzeugung nach Entwicklerbad, Stoppbad, Fixierbad in den Dunkelkammern des Lebens. Sie helfen mir, darin zu wachsen und mich hinein zu entwickeln in das Bild Christi. Mich zu entwickeln zu dem Bild, das Gott mir schon ins Herz geprägt hatte. Ich wünsche Ihnen, dass die Dunkelkammern des Lebens Sie nicht bitter machen – sondern Sie sich in ihnen weiter entwickeln können. Hin zu einem lichtvollen Menschen. Ihr Pastor Christof Lenzen aus Gera.

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