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Kirche in WDR 5 | 14.06.2018 | 06:55 Uhr

Indianer weinen nicht!?

Guten Morgen!

Dürfen Polizisten eigentlich weinen? Im Dienst? Also draußen, auf der Straße? Wo es jeder sehen kann? In einer Gesprächsrunde mit Polizeibeamtinnen und -beamten stand diese Frage plötzlich im Raum. Ich selbst bin Polizeiseelsorger, und wir hatten uns über Belastungen im Dienst ausgetauscht. Eine Antwort aus der Runde war: „Wieso eigentlich nicht?“ Eine andere Meinung: „Nein, von uns wird erwartet, dass wir stark sind.“

Für mich haben beide Ansichten etwas richtiges, aber mich stört die Fragestellung. Wieso braucht jemand die Erlaubnis weinen zu dürfen? Wer bekommt sie, und wer nicht? Und wer erteilt sie eigentlich?

Ich glaube, viele Menschen sind verunsichert, wenn sie andere weinen sehen. Und deshalb gibt es ungeschriebene Regeln in unserer Gesellschaft, die sich seit Generationen halten:

- Frauen dürfen weinen, Männer nicht; oder:

- „richtige“ Jungs weinen nicht. Die müssen was aushalten können. Dazu gehören Feuerwehrleute und Polizisten. Und Polizistinnen dann auch.

Diese Regeln spiegeln sich in dem Satz wieder: „Indianer weinen nicht“ Ein ganz klares Rollenklischee, denn Indianer sind hier natürlich männlich.

So und ähnlich hat „man“ sich immer schon verhalten. Solche Regeln schützen vielleicht vor Verunsicherung, aber ich meine: Sie verhindern ein erfülltes Leben mit Leib und Seele. Denn wenn ich Tränen unterdrücken muss, weil sie gesellschaftlich gerade nicht „dran“ sind, dann verstecke ich meine Gefühle. Ich darf also nicht zeigen, was mich im Innersten bewegt: Trauer, Wut oder auch Hilflosigkeit. Sie kommen aus dem tiefsten Herzen und bringen mich aus dem Gleichgewicht. Gefühle drängen nach außen, sie wollen sich zeigen – wenn ich sie lasse. Und damit zulasse, dass meine Umgebung mich in meiner Gefühlslage wahrnimmt.

Nun gibt es aber Situationen, in denen es tatsächlich sinnvoll ist, Tränen zurück zu halten, nämlich dann, wenn ich handlungsfähig bleiben muss. Um nochmal die Gesprächsrunde bei der Polizei aufzugreifen: Wenn im Einsatz Stärke und ein kühler Kopf gefragt sind, wären Tränen hinderlich. Wenn aber beispielsweise eine Todesnachricht überbracht werden muss, darf man auch sein Mitgefühl zeigen.

Keine Option ist es Gefühle zu verstecken, aus Sorge mein Gesicht zu verlieren, nicht mehr so gut angesehen zu sein, weil ich Gefühle und damit Schwäche zeige.

Schließlich gehören Gefühle zum Menschsein dazu. Sie machen mich zu einem ganzen Menschen. Wenn ich meine Gefühle zeige, öffne ich mich doch gerade meinen Mitmenschen. Dadurch werden Kontakte ehrlich, tiefgehend und tragfähig.

Und das gilt auch für meine Beziehung zu Gott, und dafür, wie ich mich ihm gegenüber verhalte. Als Christ lasse ich mir von ihm zusagen: Ich liebe dich so wie du bist. Ich habe dich gewollt, so wie du bist. Du bist wertvoll, so wie du bist. In einem Psalmengebet an Gott heißt es: „Du hast den Menschen nur wenig geringer gemacht als Gott.“ (Ps 8, 6a) Eine unglaubliche Aussage! Wir Menschen sind nur wenig geringer als Gott – mit allem was uns ausmacht: Körper, Verstand und Gefühl.

Das macht mir Mut, mich mehr zu zeigen wie ich bin. Denn ich weiß: Gott steht hinter mir. Ich kann zu meinen Gefühlen stehen – auch entgegen gesellschaftlichen Regeln. Das macht es auch für meine Mitmenschen leichter mit mir umzugehen, weil sie wissen, wo sie mit mir dran sind. Und ich brauche weniger Energie; denn das Sich-Beherrschen kostet verdammt viel Kraft.

Haben Sie Mut, Ihre Gefühle zu zeigen! wünscht Ihnen Pastoralreferent Martin Dautzenberg. Bis morgen!

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