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Kirche in WDR 3 | 24.05.2016 | 07:50 Uhr

Interessante Begegnungen

Guten Morgen!

Gerne wäre ich dabei gewesen, als es mal wieder heftig zur Sache ging: Alle wichtigen und unwichtigen Denker dieser Welt trafen aufeinander. Gestritten wurde aber nicht in einer Talkrunde im Fernsehen, sondern auf einem Markt.

Manche sagen ja: Diese Talkrunden – die sind ein einziger Markt der Eitelkeiten. Trotzdem schalten viele sie ein und philosophieren von zu Hause aus gerne mit. Denn im Grunde ihres Herzens sind fast alle Menschen Philosophen. So wie Damaris. Der einzige Unterschied: Damaris lebte vor fast zweitausend Jahren in Athen und besuchte dort den Marktplatz, um von den neuesten philosophischen Ideen ihrer Zeit zu hören. Anschließend machte sie sich so ihre eigenen Gedanken, über die Welt, über das Leben und auch über das Sterben. Und sie hat ihre Antworten gefunden, besser: ihre Antwort-Ideen und Antwortversuche. Damaris war, genauso wie ich heute, etwas vorsichtig mit zu genauen gedanklichen Festlegungen.

Das haben wir beide bei dem Philosophen Platon gelernt. Er hat einmal ein Gleichnis erzählt:

Sprecher: Menschen sitzen in einer Höhle mit dem Rücken zum Eingang, alle angekettet. Hinter ihnen ein Feuer. Die angeketteten Menschen sehen nur ihre eigenen Schatten an der Höhlenwand. Zwischen dem Feuer und ihnen ist eine kleine Mauer. Hinter der laufen Menschen entlang und tragen Gegenstände, die über die Mauer ragen. So sehen die Angeketteten auch die Schatten dieser Gegenstände. Und sie halten die Schatten für die Wirklichkeit. Denn das wahre Aussehen der Dinge ist ihnen ja verborgen.

Das Gleichnis bestätigte Damaris in ihrer Überzeugung: Wir erkennen nie die ganze Wahrheit. Die wollen wir aber erfassen. Und so bleiben wir auf der Suche. Als Damaris wieder einmal auf den Marktplatz ging, um dem Streitgespräch der Philosophen zuzuhören, lernte sie einen neuen kennen. Einen Religionsvertreter. Er war ganz auf ihrer Linie, denn er nahm den Mund nicht zu voll. Paulus hieß er. Er sprach so, dass andere Philosophen aufhorchten und ein Gespräch mit ihm anfingen. Weil Paulus von Jesus Christus als Sohn Gottes sprach, vermuteten sie, er mache Werbung für fremde Gottheiten. Paulus meinte aber, alle Rede von Gott würde Gott zu sehr festlegen. Dagegen „frohbotschafte“ er Jesus und die Auferstehung. Ein seltsames Wort „frohbotschaften“. Aber es passt genau. Ich halte es für die angemessene Übersetzung des griechischen euangelitzein. Das Wort ‚Evangelium‘ bedeutet: eine gute Botschaft weitersagen. Und die heißt: Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt. Beim Frohbotschaften geht es also nicht um das Argumentieren oder das Beweisen, es geht darum, den Menschen zu sagen: „Das ist passiert. Darauf könnt ihr hoffen.“ So „frohbotschaftete“ Paulus auf dem Marktplatz in Athen von dem auferstandenen Christus. Damit wollte er sagen: „Es gibt Anhaltspunkte für die Hoffnung auf Auferstehung für uns alle.“ Als Damaris diesen Frohbotschafter Paulus immer wieder einmal hörte, mit all seiner Vorsicht und Rücksicht, mit all seinem Glauben, da hat sie gespürt: So wie er von Gott redet, so kann sie Zutrauen haben. Immer wieder hat sie ihm dann zugehört und nachgedacht und sich natürlich auch interessiert für die Lehren, die hinter der christlichen Religion stecken. Irgendwann hat sie sich dann entschieden, ihr ganzes Vertrauen auf Christus zu setzen und hat sich taufen lassen.

Einen guten Tag mit interessanten Begegnungen und Diskussionen wünscht Ihnen Gerlinde Anders, Pfarrerin in Leverkusen.

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