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Kirche in WDR 3 | 07.09.2015 | 07:50 Uhr

„Ist da noch Platz drin?“

Guten Morgen!

„Ist da noch Platz drin?“ – Die Frage verschlägt mir die Sprache. Eben hatte ich mir eine kleine Auszeit genommen. Für ein paar Minuten Ruhe in einer Kirche. Und nun stemme ich mich beim Hinausgehen von innen gegen die schwere Kirchentür, um durchs Gedränge der Stadt pünktlich zum nächsten Termin zu kommen. Das Tageslicht blendet noch. Da tritt mir ein Obdachloser in den Weg: „Ist da noch Platz drin?“ Er winkt mit dem Kopf Richtung Kirchenraum. „Mmm“, denke ich, „außer mir war da keiner drin… Ist da noch Platz drin?“ „Ja“, antworte ich noch etwas verwirrt, „da ist unendlich viel Platz drin.“

Die Kirche hat im Laufe von zweitausend Jahren viel gelehrt. Die Botschaft Jesu an die Armen wurde zu einem prächtigen Lehrgebäude. Die Kirche wurde zu einem Gebäude, in dem viel gelehrt und geredet wird. Sie vergaß darüber die einfache Tatsache, dass sie die meiste Zeit ein leeres Gebäude ist. Seit Jahrhunderten steht sie mitten in jeder Stadt. Mitten in den von Menschen und Geschäften prall gefüllten Innenstädten steht sie wie ein kostbarer, riesiger Rahmen um einen leeren Raum. Ein ausgesparter Freiraum ohne praktischen Nutzen oder finanziellen Zweck. Ein wirklicher Raum. Ein Atemraum. Ein Widerstandsraum. Da wird erstmal nichts gelehrt in diesem Raum. Da ist zuerst einmal nur leerer Raum. Und genau dieser leere Raum tut mir immer wieder gut. Er kann mich etwas Lebenswichtiges lehren.

Eine Stadt ohne einen so geschützten, leeren Raum ist in Gefahr, ihren geheimen, geheimnisvollen Mittelpunkt zu verlieren. Kirchen sind da für alle, nicht nur für Kirchgänger. Kirchen als kostbare Rahmen für einen leeren Raum wollen für jede und jeden ein Denk-Mal sein, ein Ausrufe-Zeichen, ein Frage-Zeichen:

Ist da noch Platz drin in deinem Leben? Für den unbezahlbaren Augenblick, für zweckfreie Zärtlichkeit, für Mal-nichts-müssen, für´s pure Dasein, für´s göttliche Geheimnis?

Jesus konnte in heiligem Zorn entflammen, wenn man diesen leeren, zweckfreien Raum vermarktete. Mit einer Geißel und deftigen Worten trieb er die Händler aus dem Tempel. „Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Doch ihr habt eine Räuberhöhle daraus gemacht, eine Markthalle.“ Die Händler hatten sich in der Vorhalle des Tempels breit gemacht. Die Vorhalle war der Eintrittsraum für die sogenannten Ungläubigen, die Suchenden.

Jesu Widerstand macht klar: Wenn ein Ungläubiger, ein Verzweifelnder oder Suchender den Vorraum des Tempels betritt, dann soll er leeren, freien Raum für sich und seinen Weg ins Innere finden können. Schutzraum. Klärungsraum. Entwicklungsraum. Denn nur ein von nichts und niemandem besetzter Raum ist frei für echte Begegnung. Die Begegnung des Menschen mit der eigenen Wirklichkeit braucht Raum. Die Begegnung des Menschen mit der göttlichen Wirklichkeit braucht Raum. Leer-Raum.

„Wisst ihr nicht“, fragte der Apostel Paulus die geschäftstüchtigen, gestressten Einwohner von Korinth, „wisst ihr nicht, dass ihr Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.“ (1Kor 3,16f)

Beschäftigt und geschäftig sein ist nicht alles. Halten Sie sich die Leerräume heilig! Entrümpeln Sie Umwelt und Innenwelt!

Ich wünsche Ihnen einen möglichst aufgeräumten Einstieg in diesen Tag!

Spiritual Georg Lauscher aus Aachen.

Copyright Vorschaubild: onnola CCBY-SA 2.0 flickr

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