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Kirche in WDR 2 | 15.11.2014 | 05:55 Uhr

Jan Hus - Auf dem Scheiterhaufen verbrannt

Er war ein Revolutionär - damals vor 600 Jahren. Und gilt als wichtigster Vorläufer Martin Luthers: Jan Hus, Magister der freien Künste, Theologe und Priester. In seiner Prager Gemeinde predigt er auf Tschechisch - nicht auf Latein, damit jeder ihn versteht. In seine Gottesdienste kommen 3000 Menschen. Darunter viele, die ähnlich wie Hus – ihre Kirche reformieren wollen. Kirche soll - hier folgt Hus dem Kirchenkritiker John Wiclif – keine hierarchisch geführte Institution sein. Vielmehr soll Kirche eine Gemeinschaft von Menschen sein, deren Haupt allein Christus sei. Die Kleriker sollen arm sein, Heilige dürften nicht verehrt werden, Ämter nicht verkauft und der Papst am besten abgeschafft.

Jan Hus und seine Gefolgsleute werden zunächst von König und Adel unterstützt – auch gegen die kleine, deutsche Oberschicht in Prag. Die sind nämlich gegen Reformen und lassen die Schriften Wiclifs verbrennen.

Als der König die universitäre Grundordnung ändert zugunsten der Tschechen, verlassen die Deutschen die Stadt - Jan Hus wird Direktor der Universität. In Disputationen widerlegt er akribisch die Lehren der Gegner – nicht ohne Folgen. Der Papst verbietet Predigten auf Tschechisch und die Schriften von John Wiclif.

Jetzt wird Jan Hus zum Revolutionär. Er ermutigt die Priester weiterhin auf Tschechisch zu predigen und die kirchenkritischen Schriften zu verbreiten. 1410 kommt es zum Prozess. Jan Hus wird als Häretiker exkommuniziert und mit dem großen Kirchenbann belegt. Die Tonlage wird schriller. Hus bezeichnet die Kurie als „Synagoge des Satans“, den Papst als Dieb und Antichristen.

Als Papst Johannes der XXIII zum Kreuzzug gegen Neapel aufruft und zu einem allgemeinen Ablass, kommt es zum Bruch mit dem König. Der unterstützt den Papst, Hus aber sagt, man dürfe dem Papst kein Geld geben, um Christenblut zu vergießen. 1413 schreibt er in seinem Traktat „De ecclesia“, dass jeder Christ ein Widerstandsrecht gegen unrechtmäßig handelnde Vertreter der Kirche habe. Zu gehorchen habe man nur dem Gesetz Christi.

Ein Widerstandsrecht, das jedem Christen zusteht? Kurie und König sind alarmiert.

1414 wird Jan Hus von seinem Unterstützer - König Sigismund - zum Konzil nach Konstanz eingeladen. Er hatte ihm sicheres Geleit zugesagt. Doch auf dem Konzil ändert sich die Situation. Sigismund will Kaiser werden, braucht dafür Mehrheiten und opfert Hus. 1415 wird Jan Hus als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Drei Jahre später aber kann die Reformbewegung in Böhmen wichtige Forderungen durchsetzen: Predigtfreiheit, evangelische Armut der Priester und den Laienkelch.

Jan Hus ist ein wichtiger Vordenker und Vorkämpfer Martin Luthers gewesen. Auch ihm und seinen Reformbemühungen haben wir unsere Kirche zu verdanken. Deshalb ist für mich ein dreiminütiger Ausflug in die Kirchengeschichte keine Zumutung. Auch nicht am frühen Morgen. Sondern eine Chance sich zu fragen: Ob man so von Gott redet, dass andere einen verstehen. Ob Kirche eine Gemeinschaft ist, deren Haupt Christus allein ist. Und ob man Widerstand leistet, wenn das Gesetz Christi verletzt wird. Fragen, die auch Jan Hus schon gestellt hat. So gesehen – ist noch viel zu tun. Auch 600 Jahre später.

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