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Kirche in WDR 2 | 11.04.2016 | 05:55 Uhr

Jedem das Gleiche

Am 5. Juni dieses Jahres gibt es eine Volksabstimmung in der Schweiz. Sie wird darüber entscheiden, ob in die Verfassung der Leitgedanke für ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ aufgenommen wird. In der Schweiz ist das Leben ziemlich teuer. Die Befürworter denken an eine Größenordnung von umgerechnet 1500 Euro für jede Bürgerin, jeden Bürger, Kinder bekämen ein Viertel.

Das wär´s doch: der gesetzliche Anspruch auf ein Einkommen, womit alle Menschen ein Auskommen hätten. Wenn Sie heute Morgen noch nicht richtig wach waren, könnten Sie doch jetzt Spaß kriegen! Vielleicht, weil Sie die Idee zu Beginn dieser Arbeitswoche überaus attraktiv finden. Vielleicht, weil Sie neue Perspektiven für Ihre Lebensqualität erahnen. Vielleicht aber auch, weil Sie ein Grundeinkommen für alle für ungerecht halten.

Jesus erzählte einmal eine Geschichte von einem Unternehmer, der Tagelöhner in seinem Weinberg beschäftigte. Er warb die Arbeiter morgens früh auf dem Markt an. Als Lohn verabredete er mit jedem einen Denar. Das war damals kein Mindestlohn, sondern ein ganz gutes Gehalt, das ausreichte, um eine Familie einen Tag lang zu ernähren. Als der Unternehmer merkte, dass sie mit der Arbeit nicht fertig wurden, ging er noch mehrmals am Tag auf den Marktplatz, um weitere Arbeiter anzuwerben.

Abends ließ der Arbeitgeber jedem Arbeiter einen Denar auszahlen. Diejenigen, die den ganzen Tag hart in der Sonne malocht hatten, erhielten so denselben Lohn wie die Kollegen, die nur für eine Stunde nachmittags dazu kamen. Das führte verständlicher Weise zu einem mittelschweren Aufstand. Wer gute Arbeit leistet, muss besser entlohnt werden als diejenigen, die weniger oder schlecht arbeiten! Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Ungleicher Lohn für ungleiche Arbeit. Die Verknüpfung von Leistung und Belohnung hat sich schließlich über die Jahrhunderte bewährt. Sie entspricht sowohl allen Grundsätzen unserer Marktwirtschaft, als auch unserem Gerechtigkeitsempfinden.

Anders erleben das die Menschen, die zu den Opfern unseres wirtschaftlichen Systems gehören, die heute als Tagelöhner oder unter schlimmsten Bedingungen ausgebeutet werden. Die tatsächlich auf den Markplätzen von Sao Paulo oder Neu Dehli stehen und auf einen Job warten, wenigstens für einen Tag. Sie verstehen die Logik der Geschichte unmittelbar. Ebenso diejenigen, die bei uns langzeitarbeitslos sind und einfach nicht mehr dazugehören, obwohl sie durchaus etwas leisten wollen. Sie alle wissen nur zu gut, was sie zum Leben bzw. Überleben brauchen, und wie viel ihnen dazu fehlt.

Die Logik der Gerechtigkeit bei Gott ist eine völlig andere als die unserer Marktwirtschaft. Sie fragt danach, was wir Menschen zum Leben brauchen, nicht danach, was wir leisten. Nicht weil ich im Sinne meiner Arbeitgeber funktioniere, bin ich etwas wert, sondern weil ich lebe. Bedingungslos. In einem solchen System wird nicht nur meine Leistungsfähigkeit gewürdigt, sondern auch meine Teilhabe.

Zugegeben: Die konkrete Vorstellung eines bedingungslosen Grundeinkommens erzeugt auch bei mir ein mulmiges Gefühl. Es ist ein Angriff auf unser kultiviertes Gerechtigkeitsempfinden. Die Befürworter in der Schweiz rechnen genau vor, dass es volkswirtschaftlich durchaus gehen kann.

Nun hängt meine Vorstellung davon, wie Gott den Menschen sieht, nicht von einer Volksabstimmung ab. Trotzdem bin ich echt gespannt darauf, was im Juni in der Schweiz dabei herauskommt.

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