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Kirche in WDR 4 | 12.08.2015 | 08:55 Uhr

Jeremia

Guten Morgen!

Viele eindrucksvolle und aufrüttelnde Sätze gibt es in der Bibel, zumal auch im Alten Testament, das prall gefüllt ist mit Geschichte und Geschichten von Menschen, die alle eines gemeinsam haben: Sie denken über das menschliche Leben möglichst nachhaltig nach. Anders formuliert: Sie versuchen Ewigkeit zu denken. Nichts anderes meint ja Ewigkeit als den Versuch, so nachhaltig wie möglich zu denken, bis an die äußersten Grenzen des Denkens und der Vorstellung zu gehen. Wie müsste solche Ewigkeit aussehen, sollte sie anziehend, verheißungsvoll, wünschenswert sein? Müsste sie nicht von Liebe, von ehrlicher und dauerhafter Liebe erfüllt sein? Und wäre es denkbar, dass die Mitte jener dauerhaften und unbezweifelbaren Liebe eine ewige Person ist, die wir Christen Gott nennen? Und die wir versuchen uns vorzustellen? Deren Liebe und ewige Treue wir versuchen uns auszumalen?

Die Propheten im Alten Testament sind solche Menschen, die über Gott und den Menschen nachdenken. Jeremia ist einer jener eindrucksvollen Gestalten. Und im Buch Jeremia, im 20. Kapitel, findet sich ein ungemein berührender und anrührender Aufschrei: „Du hast mich betrogen, Herr, und ich ließ mich betrügen! Du warst der Stärkere, Du hast triumphiert! Ich bin zum Gespött geworden, bei Tag und bei Nacht!“ Der, der so verbittert aufschreit, hat – wie es weiter heißt – keinen Lorbeer erhalten und keinen Weizen geerntet mit seiner Predigt von Gott und mit seinen Ermahnungen zu Umkehr und zur Gottesfurcht: Er wird eingekerkert und festgesetzt und bei lebendigem Leibe unschädlich gemacht. Gott hat ihm nicht geholfen, im Gegenteil. Angesichts einer solchen Erfahrung formulierte vor vielen Jahren einmal ein Theologe die Frage: „Macht Gott glücklich?“ Dies ist in der Tat mit guten Gründen zu bezweifeln. Und rückgebunden an die verschiedenen Figuren in Bibel und Kirchengeschichte ließe sich konkreter fragen: Waren die Propheten mit ihrem Glauben an Gott glücklich? War Jesus von Nazareth in den bittersten Stunden der Täuschung durch Judas und der Enttäuschung durch die geflohenen Jünger glücklich? War er glücklich am Kreuz, wenn man so sagen darf? War Thomas Morus im Kerker Heinrichs VIII. und war Maximilian Kolbe in der Todeszelle von Auschwitz glücklich? Wenn wir nur wüssten, was sie tatsächlich gedacht haben mögen in den letzten Stunden und Minuten vor dem Tod, dann hätte die Antwort auf die Frage nach dem Glück eine Chance. So aber wird viel zu schnell geredet vom „lieben Gott“. Ist Gott denn immer lieb und ist er Glücksgarant angesichts der Tragik des Lebens? Ist er nicht auch widerständig, unkonventionell, anders, als ich es mir wünsche und vorstelle? Die Erfahrung Gottes wird auf die Probe gestellt, wenn es nicht glatt geht. Wie ist es, wenn ich Unrecht erleide von Freunden und geliebten Menschen, bei denen ich ein Recht auf Liebe und Treue wähnte? Und wie ist es, wenn ich Unrecht erleide von Gott, dem ich alles anvertraut habe? Schärfer noch erhebt sich die dahinter liegende Frage: Sind alle Enttäuschungen im Leben eines Menschen überwindbar und unverbittert durchzustehen? Gibt es nicht Narben, die das Leben und der Glaube an die Liebe von Gott und Menschen schlagen, die nicht heilen wollen und können? Jedenfalls nicht hierzulande, in diesem Leben? Ich spreche von Scheitern und meinem Mißlingen des Lebens. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir klar:

Der Glaube an Gott ist kein sonniger Sonntagsspaziergang. Aber die Alternative, ohne Gott zu sein, die wäre für mich noch verheerender.

Aus Paderborn grüßt Sie Monsignore Peter Schallenberg

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