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Kirche in WDR 3 | 08.12.2014 | 07:50 Uhr

Jetzt ist es Zeit

Die Nacht ist still, stiller als still. Daher kommt das Erwachen auf leisen Sohlen. Die Vorhänge sind noch zugezogen. Gedämpftes Licht. Die Augen öffnen sich langsam. Die Ohren vernehmen keinen Laut. Ein Fenster steht gekippt. Der Vorhang bauscht sich leicht auf. So zieht ein kühler Wind in das große Gästezimmer mit den Dachschrägen. Er steigt dem gerade Aufgewachten in die Nase und kitzelt. Doch er will nicht niesen und die Stille sprengen. So zieht er die Bettdecke wieder höher bis über die Nasenspitze. Die Augen schauen gerade noch hervor. Ist es jetzt Zeit?

Sein Blick fällt auf das Dachfenster über ihm. Es ist mit Watte bedeckt. In der Nacht hat es lautlos geschneit. Wie Schäfchenwolken, dicht an dicht, bedecken weiche, weiße Kugeln das ganze Glas, flauschig, aber doch kalt. Dafür halten sie drinnen die Wärme fest. Das Haus ist neu isoliert. Wie hell mag es sein? Ist es jetzt Zeit?

Das Bett neben ihm ist aufgedeckt. Leer geworden entlässt es seine Nachtwärme in den Raum. Seine Frau ist wohl schon im Bad. Diese Erkenntnis bringt ihn in die Gegenwart und führt ihn gleich zurück zum gestrigen Abend. Das lange Gespräch mit den Gastgebern steigt auf. Behutsames Tasten in Fragen und Antworten, als es um eine Erkrankung ging, um Kinder, die sich entfernen, Heimaterfahrungen, die zerfließen. Doch zugleich war da Nähe, Verstehen und Verstanden werden. Sie nahmen ein wenig vom Gewicht der Lasten. Spät war es geworden. Der Schlaf hatte erst mit Verzögerung seine gewünschte Tiefe erreicht. Jetzt also ein neuer Tag. Von unten hört er das Klappern von Besteck und Geschirr. Ist es jetzt Zeit?

Die Geräusche verraten nicht viel. Die Gastgeberin ist auch am Sonntagmorgen oft schon weit vor sieben Uhr auf. Seine Frau kommt ins Zimmer: “Guten Morgen! Es ist Advent!“ Bald darauf sitzen sie am Frühstückstisch. Noch etwas verschlafen erscheint auch der Gastgeber. Ringsherum ist alles ruhig. In den Nachbarhäusern kaum irgendwo Licht. Der gefallene Schnee hält alle Geräusche der Natur wie unter einer Decke gefangen. Die vier Menschen genießen die Stille, reden wenig, die Stimmen gezügelt wie Zugpferde, die ihre Gangart noch erst finden müssen. Ist es jetzt Zeit?

Der Gastgeber, vorhin der letzte am Tisch, steht als erster auf und tritt nach draußen. Die erste Zigarette. Als der Tisch abgeräumt ist, steigen die vier ins Auto und fahren ins Zentrum. Von dort hört man Glockengeläut. Wenige Menschen in Fahrzeugen unterwegs, fast niemand zu Fuß. Bei der Kirche angekommen sind dort dennoch fast alle Parkplätze besetzt. Die Kirche, ein Bau im Stil des ganzen Stadtteils mit viel Backstein und Holz, ist adventlich geschmückt.

Orgel und Harfen begegnen sich. Bilder von Chagall sind zu sehen. Von König David und einem seiner Nachfahren. Ein König anderer Art, der auf einem Esel reitet und Armut und Frieden predigt. Sie hören Texte aus der Bibel dazu. Beide Könige ziehen in ihre Stadt ein. „Hosianna, Davids Sohn!“ wird nun auch in der Kirche gesungen. Die Lieder lassen aufatmen, lösen die Stimmen, lassen die Gedanken fließen, berühren die Seelen. Der Tag kommt und beginnt zu klingen. Es ist Advent. Aufstehen und aufbrechen. Näher kommt das Heil auf dieser Erde nicht. Jetzt ist die Zeit. Jetzt ist es an der Zeit.

Zum Advent grüßt Sie Pfarrer Eko Alberts aus Bonn.

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