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Kirche in WDR 3 | 06.12. 2018 | 07:50 Uhr

Jubeljahr

Guten Morgen!

Ein Bekannter von mir feiert in diesem Jahr seinen Geburtstag. Zusammen mit seiner Frau. Beide werden Fünfzig. „Wir feiern ein hundertjähriges Jubiläum“, sagt er. „Das kommt schließlich nur alle Jubeljahre einmal vor.

Das Wort Jubiläum stammt aus dem Mittelalter und bedeutet ein Jubeljahr. Im Jahr 1300 war es Papst Bonifatius VIII, der ein solches Jubeljahr eingeführt hat, in dem Sündenstrafen erlassen werden sollten.

Dieser Brauch geht auf ein Gebot Gottes in der Geschichte des Volkes Israel zurück. Wer damals zu hoch verschuldet war, musste irgendwann sich selbst verkaufen und so zum Sklaven werden. Damit dies nicht geschehen sollte, hatte Gott geboten, dass nach 7 mal 7 Jahren, also im 50ten Jahr allen Verschuldeten ihre Schulden erlassen werden sollten. Zu seinem Namen kam das Jubeljahr dadurch, dass es durch den Schall von Posaunen und den Klang von Widderhörnern von Hebräisch „jobel“ angekündigt wurde.

Die ursprünglich geplante Wiederholung dieses Jubeljahres hat sich allerdings in Israel nicht wirklich durchgesetzt. Die Geschichte dieses Wortes zeigt: Jedes Fest geschieht an einem freien Tag. Ein Tag, an dem wir nicht arbeiten müssen, um Geld zu verdienen.

Toll. Ein Fest, an dem alle meine Schulden getilgt sein sollten. Das klingt zu wunderbar, um wahr zu sein. In Israel zurzeit Jesu wurde das Jobeljahr schon lange nicht mehr regelmäßig gefeiert. Menschen mit Schulden gab es allerdings immer noch. Da überrascht eine Geschichte, die in der Heimatstadt Jesu passiert ist. Jesus geht wie üblich in den Gottesdienst der Synagoge. Dort werden an jedem Sonntag bestimmte Texte aus der hebräischen Bibel von einem der anwesenden Männer vorgelesen. An diesem Sonntag reicht man Jesus die Buchrolle zum Vorlesen. Und da findet Jesus die Stelle beim Propheten Jesaja, an der geschrieben steht:

Sprecher: “`Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen das Evangelium zu verkündigen; er hat mich gesandt, den Gefangenen zu verkünden, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen werden, und den Unterdrückten, dass sie frei und ledig sein sollen und damit ein Jobeljahr des Herrn zu verkündigen.‘ Und dann macht er das Buch zu, gibt es dem Liturgen und setzt sich… und sagt: `Heute ist dieses Wort vor euch erfüllt´“.

Kein Wunder, dass die wohlhabenden Leute über diese unerwartete Einführung des Jubeljahres alles andere als erfreut sind. Sie sehen schon ihre Zinsen schwinden, wenn es zu einem solchen Schuldenerlass kommt. Aber das Jubeljahr, das Jesus ausruft, ist mehr als ein finanzieller Schuldenerlass. Es geht darum, einander zu vergeben. Beides ist schwer: Dem anderen zu vergeben und einen unbezahlbaren Schuldenberg aufzulösen.

Das zeigt mir ein Blick in die überschuldeten Länder in Europa und wie sie sich um einen Schuldenschnitt bemühen. Sich aus den schier unlösbaren Verstrickungen alle Jubeljahre zu befreien und einander zu vergeben – das könnte die Welt, und manches Jubiläum fröhlicher und friedlicher machen.

Ihr Christoph Neumann, Pastor in Hemer.

Information: https://gfds.de/woher-stammt-das-wort-jubilaeum/

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