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Kirche in WDR 5 | 11.08.2015 | 06:55 Uhr

Kain und Abel

Guten Morgen!

Wettbewerb belebt nicht nur das Geschäft. Wettbewerb macht auch einsam. Der erste Wettbewerb wird in der Bibel erzählt von den Brüdern Kain und Abel. Dabei ist Kain bei Licht besehen ziemlich allein, oder sagen wir besser: Er grübelt in der Dämmerung und anbrechenden Finsternis seines Herzens allein über der Frage: Wer hat die Nase vorn, mein Bruder oder ich? Wer ist mehr geliebt von Gott, Abel oder ich? Oder, wenn das noch zu fromm ausgedrückt ist: Wer ist mehr wert, wertvoller, angesehener, ich oder die anderen? Jeder Mensch kennt dieses Grübeln, denn es gehört zum alltäglichen Überlebenskampf im Karussell der Eitelkeiten und Bedeutsamkeiten. Ja, unser ganzes Wirtschaftssystem baut darauf auf, und wir nennen es etwas beschönigend eben „Wettbewerb“ und meinen doch damit den Kampf um den Kunden. Damit beginnt aber auch aller Krieg unter den Menschen. Und wo dieser Wettbewerb und diese Wirtschaft nicht reguliert und zivilisiert werden, da bleibt in der Tat das Ergebnis, das Kain liefert: Er erschlägt Abel. Oder, um es mit Papst Franziskus zu sagen: Diese Wirtschaft und dieser Wettbewerb töten! Zwar brauchen wir den Wettbewerb der Wirtschaft, um Leistung und Produktivität zu erbringen und zu verbessern, niemand würde das schlanker Hand nach dem Zusammenbruch des bankrottierenden Kommunismus leugnen. Und dennoch: Wo der Kampf um den Kunden übergreift auf den Lebenskampf um die Mitmenschen und ihrer Liebe, da geht es mörderisch zu. So wie bei Kain und Abel: Am Ende seines quälenden Grübelns, wer nun eigentlich mehr geliebt sei, Kain oder Abel, und trotz der rührend hilflosen Ermahnung des eilends hinzutretenden Gottes, erschlägt Kain den Abel. Jetzt hat die Not des verzweifelten Grübelns ein Ende – aber die Not des einsamen Überlebens, die beginnt jetzt! Denn die Fragen im Herzen, die Fragen im Gewissen und die Fragen Gottes bleiben und sie lassen sich nicht totschlagen: Was hast Du getan? Und es hilft auch überhaupt nicht die trotzige Gegenfrage des Kain: Bin ich der Hüter meines Bruders? Altes und Neues Testament geben in unzähligen Bildern und Geschichten und Belehrungen die eine Antworten, ja in der Tat: Du bist der Hüter des Menschen, Du als Mensch, wer sonst?

Das ist das Ergebnis und die Lehre aus der uralten Geschichte von Kain und Abel: Es ist der Mensch in seiner Geschichte, der hier dargestellt und erzählt wird, der Mensch, der sich zu klein und unbedeutend und unwichtig vorkommt im Vergleich mit seinen Mitmenschen. Ja sogar mehr: Der Mensch, der Gott in perfider Weise einspannt in diesen todbringenden Überlebenskampf um Anerkennung: Liebt Gott nicht die anderen mehr als mich? Bringt er ihnen nicht mehr Glück und Wohlergehen? Und mancher erschlägt sogar im Eifer des Gefechts nicht nur gedanklich andere Menschen, sondern auch noch Gott. Bei all diesem Tun verkrümmt sich der Mensch letztlich in sich selbst, denn wenn er Liebe denkt, denkt er sogleich auch Hass; wenn er Begehren denkt, denkt er sogleich auch Abneigung; wenn er Freundschaft denkt, denkt er sogleich auch Feindschaft und Abwendung und Untreue und Verachtung. Aus dieser Dialektik kommt er selbst nicht heraus. So gesehen, lässt sich das ganze Alte Testament eigentlich verstehen als der manchmal rührend hilflos wirkende, manchmal erschreckend grausam anmutende Versuch, dieses Drama eines sich selbst unverständlich gewordenen Menschen in Geschichte und Geschichten auszurollen. Kein Mensch kennt und versteht mehr den anderen. Und bestenfalls bleibt die Frage: Was hast Du getan? Und manchmal auch, und unbeholfen zögerlich: Was kannst Du wiedergutmachen?

Aus Paderborn grüßt Sie Monsignore Peter Schallenberg

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