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Kirche in WDR 5 | 06.09.2016 | 06:55 Uhr

„Kind, wie konntest Du uns das antun?“

Guten Morgen!

In diesen Tagen und Wochen beginnt für viele junge Menschen ein neuer Lebensabschnitt. Viele haben eine Ausbildung oder ein Freiwilliges Soziales Jahr begonnen oder fangen ein Studium an.

So auch unsere Tochter Marina, die dieses Jahr Abitur gemacht hat. Anfang August hat sie eine Lehre als Kauffrau für Büromanagement begonnen.

In guter Erinnerung sind mir auch heute noch die Tage rund um die Feiern zum Abitur. Und hier ganz besonders der Abiturgottesdienst!

Die Abiturienten hatten sich mit ihren Lehrern ein überraschendes Motto für den Gottesdienst ausgesucht. Ein Zitat aus dem Lukasevangelium:

„Kind, wie konntest du uns das antun?“

Diese Frage stellt Maria ihrem zwölfjährigen Sohn Jesus. Was war passiert?

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als Jesus zwölf Jahre alt war, zogen sie gemeinsam mit ihm nach Jerusalem hinauf.

Als sie sich dann wieder auf den Heimweg machten, blieb der junge Jesus in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten.

Als sie irgendwann ihren Sohn in der Pilgergruppe vermissten, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort.

Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Seine Eltern waren sehr betroffen und seine Mutter Maria sagte zu ihm:

„Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.“

Ausgerechnet diese Frage der vor lauter Angst und Sorge betroffenen Mutter Jesu als Motto eines Abiturgottesdienstes?

Bevor Sie sich zu sehr darüber wundern, ist es wichtig, die Antwort des zwölfjährigen Jesus zu hören. Nahezu patzig fragt der nämlich zurück: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Der Evangelist Lukas notiert, dass Maria und Josef nicht verstanden, was Jesus damit sagen wollte.

Alle, die selbst Kinder haben, können die Reaktion der Eltern Jesu gut verstehen.

Und kennen freche Antworten von den eigenen Kindern.

Aber Jesus hätte man es nicht zugetraut, pubertär aufmüpfige Antworten zu geben.Es ist einfach frech, was Jesus da seinen besorgten Eltern antwortet.

Es zeigt aber, dass für Jesus die Phase des Erwachsenwerdens begonnen hat. Genauso wie für die Abiturienten des Jahrgangs 2016.

An der Schwelle des Erwachsenwerdens stellen die jungen Menschen den Anspruch eigene, neue Wege zu gehen. Und dies zu recht.Darauf wurde in der Predigt des Abiturgottesdienstes unserer Tochter hingewiesen.

Und die Antwort Mariens „Kind, wie konntest du uns das antun?“, stehe für die Schwierigkeit der Eltern, ihren Kindern diese neuen Wege zuzulassen.

Eltern müssten lernen, Los zu lassen.

Ein Gedanke, der einsichtig ist und zugleich schmerzt:

Die eigenen Kinder gehören den Eltern nicht, sie müssen ins Leben losgelassen werden!

Aber steht dem nicht die Sorge der Eltern entgegen?

Hier weist der dänische Familientherapeut und Autor Jesper Juul auf das notwendige Vertrauen der Eltern hin. Er schreibt:

Sprecher: „Vertrauen hat ja nichts mit der Überzeugung zu tun, dass Kinder alles tun, was ihre Eltern für richtig halten. Das Vertrauen, das Kinder von ihren Eltern so sehr benötigen, ist die Zuversicht, dass die Kinder ihr Bestes geben, um zu dem Menschen zu werden, der sie gern sein möchten.“

Deshalb wünsche ich allen Eltern:

dass Ihr den Mut habt, Euren Kindern ihre eigenen Gedanken zu lassen,

dass Ihr Vertrauen habt und loslassen könnt

und dass Ihr Euren Kindern Raum gebt, ihren Sehnsüchten zu folgen.

Das wünscht Peter Krawczack, ein stolzer Papa aus Düsseldorf

*Jesper Juul, Pubertät. Wenn Erziehen nicht mehr geht. Gelassen durch stürmische Zeiten, München 52010, 53

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