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Kirche in WDR 2 | 15.04.2015 | 05:55 Uhr

Kirchenfenster

Wenn die Sonne hindurchscheint, wirkt es besonders intensiv. Dann leuchten in der Mitte die hellen Farben. Gelbtöne, mal kräftig, mal etwas blasser, mal fast weiß – viele kleine Flächen, immer leuchtend. Ich mag das große Kirchenfenster bei mir zuhause in Wassenberg. Die evangelische Kreuzkirche ist ein Bau aus den sechziger Jahren, eine Zeltdachkonstruktion aus Holz, Stahl und Glas. Wenn ich in der Kirchenbank sitze, schaue ich auf das Fenster, ein riesiges Dreieck, unten etwa 20 Meter breit und bis oben in der Spitze vielleicht 10 Meter hoch. Genau in der Mitte ist ein Stahlkreuz, schwarz. Viele bunte Flächen sind rund um das Kreuz. Außen, ganz unten in den Ecken, ist es dunkel. Kräftige, dunkle Blautöne, manche Flächen sind auch grau, fast schwarz. Ein starker Kontrast zu den leuchtend gelben Gläsern in der Mitte, direkt rechts und links vom Kreuz. Oben, wo der senkrechte und der waagerechte Stahlträger sich kreuzen, sind ein paar rote Einsprengsel, kleine Tupfer hier und da wie mit einem Pinsel drauf gekleckst. Wenn ich so dasitze und mit meinen Augen über das Kirchenfenster wandere, entdecke ich noch viel mehr Kreuze, große und kleine. Über die bunten Farbflächen legt sich ein Netz aus schwarzen Strichen und Balken.

Wenn Schulklassen zu Besuch sind, wird es immer spannend. Dann beschreiben die Kinder, was sie sehen. Die Farben finden sie toll. Das Dunkle, Blaue, sagte ein Junge mal, das ist wie das Meer. Wie große Wellen rechts und links, da kann man untergehen. Aber in der Mitte, was da so hell und gelb ist, das ist wie ein Weg, da kommt man durch. Wie bei Mose, als er das Meer geteilt hat und alle durchgehen konnten und gerettet wurden, so seine Deutung.

Ich hab oft hier gesessen. Manchmal niedergeschlagen und nachdenklich. Wenn mir etwas zu schaffen machte. Zum Beispiel der Mann, Mitte fünfzig, der mit Lungenkrebs zu hause lag. Er saß im Dunkeln. Konnte einfach nicht annehmen, dass er nun mal diese Krankheit hatte. Klammerte sich am Leben fest. Das Leben loslassen? Sich Gott anvertrauen? Hoffen? Nichts davon. Dann saß ich da, guckte auf das Fenster und verlor mich in den schwarzen Kreuzen vor den dunklen Farben. Das Leben eine einzige Frage. Ein andermal saß ich am gleichen Platz und war erleichtert. Dann strahlten die gelben Farben, alles war in Licht getaucht und ich einfach nur dankbar. Eine kurdische Flüchtlingsfamilie war jahrelang im Kirchenasyl. Untergebracht in einem Notappartement, 25 Quadratmeter zu siebt. Dann endlich die Nachricht, dass sie bleiben können, der Aufenthalt genehmigt, auf Dauer. Das Leben hatte gesiegt, das Recht sich durchgesetzt. So spiegelt das Fenster, was ich fühle, immer wieder.

Der Maler Joachim Klos aus Mönchengladbach hat es entworfen, 1963, eine Werkstatt für Glasmalerei aus Kevelaer hat es in Echtantikgläsern gestaltet.

Vor ein paar Tagen haben wir Ostern gefeiert. Christen erinnern sich an den Tod und die Auferstehung Jesu. Unsere jüdischen Geschwister haben das Passah gefeiert. Sie denken an den Auszug aus Ägypten, durch das Meer in die Freiheit. Das große Fenster in meiner Kirche zuhause ist für mich ein Osterbild. Die dunklen Farben stehen für das, was das Leben bedroht. Jesus selbst war Gewalt und Tod ausgeliefert. Die roten Farbspritzer zeigen es. Die hellen Farben leuchten wie die Sonne am Ostermorgen. Das Leben siegt, das Licht setzt sich durch. Das lässt mich hoffen, immer wieder.

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