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Kirche in WDR 2 | 17.10.2015 | 05:55 Uhr

Kompromisse

Sven ist genervt. Er hasst Romantik-Hotels. Jetzt auch noch herzchenverzierte Engelfiguren auf dem Tisch im Restaurant. Ein Graus. Doch er lässt sich nichts anmerken. Karoline bestellt ihr Lieblingsessen. Sven fragt: „Gefällt es dir hier?“ Es ist mehr eine rhetorische Frage. Schließlich hatte Karoline von ihrer Freundin Sarah erzählt. Wie toll die das gefunden hatte, dass ihr Freund sie zu einem romantischen Wochenende entführt hatte. „Ok“, hatte Sven gedacht. „Botschaft angekommen“ und hatte gebucht. Und jetzt sitzt er hier mit Karoline: „Gefällt es dir hier?“ - „Ja“, sagt sie, nicht überschwänglich begeistert, aber doch überzeugend genug, dass Sven beruhigt ist. „Schön“, sagt er. Und denkt: „Dann lohnt sich das Opfer wenigstens.“

Karoline lässt ihren Blick über die Engeldeko schweifen. „Einfach gruselig“, denkt sie. „Was manche so unter Romantik verstehen…“ Dann greift sie nach dem Proseccoglas: „Cheers. Auf ein wundervolles Wochenende.“

Einige Wochen später. Sie haben ein freies Wochenende vor sich. Karoline schlägt vor: „Lass uns doch in dieses Wellnesshotel an der Ostsee fahren, von dem ich dir erzählt habe“. „Bist du jeck?“, platzt es aus Sven raus. „Ich war doch schon deinetwegen in diesem miesen Romantik-Schuppen. Jetzt bin ich mal dran, was auszusuchen.“

Karoline ist wie vom Donner gerührt. „Wie bitte?“ sagt sie. „Du hat das Hotel gar nicht schön gefunden? Ich auch nicht, mein Lieber.“

Was ist passiert? Stillschweigend ist Sven davon ausgegangen, dass Karoline sich von ihm genauso ein romantisches Wochenende wünscht. Dabei hatte sie nur davon erzählt, dass ihre Freundin Sarah das toll fand. Und Sven hatte sich gedacht: „Ok, Karoline will das auch. Ich find´s zwar blöd. Ich mach´s trotzdem, ihr zuliebe.“ Das ist ein so genannter heimlicher und damit ein fauler Kompromiss. Den hat Sven nur mit sich selbst geschlossen. Denn: Karoline wusste ja gar nichts davon.

Klar, ohne Kompromisse geht’s nicht im Zusammenleben. Die Regeln dafür sind schlicht: Der Paarpsychologe Oskar Holzberg beschreibt das so: „Jeder gibt auf, worauf er leichter verzichten kann. Und jeder setzt durch, was ihm besonders wichtig ist. Abgerechnet wird über die ganze Beziehung. Dies für das.“ (1) Diese Woche bringe ich die Kinder in den Kindergarten, nächste du. Du kochst häufiger, ich bügle dafür öfter. (2)

Wichtig ist: Keiner darf sich selbst komplett aufgeben. Beide müssen wissen und offen sagen, was ihnen „unaufgebbar“ wichtig ist. Wenn sehr Wichtiges gegen sehr Wichtiges steht, dann findet sich auch schon mal kein Kompromiss. In den meisten Fällen aber schon.

Auch in Sachen Religion und Christentum sind Kompromisse oft hilfreich. Schon bei den ersten Christen gab es Streit. Waren sie erst vorwiegend Jüdinnen und Juden wie Jesus, so kamen durch die Mission immer mehr so genannte Heidenchristen aus anderen Völkern dazu. Inwieweit sollten die sich jetzt an jüdische Gesetze halten? Darüber stritt man. Die Apostel Petrus und Paulus waren unterschiedlicher Meinung. Am Ende teilten sie sich die Missionsgebiete auf. Und es gab einen Kompromiss: Niemand muss erst Jude werden, um dann Christ zu sein, aber auch Heidenchristen sollten den Kern der jüdischen Gesetze einhalten. Auch in Glaubenssachen braucht es immer wieder ein Aushandeln. Was ist unaufgebbar und gehört zur Identität des Glaubens? Und wo können wir einander entgegenkommen?

In diesem Sinne: Offen und klar rein in die Verhandlungen. Lernen, Kompromisse zu machen, ist eine Lebensaufgabe. Sven und Karoline sind gerade dabei.

(1)http://woman.brigitte.de/leben-lieben/liebe-sex/kompromisse-1023831/?print=1

(2)„Das lateinische (Wort) `compromittere` bedeutet wörtlich `sich gegenseitig versprechen`.“ Beim Kompromiss geht’s darum, das Gleichgewicht von Geben und Nehmen zu halten.

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