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Kirche in WDR 5 | 17.07.2015 | 06:55 Uhr

Konfrontation

Viel zu oft machen wir unseren Wert an dem fest, wie andere uns beurteilen. Und wir kämpfen darum, gut abzuschneiden. Doch wer bestimmt die Kriterien dafür? Wer gibt den anderen das Recht, meinen Wert festzulegen? Wertschätzung – dieses viel verwendete Wort ist daher nicht ungefährlich: denn es legt eine verräterische Spur. Die Diskussion darüber gehört nicht nur in die Zeit, als es noch die Sklaverei gab, als hier bei uns die Frauen unterdrückt und Kinder kaum wertgeschätzt wurden, bevor sie etwas leisten konnten. Es ist zu allen Zeiten und an allen Orten, wo Menschen leben, ein aktuelles Thema – selbst in unserem kleinen Alltag.

Bei Paulo Coelho las ich, wie jemand ein Universitäts-Seminar anfing:

Sprecher:

Der Dozent hielt einen 20-Dollar-Schein hoch und fragte, wer ihn haben wolle. Einige hoben ihre Hände, doch der Seminarleiter meinte, bevor er ihn verschenke, wolle er noch etwas damit tun. «Er zerknüllte ihn zu einer kleinen Kugel und fragte wieder: „Wer will diesen Schein?“ Die Hände blieben weiterhin in der Luft. „Und wenn ich nun das damit mache?“ Und er warf den Schein gegen die Wand, ließ ihn zu Boden fallen, trampelte darauf herum und hielt ihn dann wieder hoch. Die Hände blieben weiterhin erhoben. „Sie sollten dies niemals vergessen“, meinte der Seminarleiter. „Was immer ich auch mit dem Schein anstelle, er bleibt eine 20-Dollar-Note. Auch wir werden in unserem Leben kleingemacht, getreten, misshandelt, beschimpft. Dennoch sind wir immer gleichviel wert.“»

Um mir einen eigenen Wert zuzugestehen, brauche ich vorher die Anerkennung und den Zuspruch anderer. Irgendjemand muss es mir beibringen, dass ich einen Wert habe. Manchen ist damit eine glückliche Geschichte geschenkt, andere haben es schwerer. Doch irgendwann kommt der Punkt im Erwachsenwerden, wo wir uns zu unserem Wert stellen müssen. Und von dem Moment an gilt, was der Seminarleiter seinen Studenten beizubringen versucht: daran festzuhalten, dass niemand uns diesen Wert nehmen kann – egal wie wir behandelt werden. Und so sollten wir auch mit dem Wert anderer umgehen, ihnen helfen, zu sich zu stehen.

In manchen Zeiten wurde es als Ideal hingestellt, sich bereitwillig klein machen zu lassen, sich treten und beschimpfen zu lassen und sich darin auch noch gut zu fühlen. Demut wurde das oft genannt. Doch das ist ganz gewiss nicht damit gemeint, wenn Jesus uns in der Bergpredigt auffordert, dem, der uns schlägt, auch noch die andere Wange hinzuhalten. Die andere Wange hinhalten heißt nicht, sich verprügeln zu lassen, sich Gewalt antun zu lassen, sondern ich selber bin darin aktiv. Ich bin es, die die Wange hinhält.

Der kleine subtile Unterschied, der äußerlich nicht zu erkennen ist, wird für mich an einer Stelle im Johannesevangelium deutlich, die zu meinen kostbarsten Bibelstellen gehört. Jesus steht vor dem Hohenpriester, der ihn nach seiner Lehre fragt. Und recht freimütig fragt Jesus zurück:

Sprecher:

„Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe. Auf diese Antwort hin schlug einer von den Knechten, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Redest du so mit dem Hohenpriester? Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich?“ (Joh 18,21-23)

Jesus schlägt nicht zurück, aber er erspart dem anderen nicht die Konfrontation: warum tust du das? Er steht, wo er steht, und lässt den anderen nicht einfach vorbei. Der Knecht soll sich vergewissern, was er da tut. Es ist eine Form gewaltfreier Konfrontation, die nicht nur die eigene Würde betont, sondern auch die des anderen. Es setzt voraus, dass wir selbst wissen, was wir tun, und damit auch dem anderen helfen, sich zu erkennen. Offenheit und Klarheit im Miteinander wäre die Folge – wünschenswert für Familien, Arbeitsplätze und Politik.

Den Mut zur gewaltfreien Konfrontation um des anderen und um Ihrer selbst willen wünscht Ihnen für heute Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

*5 Paulo Coelho, Sei wie ein Fluß, der still die Nacht durchströmt. Zürich 2006, S. 231.

Copyright Vorschaubild: Search Engine People Blog CCBy 2.0 flickr

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