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Kirche in WDR 5 | 05.06.2015 | 06:55 Uhr

Kopf hoch?

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

es gibt so manche Sprüche, die mir gar nicht gut gefallen, auch wenn sie vielleicht ganz gut gemeint sind. Ich kann mich erinnern, als ich vor einigen Jahren in einer längeren Phase persönlicher Sorgen war, dass mich zwei Sprüche ziemlich aufregten, obwohl sie mich eigentlich ermutigen sollten. Der eine Spruch hieß: „Zeit heilt alle Wunden“, der andere: „Kopf hoch, das wird schon wieder“.

Natürlich meinen Menschen es gut, wenn sie in schwierigen Situationen versuchen, andere mit solchen oder ähnlichen Worten zu trösten. Und trotzdem werden solche Worte einem konkreten Menschen in seiner Situation meist nicht gerecht. Können sie ja auch gar nicht. Denn was da mit der Zeit geheilt werden könnte, tut im Moment sehr weh. Und was da irgendwann vielleicht wieder werden könnte, hat im Moment eine ungeheure Schwere.

Im Umgang mit Menschen, denen es derzeit schlecht geht, braucht man eine Menge Fingerspitzengefühl und Empathie. Ändern lässt sich ja meistens nichts, weil die Situation ist, wie sie ist.

Im Neuen Testament gibt es einen Vers, der in diesem Zusammenhang vielleicht in eine andere Richtung weist. Der Apostel Paulus sagt: „Einer trage des Anderen Last. So erfüllt ihr Christi Gesetz“ (Galaterbrief 6,2). Ich habe mich schon oft gefragt, wie Paulus das denn wohl gemeint hat. Natürlich können wir einander helfen, etwas zu tragen. Bestimmt können wir dabei einander unterstützen, mit Schwierigkeiten fertig zu werden. Aber des Anderen Last zu tragen, wie soll das gehen? Wir haben doch oft schon genug mit uns selbst und unseren Lasten zu tragen.

Es heißt im Galaterbrief dann auch noch: So erfüllt ihr Christi Gesetz. Es hat also etwas mit dem christlichen Glauben zu tun, einander Lasten zu tragen. Auf dem letzten Weg Jesu zur Kreuzigung wird das ja auch berichtet: da wird ein Mann, Simon von Zyrene mit Namen, von den Römern gezwungen, das Kreuz Jesu zu tragen. Jesus allein drohte unter der Last des Kreuzes zusammen zu brechen. Wir brauchen uns gar nicht so viele Gedanken machen, was denn ein christliches Leben eigentlich ausmacht, wenn wir von diesem Beispiel lernen. Das gehört zu einem christlichen Lebenskonzept dazu: die Bereitschaft, sich den Problemen, den Nöten eines anderen Menschen wirklich auszusetzen und ihn dann zu stützen und zu unterstützen. Natürlich soll sich keiner überfordern. Menschen mit einem weiten und selbstlosen Herzen werden oft ausgenutzt oder bringen sich selbst an Grenzen ihrer Kraft. Und wir können letztlich nie die Probleme anderer Menschen lösen, indem wir sie auf unsere Schultern laden. Aber die Probleme mittragen – das ist eine Solidarität, die bei den Christen von Anfang an verbreitet ist. Der Auftrag, auf einander zu achten, kommt von Jesus selbst. Wenn ich christlich leben will, dann komme ich nicht darum herum, Augen und Ohren, Hände und manchmal auch das Portmonnaie zu öffnen, um Not zu lindern oder einem anderen Menschen beizustehen. Dann habe ich einen besonderen Blick auf die Welt. Ein Blick, der sich berühren lässt, vom Anderen – auch in seinen Leiden. Das genau ist wahrscheinlich auch das Problem mit Sprüchen wie „Kopf hoch, das wird schon wieder“. Wer das sagt, dem kann die innere Berührung mit dem Leid des Anderen fehlen. Das muss nicht zwangsläufig so sein, aber gut ist es schon, zumindest sensibel für diese Gefahr zu sein.

Wir Menschen haben eine ganz große Gemeinsamkeit, jedenfalls aus der Sicht eines religiösen Menschen: wir sind Kinder des einen Vaters im Himmel.

Vielleicht begegnet Ihnen heute oder in den nächsten Tagen ein Mensch mit einer konkreten Situation, in der Sie auf einfache Weise wirksam werden können. Aus Paderborn grüßt Sie Domvikar Michael Bredeck.

Copyright Vorschaubild: Pixabay

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