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Hörmal | 29.05.2014 | 07:45 Uhr

Küchentisch im Jenseits

Heute ist Vatertag und ich hoffe, dass alle ihre „Vaterfreuden“ feiern können. Der Vatertag kommt, wen wundert’s, aus den USA und wurde vor genau 90 Jahren zum ersten Mal von einem US-Präsidenten als Feiertag empfohlen. Und seit 80 Jahren feiern die Deutschen Vatertag am heutigen Tag, denn 1934 wurde das Fest „Christi Himmelfahrt“ ein gesetzlicher Feiertag. Und für viele wurde es gleich zum Vatertag umgemünzt – in der ehemaligen DDR sogar ganz offiziell. Damit gelangte das christliche Fest ins Hintertreffen.

Aber wenn man so will, gibt es sogar etwas Verbindendes zwischen den beiden Festen: Vatertag und Christi Himmelfahrt.

Christen feiern heute, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist und oft wird gesagt: er ist heimgekehrt zum Vater. Eine Art himmlischer Vatertag also.

Ich frage mich manchmal, wie das so gewesen ist, als Jesus dann seinem Vater begegnet ist. Ob von Angesicht zu Angesicht, weiß ich nicht. Und ob es im Himmel wohl einen Küchentisch gab, an den sich die beiden dann gesetzt haben um sich auszusprechen? Küchentische eigenen sich zumeist ja gut, um die Dinge auf den Tisch zu legen.

Ich denke mir: Eigentlich hätte Jesus genug Gesprächsbedarf gehabt. Nach all dem, wie es für ihn zu Ende gegangen war. Als er sterbend vom Kreuz aus rief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Das jedenfalls klang nicht nach einem geklärten Vater-Sohn-Verhältnis.

Natürlich sind all diese Überlegungen müßig. Was da im Himmel, also im Jenseits passiert, übersteigt letztlich mein Verstehen. Aber wenn es im Christentum einen Tag gibt, wo an so eine Begegnung im Jenseits mit Gott zu denken ist, dann ist es dieser Tag.

Ich nehme einmal an: Jesus wird mit seinem Vater alles geklärt haben, heißt es doch, dass er und der Vater eins sind. Im Jenseits wird’s den Küchentisch also nicht gebraucht haben. Jedoch: im Diesseits sind Vater-Sohn-Beziehungen nicht immer geklärt.

Kürzlich las ich einen Brief von Hermann Hesse, den er mit stürmischen 15 Jahren an seinen Vater geschrieben hatte: „Sehr geehrter Herr (…)“ schrieb er, „‚Vater‘ ist doch ein seltsames Wort, ich scheine es nicht zu verstehen. Es muss jemand bezeichnen, den man lieben kann und liebt, so recht von Herzen. Wie gern hätte ich eine solche Person!“

Mich hat Hesses Brief sehr nachdenklich gemacht. Bei Familie Hesse scheint offenbar der Küchentisch gefehlt zu haben, um die Dinge zu klären. Und dem jungen Hermann fehlte ein Vater, den er lieben konnte.

Daher mein Wunsch an alle Väter zum Vatertag: Natürlich soll heute schönes Wetter für die Herrentour sein. Aber wichtiger ist doch, dass Väter wissen, dass sie von ihren Kindern geliebt werden. Und falls dabei Gesprächsbedarf besteht, hoffe ich, dass das nicht erst auf einen Küchentisch im Jenseits verschoben wird!

(Copyright Vorschaubild: RomanKetchup CCBY 2.0 flickr)

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